Er sah ihr nach, bis der Zipfel ihres weißen Kleides entschwunden war. Auf seinem Antlitz spiegelten sich die verschiedensten Gefühle, sie drückten Zweifel, Hoffnung und Entzücken aus.

Als Ilse so hastig in das kleine Zimmer trat, atemlos und mit heißen Wangen, erschrak sie fast, als sie den Onkel antraf.

»Nun, Backfischchen, was ist dir denn begegnet?« fragte er und legte das Buch, in welchem er gelesen, aus der Hand.

»O nichts, nichts, gar nichts!« rief sie schnell. »Ich bin nur so heiß und mein Herz klopft so furchtbar.«

Ehe er noch nach der Ursache ihrer Erregung fragen konnte, schnitt sie ihm das Wort ab. »Eine furchtbar interessante Neuigkeit, Onkel Curt! Nellie ist Braut!«

Wer Nellie war, wußte er längst, oft genug hatte Ilse ihm in den Malstunden, die sie mit vielem Eifer nahm, von ihr erzählt, aber wie sie aussah, wußte er noch nicht, heute konnte sie ihm das Bild derselben zeigen. Es war ihr jetzt das Album nachgesandt, welches Fräulein Raimar ihr bereits bei der Abreise versprochen hatte. Es enthielt die Bilder der Lehrerinnen und Freundinnen.

»Also Nellies Verlobung macht dir Herzklopfen?« meinte er etwas zweifelhaft lächelnd. »So, so! Sag’ mal, Fischchen, sind Gontraus schon da?«

Diese Frage hatte Ilse überhört. »Hier ist Nellie!« fiel sie dem Onkel in die Rede und reichte ihm das Album. »Sag’, ist sie nicht reizend?«

»Reizend? Das kann ich nicht finden,« entgegnete er etwas gedehnt und nach einigen prüfenden Kennerblicken. »Anmutig, graziös, ja, der Mund ist lieblich, Augen und Nase aber –«

»Ach, Onkel,« unterbrach ihn Ilse, »du darfst sie nicht mit so kritischen Blicken ansehen, du kannst mir glauben, Nellie ist reizend! Das Bild ist auch schlecht, in Wirklichkeit ist sie viel hübscher!«