Nirgends kann man den Gesichtscharakter einer fremden Nation besser beurtheilen, als in ihren Heeres-Abtheilungen. Wo alles gleich gekleidet ist, nach gleicher Größe gerichtet wird, da fällt einem auch die Gleichheit der Züge auf und es wird möglich, aus diesen neben einander gereihten Gestalten einen allgemeinen Typus zu entnehmen. Der türkische besteht in einer ziemlich kurzen, etwas zurück gelegten Stirne; starken, schön gewölbten Augenbrauen, scharfen, lang geschnittenen Augen, einer langen, schmalen an der untern Spitze gerundeten Nase, einem großen, schlaffen Munde mit starker Unterlippe, und einem langen, ovalen Kinn; die Haut ist olivenartig. Nur der Schnurrbart wird bei den türkischen Truppen getragen; der volle Bart wäre, wie wir oben gesagt haben, zu reactionär, und würde zu viel an den Janitscharen-Absolutismus erinnern. Nach der Defilirung der Truppen drückten wir dem Generale unsere Bewunderung und unseren Dank aus und verließen hierauf die schöne Kaserne.

Es scheint, daß die Türken die Erfahrungen, die sie aus den Revolutionen schöpften, gut zu benützen wußten, indem sich der Palast des Gouverneurs in unmittelbarer Nähe der Behausung der Truppenmacht befindet. Ist auch die türkische Monarchie im Innern morsch und schwach, so ist sie es doch nicht durch die Revolution, und das Hinsterben eines alten Kolosses, der eine große Vergangenheit hat, ist nicht so erbärmlich, als die furchtsame Schwäche der europäisch christlichen Staaten, die die Revolution hassen, sie gerne umbringen wollten, aber die Mittel hierzu mit kindischer Schwäche scheuen und nur manchmal hinterrücks einen Ausfall wagen. Die religiöse Idee ist es, die dies Reich noch zusammenhält. Ist Mohammed einmal begraben, so leuchtet auch sein Halbmond nicht mehr über den schönsten und reichsten Länder der Erde. Soll die Türkei untergehen, so untergrabe man ihre Religion. Will man die europäischen Nationen stürzen, so säge man fleißig am Kreuze.

Da während des Morgens das Meer ziemlich bewegt geworden war, schlug man unserer Gesellschaft vor, den Rückweg zum Consulate auf den Pferden des Pascha durch die Stadt zu machen. Wir nahmen das Anerbieten nicht an, da es uns in Verlegenheit setzte, auf diesen herrlich geschmückten Pferden zum Schauspiel für ganz Smyrna zu werden; wir hätten auch in voller Uniform zu Fuße in der glühendsten Hitze auf dem schlechten Pflaster eine lange Strecke gehen können. Ich aber liebe das bewegte Meer, und tanze gerne auf den mächtigen Wogen, bestimmte mich daher die Fahrt wieder in der Barke Halils zurück zu machen. Ein herrliches Vergnügen versprach ich mir von diesem wonnevollen Schaukeln durch den zauberhaften Hafen von Smyrna. Meinem Beispiele schlossen sich mein Bruder, Graf C., der General-Consul und der Dragoman an. Den Uebrigen schien das Heben und Sinken der schäumenden Wogen nicht zu behagen; sie zogen es vor, recht mühselig zu Fuße zu schleichen. Wir stießen frisch vom Ufer ab, und ich freute mich meines Einfalles; rasch schwebten wir über Berg und Thal im kühlenden Meerwinde dahin, die lustigsten Hafenscenen beobachtend. Das rothe Dach schützte uns vor den sengenden Strahlen und mit der größten Muße konnten wir das herrliche Panorama der Stadt betrachten. Lange schon ruhten wir wieder auf den Sopha's im Consulatsgebäude in angenehmer Erinnerung des heitern und merkwürdigen Morgens, als unsere Freunde keuchend und halbtodt von Hitze und Müdigkeit daher kamen. Wir bedauerten sie, daß sie nach einem so copiösen Male, so lange über das halsbrecherische Pflaster hatten hinken müssen. Ich lachte und dachte in meinem Innern, die hüpfenden Wellen sind doch besser als der holprige Weg.

Ein Ausflug nach Burnabá.

Smyrna den 20. September 1850.

Es war einer der schönen hellen Tage des Südens, der Himmel rein, die Luft warm und doch nicht drückend. Alles dies lud uns ein, das Anerbieten des Consuls und Pascha's, einen Spazierritt nach Burnabá zu machen, anzunehmen. Um drei Uhr Nachmittag, nach einem stärkenden Gabelfrühstück verließen wir das Verdeck des Vulkan. Bald hatte uns die Barke an Asiens Strand gebracht, von wo uns einige Schritte zum Hause unseres Consuls führten. Hier warteten unserer die Pferde des Pascha; es waren herrliche Thiere, in der reichsten Zäumung; die langen und breiten Schabracken strotzten von reichen Goldstickereien, die Zäume waren aus goldig glänzender Bronce, und die Steigbügel aus demselben Metall stellten ganze Waffentrophäen vor. Wir setzten uns hoch zu Rosse und umgeben von einem bedeutenden Schwarm türkischer Offiziere und einer Art irregulären Garde des Pascha, durchzogen wir mit majestätischem Pferdegetrappel die Straßen von Smyrna. Wir kamen durch die Armenier-Stadt, um der Anhöhe entlang in das freie Land zu gelangen. Alles stürzte zu den Fenstern und vor die Thüren, die herrlichsten orientalischen Physiognomien zeigten ihre neugierigen, fein geschnittenen Augen hoffend, daß sie einen asiatischen Fürsten im herrlichsten Anzuge einherziehen sehen würden, während sie nur, o Ironie! ein paar armselige Europäer in quadrilirten Sommertrachten bedeckt mit schwarzen Cylindern, auf den luxuriösen Pferden Halil Pascha's erblickten. Bald waren wir auf einem gar schönen, und – schenkt man den Historikern Glauben – interessanten Punkte, auf dem höheren Theile Smyrnas, angelangt. Es ist dies der von Platanen umschattete heilige Ort, an welchem der erste Musensohn, der erste, von dem wir wissen, daß er der Sprache die bezaubernden Rosenfesseln des Rhythmus angelegt hat, an welchem Homer das Licht der Welt erblickt hat. Ist es auch nicht der wahre Punkt, an welchem der von den Göttern begeisterte Sänger geboren ist, so ist doch wenigstens die geschichtliche Fabel trefflich ersonnen; denn gar reizend wölbt sich die Platane mit ihrem edlen schlanken Wuchse, ihren feinen glatten Aesten, und der breiten, leichten, vielfach gezackten Blätterkrone an dem diesseitigen Ufer eines Gewässers, während jenseits der stille, ernste toderfüllte Cypressenhain zum Himmel ragt; zudem erheben sich als Symbole der späteren Geschichte zwischen den spitzen dunklen Bäumen gleich weißen Geistergestalten die merkwürdigen Türken-Gräber, während über den Fluß die für Smyrna so wichtige eigenthümlich gebaute und mit lebhaften Farben bemalte Caravanenbrücke führt, über welche tausend und tausende von Kamelen die reichen Naturgaben auf den Stapelplatz der orientalischen Gewässer bringen. Wir überschritten dieses alte Bauwerk und begaben uns in den Todtenhain der Muselmänner. Ein eigenthümlicher Ernst, eine ergreifende Würde herrscht in diesen Räumen; in guter Ordnung und gehöriger Entfernung stehen die hohen Cypressen, diese lebenden und doch die Todesruhe verkündenden Minarets des Pflanzenreiches. Zwischen denselben sind die zahllosen Gräber, welche aus aufrecht stehenden Steinplatten bestehen, die meist auf und abwärts in einen Winkel auslaufen. Die Gräber der Männer bezeichnen auf dem obern Theil angebrachte Turbane; die der Frauen sind ungeschmückt wie überhaupt der Frau im Oriente keine Rolle eingeräumt ist. Vor mancher der Steinplatten erstreckt sich eine niedere Steineinfassung, wie sie bei uns im Gebirge öfter von Holz gemacht wird. Die neueren Gräber sind mit grellen Farben bemalt und statt dem Turban sieht man schon den türkischen Feß darauf. Auf den Steinplatten stehn der Name des Todten und Sprüche aus dem Koran. Zwei Dinge gefallen mir bei den Türken: daß sie nie die Gräber ihrer Vorfahren mit eigener Hand aufreißen und vertilgen, sondern dies Geschäft der Zeit überlassen, und daß sie keine steinerne, beklemmende Platte den Gebeinen der Verstorbenen aufdrücken, sondern sie dem Schooße der Mutter Erde anheimstellen. Ich ziehe einen solchen Türkenfriedhof den unserigen weit vor; man findet hier viel mehr Gediegenheit, Einfachheit und Naturreiz als in unseren Kirchhöfen, wo man oft eher geneigt ist zu glauben, man sehe ein theatralisch heidnisches Freudenmonument, als eine christliche Grabstätte, oder endlich gar, wie bei den Italienern, wo man auf einem großen mit Arkaden umgebenen Platz die Reichern aufschichtet, während man dem Armen nur auf freiem Felde einen Raum gönnt und sein Grab von dem eines Hundes nur durch eine kleine nummerirte Holzmarke unterscheidet; will man Namen und Auskunft über einen Todten finden, so muß man in einem Bibliothekkasten, einen Katalog nachschlagen lassen. Dies sind die Ergebnisse unserer großen materialistischen Zeit, in welcher sich die Menschheit selbst als eine von einem ungekannten Fluidum durchströmte Fleischmasse betrachtet und hiedurch, wie natürlich, die Achtung vor den todten Gebeinen verliert. Unsere Vorfahren kannten noch den schönen Sinn, der sich in den Türkenfriedhöfen zeigt, und man findet denselben noch in manchen Theilen des hohen Gebirges.

Wir verließen die großen Cypressenhaine, bestiegen wieder unsere schimmernden Rosse, und setzten unseren Weg nach Burnabá fort. Wir durchstreiften die fruchtbarste Gegend mit der üppigsten Vegetation; man konnte sich hier den richtigsten Begriff von dem Reichthume der türkischen Länder machen; die herrlichsten Reben schlingen sich um die kräftigen Feigenbäume; die berühmten Zuckermelonen von Smyrna wachsen zwischen dem kornreichen türkischen Weizen; alles hat den Anstrich der Fülle, doch sieht man, daß Mutter Natur die Hauptkünstlerin in dieser herrlichen Kultur ist. Häufig begegneten wir Kamelzügen und Maulthieren, mit den Früchten des Landes beladen; von allen Seiten ward das Auge gespannt, überall erblickte man Neues und Fesselndes. Als wir in eine breitere, nur mit einzelnen Bäumen bewachsene Ebene geriethen, fingen die mit langen Flinten und Säbeln bewaffneten und bizarr gekleideten Garden des Pascha an, uns zu umschwirren; immer rascher trieben sie ihre Pferde an, und hoben sie ihre Stimmen zu wildem Geschrei; der Staub wirbelte unter den fliegenden Hufen auf, und nach den verschiedenen Richtungen gegenseitig ihre Wege durchkreuzend, gaben sie uns ein Bild kriegerischer Kämpfe; es nimmt sich ganz gut aus, wenn solch ein brauner Sohn des Orients in der malerischen Tracht, auf seinem kleinen feurigen Renner, zwischen den Bäumen stäubend dahin fliegt, den Säbel schwingt, die lange Muskete zum Schusse anlegt, sich in den kühnsten Bewegungen hin und her schwingt und das wilde Schlachtgeschrei ertönen läßt. Wie bedauerte ich, daß wir auf unseren Parade-Rossen dergleichen nicht thun konnten; doch leider dürfen diese Repräsentations-Thiere nach türkischer Sitte nur im Schritte geritten werden, indem sie der Pascha blos bei großen Gelegenheiten, wie beim Einzuge in die Moschee braucht. Aus Artigkeit für den freundlichen Halil waren wir also verdammt, den ersten Theil des Weges im imposanten Einzugsschritte mit zeitweiligen nicht sehr dazu passenden Lançaden zu machen. Doch ward uns nach einiger Geduldprobe Hülfe verschafft; wir kamen in eine Papiermühle und versicherten dort auf die artigste Weise den türkischen Herrschaften, daß wir gesonnen seien, diesen herrlichen Thieren eine besondere Schonung angedeihen zu lassen. Artiger konnten wir die Sache nicht wenden. Die Türken schienen hierüber keineswegs böse zu sein, wir sprangen von unseren Pferden ab und nahmen dafür leichtfüßigere Thiere aus dem Gefolge, und nun ging es zu unserem Vergnügen bald in einem schärferen Tempo, und lachend und scherzend kam unser großer Schwarm im lebhaftesten Gewühle nach Burnabá. Dieser Ort, der Sommeraufenthalt der Franken, die elegante villeggiatura, in welcher sich die verschiedenartigsten Stämme Europa's dem Sommervergnügen hingeben, liegt am Gebirge und sieht durch seine vielen und reichbepflanzten Gärten gar lieblich und heiter aus. Die Ortschaft ist groß; nur Schade, daß, wenn man in das Innere eindringt, man von der Pflanzenfülle und dem Häuser-Comfort gar wenig steht, indem alles mit hohen Mauern nach orientalischem Schnitte abgeschlossen ist. Im türkischen Theile befindet sich ein Bazar, welcher jedoch schmutzig und von kleiner Ausdehnung ist, so daß das Innere der Straßen gar wenig Interessantes darbietet. Uns war es jedoch vergönnt einen tiefern Blick in die Pracht und den Comfort der Bewohner dieser südlichen Länder zu thun. Ein charakteristischer Unterschied zwischen dem orientalischen und dem europäischen Volke ist es, daß die Bewohner Europa's mit ihren Schätzen prunken, ihre Gärten den Schaulustigen öffnen, gar häufig mit dem, was sie durch ihr Geld erkauft haben, prahlen und alles Mögliche thun, um Leute zu finden, welche das von ihnen Geschaffene bewundern. Der Orientale dagegen häuft seine Schätze mit stiller Eifersucht zwischen den vier schützenden Mauern auf, schafft sich daselbst ein Paradies, und genießt es im Stillen mit den Eingeweihten des Hauses; höchstens erlaubt er der Fama, daß sie von den geheimnißvollen unsichtbaren Wundern seines Hauses spricht. Dadurch wird im Oriente das Niegesehene immer von Neuem bewundert, wenn in Europa der Blick der Menge längst davon gesättigt ist. Durch die Güte des General-Consuls erhielten wir in den Garten eines sehr reichen Banquiers, Namens B., eines gebornen Triestiners, Einlaß. Der Besitzer empfing uns auf das Zuvorkommendste und führte uns in einen, in seinem Garten gelegenen reizenden Salon, welcher uns das lebhafteste Bild des luxuriösen Geschmacks des Orients gab. Der mit Marmor belegte Boden war in zwei Abtheilungen getrennt, so daß der eine Theil erhöht war. Hier lief längs der Wand ein Divan, zu dessen Füßen reiche Teppiche gebreitet waren. An den mit einer großen Anzahl Fenstern durchbrochenen Wänden hingen Armleuchter mit in Goldrahmen gefaßten Hohlspiegeln; in dem unteren Theile des Salons befand sich ein fein gearbeitetes marmornes Doppelbecken, in welches eilf Springquellstrahlen mit lieblichem Geplätscher niederrieselten. Das abfließende Wasser derselben bildete außerhalb des Gebäudes einen mit Bäumen beschatteten Teich, dessen von Stein ummauerte, über den Boden erhobene, von Goldfischen belebte Wasserfläche sich unmittelbar an der Fensterflur befindet. Durch diese Wasserfülle ist es, daß diesen reizenden Salon eine immerwährende wohlthuende Kühle durchweht. Der Garten ist mit Orangenbäumchen und andern üppigen Gewächsen des Südens bepflanzt. Nachdem wir ihn durchschritten hatten, wurden uns in dem angenehmen Gartenhause die herrlichsten Erfrischungen gereicht. Sie bestanden aus Gefrornem und dem berühmten in Smyrna eingemachten Obste; es ist Sitte, dieses in allen Häusern bei der Ankunft fremder Gäste zu reichen. Hierauf besuchten wir das Haus eines Armeniers, von dessen Dachzimmer aus man die herrlichste Aussicht auf das Thal, die Stadt und den prächtigen Golf hat. Glücklich die Menschen, die dies Zauberbild von den Fenstern ihres Hauses aus sehen können.

Auch der Garten des Armeniers ist üppig und giebt reichen Schatten; doch das Schönste, was wir an reizender Natur sahen, war bei Herrn W., einem reichen Engländer, der ebenfalls Kaufmann und Banquier ist. Als wir in den Garten traten, fanden wir auf einem vor dem Hause gelegenen mit Cypressen und anderen herrlichen Pflanzen reich umgebenen Platze eine elegante Gesellschaft versammelt. Es war ein Bild des Wohllebens, wie diese Herren und Damen in der herrlichen Abendluft sich dem Dolce far niente ergaben, wie an ihrer Seite die Blumen den herrlichsten Duft verbreiteten, ein Papagei sein lebhaftes Gefieder mit Stolz schüttelte, die Bäume still und ruhig zum blauen endlosen Himmelsgewölbe ihr stolzes Haupt erhoben, wie das schöne mit einem Perron versehene Haus sich zwischen dem Grün zeigte, und alles dies mit dem südlichen Dufte und der reinsten Abenddämmerung in einem stillen frohen Einklange stand; ein solches Bild prägt sich in das Herz des Fremden ein und er denkt sich die Leute glücklich, welchen ein solcher Wohnort zu Theil wird. Mistreß W., die Schwiegertochter des Besitzers, eine schöne, wenn auch etwas zu starke Frau mit einem gar sanften, engelguten Ausdrucke und regelmäßigen Zügen, kam uns entgegen und führte uns in die Gemächer ihres Hauses. Hier herrschte europäischer Luxus, in südlich wonnigem Klima. Die feinsten reichsten Möbel waren mit Geschmack und Comfort gestellt; man sah es, daß hier englischer Geist herrsche. Nach einem ziemlich alltäglichen Gespräch begab man sich wieder in den Garten, welchen uns Mistreß W. auf die freundlichste Art Gelegenheit gab zu bewundern. Von einer Terrasse aus hatten wir abermals eine herrliche Aussicht auf das Thal und die hohen Gebirge; diese schimmerten zauberhaft im brechenden Lichte der vorgerückten Dämmerung. Als wir zurückkehrten, wurden uns auch hier Confituren angeboten und Mr. W. Sohn, ein mageres komisches Männchen mit weißer Jacke und weißem Hute, stellte sich uns vor; ein eigenthümlicher Kontrast zu seiner schwarzgekleideten, etwas starken und doch schönen Frau. Nachdem wir den Garten verlassen und noch einen andern durchschritten hatten, hielten wir uns noch einige Zeit bei Herrn B. auf, worauf wir uns auf unsere Pferde schwangen und den Rückritt antraten. Es war Nacht geworden, aber eine Nacht, wie keine Phantasie des Nordens sie malen kann, eine Nacht, wie man sie nur an dem üppigen Strande Kleinasiens mit Bewunderung genießt; klar bis in die Unendlichkeit war das Himmelsgewölbe, kein Laut ließ sich hören, Ruhe herrschte auf der weiten Erde, Ruhe auf dem weiten Meere, und als Sieger über den heißen lebensvollen Tag, stieg mächtig hinter Smyrna's edelgeformten Höhen der große, volle Mond auf. Scharf begränzten sich die Schatten, silbern schimmerte es durch das Laub, und wie mit einem Zauberschlag war das Land in eine Märchengegend umgewandelt.

Bald spornten wir unsere Pferde an, und im raschen Galopp ging es wunderlich, grauenhaft heimlich, im unentschiedenen zitternden Mondlichte der Stadt zu; wie ein Geisterreigen erschienen die Türkengräber zwischen den dunklen, wehmüthigen Cypressen; und nun ging's bis an die Stadt durch einige ihrer engen Straßen, und bald waren wir auf dem Verdecke des lieben Vulkan, wo wir nach genossenem Male uns noch des herrlichen Anblicks auf das silberglitzernde Meer, die weißen, scharf beleuchteten Minarets und Kuppeln, die großen Häusermassen und die entfernten Berge erfreuten.

Beim Anblick von Corfu.