»Ich wußte ja, daß du mir aushelfen würdest! Du bist halt eine Gute. Man kommt nicht umsonst zu dir. Aber gelt, es macht dir auch Freude, wenn du uns was tun kannst? Du, komm heut Abend bald herüber; ich will einen Heringssalat machen, weil du ihn so gern magst! Adieu, Adieu!«
Dann war sie hinaus und die Treppe hinunter; mir aber war es gar nicht nach Heringssalat zumute.
Ich spürte in dieser Zeit wohl, daß es mit meiner Auslandsreise noch eine gute Zeit anstehe und daß ich Fouqués noch gewaltig unter die Arme greifen müsse, ehe ich an mich selber denken dürfe.
– Neben all diesem gab es noch Stunden voll verzweifeltem Heimweh nach Gottfried, wo ich alle meine Pläne und alle Dichterei mit Freuden gegeben hätte, um noch einmal eine Stunde mit ihm zusammen zu sein, wo ich weinte und wütete und nicht begreifen konnte und es in mir jämmerlich elend war. Dann fielen die Luftschlösser und guten, strebsamen Gedanken zu erbärmlichen Trümmerhaufen zusammen, und ich begriff mit grauenhafter Erkenntnis, wie unsäglich viel ich verloren habe und wie es nie, nie mehr zu ersetzen wäre.
Und lange Zeit träumte ich jede Nacht denselben Traum. Ich saß auf dem geschweiften Kanapee in Gottfrieds Stube, er hatte seinen Kopf in meinem Schoß liegen, sagte Liebesworte und sah mit strahlenden Augen zu mir auf. Der Hölderlin lag auf dem Tisch, auch war der Apfelkorb da und ein Krug mit Blumen.
Und jedesmal sagte ich traurig: »Ach, das ist alles bloß im Traum so, und nachher, wenn ich aufwache, bist du gestorben und ich bin allein. Ich weiß es gut, es ist immer so.«
»Nein, nein,« sagte er und schlang seine Arme um meinen Hals, »diesesmal ist es gewiß kein Traum, du darfst mirs glauben; ich bleibe immer, immer bei dir!«
»Das sagst du immer. Und dann wache ich auf, und es ist gelogen.«
»Aber so glaube es mir doch diesesmal noch –, hörst du, Agnes, liebe, liebe Agnes! Spüre doch, wie ich lebendig bin.« Und er küßte und liebkoste mich und tat so innig und voller Liebe, und wenn es am schönsten war, erwachte ich und lag in einer dunklen Nacht und in naß geweinten Kissen.