– Leider hatte ich zum Schreiben noch weniger Zeit als damals auf dem Zinken; bei Fouqués war es nötiger als je, daß eine gute Seele sich um den Haushalt annahm. Zu eben jener Zeit kam ich einmal vom Markt heim und sah einen der Fouquésbuben vor seines Vaters Ladentür herum spazieren, nur mit einem Höschen bekleidet, das an einem Paar trübseliger und verschlissener Hosenträgerlein hing.

»Ja, Heiner, wo hast du denn dein Hemd?« fragte ich ihn.

»Ha, es ist doch in der Wäsche!« sagte er und sah mich erstaunt an, ob ich das nicht begreifen könne; mir aber fiel es bedrückend auf die Seele.

Margret war nun glücklich mit dem fünften Kind in gesegneten Umständen. Ihr Mann bedauerte es, da es mit ihrer Gesundheit nicht gut stand; sie aber freute sich, als ob's das erste wär'. »Es ist bloß halb gelebt, wenn man keine kleinen Kinder hat,« sagte sie oft.

Zu ihrem angeborenen Hang zum Müßigsein und einer genialen Faulenzerei kam nun die körperliche Entkräftung, und wenn sie Schmerzen oder Beschwerden hatte, eine grenzenlose Gleichgültigkeit gegenüber ihren Haushaltungsgeschäften. Sie konnte stundenlang im Garten sitzen und mit ihrem jüngsten Kinde spielen indes im Haushalt alles drunter und drüber ging, und das Sonderbare daran war nur, daß sie dies keineswegs bedrückte, sondern daß sie vergnügt dabei war und sich ihrer Muße und der guten Stunde freute. Ich kam einmal dazu, wie sie mit einer Lauffrau Putzerei hielt, wobei sie, die Laute im Arm, auf der obersten Leiterstufe saß: »Schäpperle, ach liebe Schäpperle, putzen Sie mir doch den Boden vollends naus! Wissen Sie, Sie könnens viel schöner! Gelt, Frau Schäpperle? Kommen Sie, ich will Ihnen auch was Schönes dazu vorspielen:

Hinter meiner Schwiegermutter ihrem großen Himmelbett

Steht ein großer Sack voll Sechser, wenn i nur die Sechser hätt'!«

Sie konnte in solchen Augenblicken bestrickend liebenswürdig sein und einfach unwiderstehlich, man mußte ihr den Willen tun.

Eines Morgens stand sie vor meiner Glastür und trug dem Hausmädchen auf, sie wolle mich einen Augenblick sprechen. Als ich kam, guckte sie mich lieb und spitzbübisch an und bettelte mit den Augen wie ein Kind. Ob ich ihr nicht aushelfen könne; sie hätten eine Rechnung zu zahlen und im Augenblick nicht so viel beieinander.

Peinlich erschrocken nahm ich sie schnell in mein Zimmer, und als sie so im hellen Morgenlicht vor mir stand, nahm ich mit Entsetzen wahr, daß sie noch nicht gekämmt und ihr hübscher weißer Halskragen sehr schmutzig sei. Es fiel mir noch so mancherlei auf; ach, ich schämte mich so, daß ich gar nicht mehr hinsehen mochte. Schweigend gab ich ihr alles Geld, das ich da hatte und versprach ihr, am Mittag noch mehr von der Sparkasse zu holen, worauf sie mir jubelnd um den Hals fiel und mich warm und dankbar küßte.