Canossa ist der Landaufenthalt eines Ragusaner Nobile. Ueber einen felsigen, äußerst steilen Weg klimmten wir zum Eingange des Gartens hinan. Hier herrschte wieder die südliche Ueppigkeit im vollsten Maße. Mauerdichte Laubgänge von Lorbeer und Buchs durchschnitten Wälder von blaugrünen Oliven; gegen das Meer hin zogen sich lange Terrassen auf die schroffen Felsen gebaut, und von Arkaden mit lieblichen Traubengewinden gekrönt. Die frische, jugendkräftige Natur zeigte sich noch blühender im mystischen Abendlichte. Wie wir die Haine mit stiller Bewunderung durchwanderten, blieben wir plötzlich von Ueberraschung bewältigt stehen: wir befanden uns vor der größten Eiche, die ich jemals gesehen habe. Zum Himmel strebt der regelmäßige Stamm des riesigen Baumes, und erst in beträchtlicher Höhe breitet er seine mächtigen Arme aus, die herumstehenden Bäume mit seinem Dache schützend. Diese Eiche soll erst 150 Jahre zählen. Ihr grünes, reiches Laub wird also noch manche Generation erfreuen, da ja das Sprichwort sagt: »hundert Jahre wachse, hundert Jahre stehe und hundert Jahre sterbe dieser Baum,« auch trotzt er noch jetzt mit ganz jugendlicher Kraft den Stürmen der Zeit. Hätte nur auch die deutsche Eiche diese Kraft, die dem Baume von Canossa innewohnt! Wir lenkten unsere Schritte zu einem mit einem steinernen Neptun gezierten Bassin. Die Springbrunnen, welche einst die reichen Ahnen entzückten, fehlen den verarmten Enkeln, das steinerne Werk einstiger Größe zerfällt nun zur Ruine; doch eben das gab diesem Punkte ein melancholisch malerisches Aussehen. Durch die Risse des Gemäuers strebten Pflanzen aller Art und die Ketten des immer frischen Epheu's hielten die lebensmüden Steine und schlangen sich um die verwitterten Glieder des trauernden Wassergottes. Es war eine gar wilde, reizende Unordnung in der Umgebung dieses Platzes, aus der man sah, mit welcher Lust die Natur sich der Kunst entledigt. Im stillen Abende rauschten und flüsterten die Blätter der Myrten und Granaten und erzählten sich wohl gar manches von der einstigen Pracht, welche in diesem Orte waltete, als noch die Senatoren die freien Herrscher des Landes waren. An den die künstlichen Brunnen ehemals speisenden Quellen stehn die weitgerühmten Wunder der Gegend: die Platanen von Canossa. Es sind die zwei riesigsten Bäume Europa's. Mit ihren verzweigten, schattigen Aesten bilden sie ein Gewölbe, unter welchem einmal ein ganzes österreichisches Regiment lagerte. Für ihre ungeheure Größe sind sie noch jung, denn sie zählen ebenfalls nicht über 150 Jahre. Der Umfang der ältern beträgt 27, der der jüngern 30 Schuh. Jeder Hauptast hat die Dicke eines beträchtlichen Baumes. Zwei Aeste der beiden Bäume sind in einander gewachsen. Die Rinde des Hauptstammes ist frisch und glatt, und nirgendwo bemerkt man Spuren von Alter. Die Platane ist schon an und für sich ein herrlicher Baum, wie zauberhaft erscheint sie erst in einer solchen Größe!
Als wir aus dem Garten auf unser Schiff zurückkehrten, war es finstere Nacht; der reine, blaue Himmel hatte sich rasch mit schwarzen Wolken umzogen. Wir fuhren nun die Nacht über der Insel Curzola zu. Als wir Morgens erwachten, befanden wir uns vor dem Städtchen, welches den Namen der Insel Curzola führt. Das Wetter war trübe und regnerisch, was keiner Gegend vortheilhaft steht, besonders wenn sie so kahl ist, wie die Umgebung der Stadt. – Nach eingenommenem Frühstücke fuhren wir ans Land. Auch in diesem Orte ist alles nach venezianischem Muster gebaut: hübsche kleine Balkons, maurische Bogen mit graziösen Verzierungen und dergleichen Schmuck, welcher dem Bürgerhause einen unwiderstehlichen Reiz giebt. Unsere Vorfahren haben diese Kunst verstanden und mit Recht konnte der ärmste Städter das Aeußere seines Hauses malerisch, das Innere desselben wohnlich nennen, wogegen die jetzige Architektur, selbst bei den Palästen kalt, steif und unwohnlich ist. Nicht die gerade gemessene Linie und die glatte Wand befriedigt den Schönheitssinn: das Auge sucht nach zierlich geschlungenen Linien und heimlichen Ruhepunkten. Das altdeutsche Haus mit Erker und Thürmchen und der venezianische leicht geschwungene Fensterbogen, der auf den traulichen Balkon führt, sind mir lieber, als das kasernenartige, weiß angestrichene Gebäude des 19. Jahrhunderts, welches an die Kinderhäuser aus Pappe erinnert. Mit den Zinsspekulationen und überhaupt mit den Miethwohnungen hat die Poesie in diesem Fache aufgehört. Auch der Dom dieser kleinen Stadt erweckt durch seinen Bau Interesse. Als wir in denselben eintraten, spielte irgend ein patriotischer Künstler zu unserer Bewillkommnung den Radetzky-Marsch auf der Orgel, was sich in diesen heiligen Räumen und auf diesem Kircheninstrumente gar sonderbar ausnahm. Doch höre ich immer diesen Schwanengesang des verstorbenen Strauß, wo es auch sei, außerordentlich gern. Das Innere des Gotteshauses war düster, aber ehrwürdig. In einer Seitenkapelle zeigte man uns, hinter Säulen versteckt, einen schönen Titian. Wir bewunderten auch in diesem Bilde die Farbenpracht und würdevolle Composition des großen Meisters. Beim Durchschreiten der engen und ernsten Gassen bemerkten wir an der Thüre eines verfallenen Palastes einen prachtvollen Thorhammer aus korinthischem Metalle, welcher in künstlerisch ausgezeichneter Arbeit Neptun mit zwei Meer-Rossen darstellt. Die Schönheit dieses Werkes ergriff uns Kunstliebhaber so sehr, daß wir von dem Instrumente Gebrauch machten, um den allenfallsigen Bewohner der verfallenen Räume heraus zu beschwören, da es in unserer Absicht lag, dieses Kunstwerk wo möglich an uns zu bringen.
Auf den ersten wohltönenden Klang des Metalles erschien kein dienstbarer Geist, erst als wir anfingen stärker zu poltern, öffnete sich die morsche Thür und es zeigte sich eine gutmüthige Hexe mit einem blinden Manne, ob des Besuches sehr verwundert. Es mag auch schon lange Zeit verstrichen sein, seit menschliche Wesen sich um diesen alten Herrn mit seiner Dienerin erkundigt haben. Wir lobten den Meergott, was die Leute zu entzücken schien; als wir jedoch um den Preis fragten, wollte der alte Herr nichts davon wissen. Er versicherte, daß ihm schon ein Engländer so viel Silber geboten habe, als der schwere Hammer wiege. Dies erschreckte uns einigermaßen und wir empfahlen uns augenblicklich, um uns aus den Stadtmauern hinaus auf den Schiffsbauplatz zu begeben. Hier werden sehr viele und ganz vortreffliche Schiffe gebaut, welche der Stadt einen Ruf und einen Werth geben.
Das Material kommt aus der Herzegovina und aus dem Thale der Narenta. Der einzige Reichthum der Dalmatiner beruht auf dem schäumenden, ewig wechselnden Elemente, mit welchem sie ausdauernd im Kampfe stehen; sie müssen auf den Fluthen ihr Glück suchen, da der größte Theil des Landes ihnen nur glühende, unfruchtbare Steinpartien bietet. Wir kehrten nun auf unser Schiff zurück und näherten uns der Halbinsel Sabioncello. Das Meer war wieder bewegter geworden, daher der größere Theil der Gesellschaft nicht den tanzenden Kahn besteigen wollte. Nur Graf C., Professor G. und ich sprangen in das schaukelnde Fahrzeug und hüpften beim stärksten Regen über Berg und Thal dem Lande zu. Den Ort Sabioncello hatte man uns wegen der merkwürdigen Kostüme der Frauen gerühmt; es ist eigentlich nur eine Reihe einzelner am Meere liegender Häuser, welche von üppigen Gärten, in denen Palmen grünen, umgeben sind. Sie gehören reichen Schiffsbesitzern, die den größten Theil ihrer Jugend auf Weltreisen zubringen und erst dann mit Schätzen beladen einen gemächlichen häuslichen Herd gründen. Wir traten in das Haus des Podesta, welcher ebenfalls einst ein reisender Kapitän war und dessen zwei Brüder sich noch in diesem Augenblicke in Amerika befinden. Der Zweck unseres Besuches war, eine der Trachten zu sehen, welche die Frauen dieser Halbinsel schon seit Jahrhunderten unverändert tragen. Man wies uns Stühle in einem recht reinlichen und anständigen Salon an, welcher mich an die Romane von Marryat erinnerte. An der Wand hingen Kupferstiche in einfachen Rahmen, Seekarten und Perspective erhöhten den Schmuck des seemännischen Zimmers, die Möbel waren von leichtem Holz und Rohr und mögen wohl ehemals in der Cajüte eines Schiffes gebraucht worden sein. Der Boden war, wie auf einem Verdecke, auf das reinste gescheuert. Eine Glasthür führte auf einen Balkon, welcher die Aussicht auf das Meer gab und von wo gewiß manchmal die Gattin dem kommenden Kauffahrer entgegen gesehen haben mag; und noch jetzt ist es das Interesse und Vergnügen des alten Kapitäns, mit seinem guten Fernrohr den Lauf der kommenden und gehenden Schiffe zu verfolgen. Wir warteten nicht lange, bis die auffallend hübsche Tochter des Podesta in der eigenthümlichen Tracht erschien. Auf dem Kopfe hatte sie einen hohen Strohhut nach Männerart, an dessen schmalem Rande sich ein sehr breites, farben- und faltenreiches Band aufstülpte und so denselben fast ganz deckte. An der einen Seite des Hutes befanden sich fünf bis sechs verschiedenfarbige große Straußfedern. Vom Rande des Hutes hingen an beiden Seiten, in der Nähe der Ohren, kirschrothe leicht geschlungene Bändchen herab. Zwei rabenschwarze Locken bildeten einen schönen Gegensatz zur blendend weißen Haut des feinen Gesichtes. Im reichen Zopfe steckten goldene Nadeln nach Art der Römerinnen. Um den weißen Nacken schlangen sich verschiedenartige Ketten von demselben Metalle; den Obertheil des Körpers bedeckte ein brauner Spenser und ein kleines Tuch aus den schreiendsten Farben zusammengesetzt. Das Mieder war ebenfalls vielfarbig und mit goldenen Ketten und Münzen geschmückt. Der Rock bestand aus einem rothen, blauen und gelben breiten, horizontalen Streifen. Die kleinen Füßchen steckten in zierlichen Lederschuhen mit großen Bändermaschen geziert. Das Ganze war ein Gemenge von bunten und schreienden Farben; wäre der bizarre Hut nicht gewesen, so könnte man die Tracht schön nennen. Bei Witwen ist alles Farbige schwarz, doch die Form der Kleidung bleibt dieselbe. Graf C. wollte als galanter Ritter das schöne bescheidene Mädchen ansprechen, leider verstand sie aber keine unserer Sprachen.
Unter einem reichen Erguß des Himmels kehrten wir befriedigt in unseren schwimmenden Palast zurück und neckten die zurückgebliebenen Wasserscheuen mit dem schönen Anblicke, der uns im Hause des Podesta zu Theil geworden war.
Der vierte October auf offener See.
Um acht Uhr war die Stunde zur Abfahrt vom Hafen von Zara bestimmt. Es war der Tag des Namensfestes unseres vielgeliebten Monarchen. Schon gestern waren wir zu einem großen Diner beim Stellvertreter des Gouverneurs eingeladen; derselbe brachte während des Speisens einen Toast auf den Kaiser aus, welcher mit Jubel unter dem Schall der Musik und dem Donner der Kanonen aufgenommen wurde. Heute kam noch in aller Frühe der liebenswürdige Gastgeber, mit den übrigen Generalen der Stadt, auf einer Barke zum Vulkan, um von uns Abschied zu nehmen. Wir dankten ihm herzlich für die rührende Freundlichkeit, welche er während der zwei Tage unserer Anwesenheit für uns gehabt hatte; denn er hatte alles aufgeboten, um uns auf irgend eine Art zu unterhalten und uns das Andenken an diesen kleinen Ort angenehm zu machen. Einen Tag war Soirée und Theater, den zweiten führte er uns selbst in dem Städtchen herum, um uns die einzelnen Merkwürdigkeiten desselben zu zeigen. Nach dem großen Diner, welches er uns gab, machte er mit uns eine Promenade in die nicht uninteressanten Umgebungen von Zara. Am gestrigen Abend ließ er die Musik im beleuchteten Volksgarten spielen. Er hatte das Talent, diese kleinen Feste wie aus der Erde zu zaubern; dadurch wurde uns der Aufenthalt in Zara wirklich recht angenehm. Die Sehenswürdigkeiten des Städtchens sind nicht groß, obwohl es, wie alle Orte, welche unter der venezianischen Botmäßigkeit standen, einige interessante Kirchen und Festungswerke hat. Das Merkwürdigste der Neuzeit ist eine bombenfeste Kaserne, welche sich durch ihren zweckmäßigen und schönen Bau auszeichnet. Auch sehr schöne Cisternen befinden sich unter dem Titel cinque pazzi innerhalb der Festungsmauern.
Alle Flüssigkeiten aus der Stadt vereinigen sich hier, werden mittelst Sand filtrirt, und kommen in genießbarem Zustand heraus. Der Gedanke ist, wenn auch nicht appetitlich, doch äußerst sinnreich. Durch die porta della terra ferma, welche im außerordentlich schönen venezianischen Style aus schweren goldgelben Steinen aufgebaut ist, gelangt man, wie der Name derselben ausdrückt, in das Land, welches in der Nähe der Stadt sehr flach und monoton ist. Das Meer jedoch, welches jede Gegend mit einem eignen Zauber hebt, die zahlreichen Inseln und die großen Bergketten, welche Dalmatien von der österreichischen Militärgrenze trennen, geben der Landschaft besonders gegen Abend einen schönen melancholischen Ausdruck. Die häuser- und baumleeren Flächen erhalten durch die sinkende Sonne eine Lilafarbe, welche ihnen einen schwermüthigen Anstrich giebt, der zur Seele, wenigstens zu meiner, spricht und sie mit einem süßen Weh erfüllt. Die Vegetation ist arm und der Mangel an Wäldern erinnert an die drückende, ausraubende Herrschaft der See-Republik. Das Aufkommen neuer Baumkultur vermindert leider die große Anzahl von Ziegen, welche außer den Eseln die Hauptviehzucht des Landes ausmachen. Durch den Mangel an Vegetation sengt die Sonne überall und die Quellen sind versiegt.
In diesem Punkte, wie in vielen andern sind Dalmatien und Griechenland vergleichbar. Beide sind in dieser Hinsicht zu bedauern und die Abhülfe ließe sich nur mit Gewaltmaßregeln durchführen, deren Nutzen das Volk erst nach langen Jahren fühlen würde; aber der Egoismus ist in der Welt zu weit vorgedrungen. Alles denkt nur an den Augenblick. Und für die Regierung, wenn sie nicht vom Volke unterstützt wird, sind solche Maßregeln eine schwere Sache. Es gehörte hierzu der zähe, eigensinnige Wille einer Frau, wie Englands Elisabeth, die in ihrem Eilande alle häßlichen und fehlerhaften Pferde umbringen ließ, um die Race zu heben; es ward durchgesetzt, aber freilich freuten sich erst die Enkel dessen.
Als es acht Uhr schlug und die Räder unseres Schiffes zu rauschen anfingen, brachten uns die freundlichen Generale noch vom Ufer aus ein dreimaliges Hoch, und unter dem Donner der Kanonen und den Tönen der Volkshymne, welche dem Lande den Namenstag des Kaisers verkündeten, verließen wir mit aufgehißten Wimpeln die Stadt Zara. Es war ein imposanter Augenblick, und stolz hob sich unser österreichisches Selbstbewußtsein. Groß ist der Gedanke, daß so ein Tag von den kalten Endspitzen Galiziens, bis in den tiefsten Süden Dalmatiens gefeiert wird! Der Morgen war leider etwas trüb, das Meer jedoch zur großen Freude der Aengstlichen außerordentlich ruhig. Den Vormittag brachten wir theils auf dem Verdecke, theils in den Cajüten zu, wozu uns ein unangenehmer Regen zwang, der das Verdeck überschwemmte. Man schrieb Journale, rief politische Dispute hervor, welche gewöhnlich vom Graf C. ausgingen, und brachte so recht angenehm und heiter einige Stunden zu. Als wir noch auf dem Verdecke dem schlechten Wetter trotzen wollten, ward uns ein Schauspiel zu Theil, welches allgemeines Bedauern erregte. Wir segelten gar weit vom Lande, als plötzlich ein armes Rothkehlchen ängstlich um unsere Köpfe schwirrte; es suchte überall einen Ruhepunkt für seine matten Glieder, doch kaum hatte es sich auf ein Tau gesetzt, um sich etwas Ruhe zu gönnen, so wich es wieder scheu vor den ihm neuen Gegenständen zurück. Zu einer Rückkehr auf das Land war keine Möglichkeit mehr. Es hatte sich zu weit über die trügerischen Fluthen gewagt. Mehrmals verloren wir es aus dem Auge, doch bald erschien es wieder von Mattigkeit überwältiget; endlich entschwand es unseren Blicken und fand vermuthlich in den Wellen den Tod. Es erinnerte so lebhaft an den Eingang zu Lenau's Faust. Der große Dichter schildert dieses Bild mit so viel inniger Wärme und tiefer Melancholie. Gern hätten wir das arme Thierchen gerettet, doch ihm beizukommen war keine Möglichkeit. Gegen die Essenszeit heiterte sich das Wetter zu unserer großen Freude auf und wir konnten den schönen Tag nach Möglichkeit feiern. Wir ließen die Tafel auf dem frisch geputzten Verdecke bereiten, und setzten uns in voller Parade zum Male. Der Kapitän befahl, die großen Kanonen zu laden um im Augenblicke des Toastes die Laute des Geschützes über die Fluthen des österreichischen Meeres donnern zu lassen. Aus der Kellerprovision wurde der letzte gute Wein gereicht, mit dem man während der Reise nicht sehr gespart hatte. An diesem Tage mußte alles glänzend sein; auch war er ja einer der letzten unserer schönen Reise, die wir nur der Huld des Monarchen zu danken hatten. Alle Officiere des Schiffes hatten wir zur Tafel gezogen. Um fünf Uhr versammelte man sich. Die schweren Wolken, welche den Morgen getrübt hatten, zerstreuten sich an Oesterreichs schönem Horizonte; alles war in der heitersten fröhlichsten Laune. Selbst mein Bruder, welcher vom hitzigen Fieberanfalle, Gott sei Dank, wieder hergestellt war und der arme Kapitän, der sich seit einigen Tagen leidend fühlte, erschienen. Heute wollte ja Niemand fehlen. In der Mitte des Males erhoben wir uns, die Matrosen stiegen auf die Raen. Ich brachte den Toast auf das Wohl des Kaisers mit innigem, vollem Herzen aus und von allen Seiten des Schiffes, von oben und unten, tönte der freudige Jubelschall, unterstützt vom Donner der Kanonen, und in demselben Augenblick schwanden die Nebel und das Tagsgestirn stand glühend und prächtig auf dem reinen Spiegel der sanften Fluthen. Himmel und Meer erglänzten in goldener Pracht, und so vereinigte sich Wasser und Luft und die scheidende Sonne, deren letzte Strahlen auf unseren hoch erhobenen Champagner-Gläsern wieder glitzerten, zur Feier des Tages. Nun folgte Toast auf Toast und eine stille Wehmuth ergriff uns bei dem Gedanken, daß wir zum letztenmal an froher Tafelrunde auf dem theueren Vulkan säßen. Auf jeden neuen Jubelruf scholl die Antwort der Matrosen, welche auf dem Takelwerk geblieben waren, gleich einem Echo, bis auch sie an die Reihe kamen und mit Wein beschenkt wurden. Der Genuß des feurigen Rebensaftes verfehlte seine erheiternde Wirkung nicht, vom Ersten bis zum Letzten waren alle guter Dinge, wie es sich an einem solchen Tag geziemt. Obwohl wir aus südlichen Ländern kommend, die Kühle empfindlicher spürten, blieben wir doch noch bis zum späten Abend auf dem Verdecke. Als es schon völlig dunkel war, erscholl noch das »Gott erhalte« von den muntern und dankbaren Matrosen in italienischer Sprache gesungen. Nachdem sie noch einige Liedchen ausführten, begaben wir uns alle zur Ruhe der letzten Nacht, welche unsere Reisegesellschaft hier zubrachte. Wie froh war ich, daß wir wenigstens den Abend noch so heiter und zufrieden verlebt hatten.