Was für ein Bedenken hält dich ab, vor allem zu sehen, was der Augenblick zu tun gebietet? Freilich mußt du´s völlig erwogen haben, ehe du getrost und unbeirrt daran gehen kannst. Ist dir also noch irgend etwas daran unklar, so halte an und ziehe die Besten zu Rat. Sonst aber, tritt auch ein Hindernis dir in den Weg, schreite nur besonnen vorwärts, den einmal empfundenen Antrieben folgend und treu dich haltend an das, was dir als das Rechte erschienen ist. Denn dies zu verfolgen bleibt immer das Beste. Ihm untreu werden heißt von seiner eigenen Natur abfallen. Darum sage ich, daß wer in allen Stücken der Vernunft gehorcht, ruhig und leicht bewegt, heiter und ernst zugleich zu sein vermag.

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Frage dich, sobald du des Morgens aufgestanden bist: geht es dich etwas an, ob ein anderer das Gute und Rechte tut? Nichts geht´s dich an. Hast du vergessen, was das für Leute sind, die ewig nur zu loben oder zu tadeln wissen? wie sie´s treiben auf ihrem Lager, bei Tafel, überall, was es für Diebe und Räuber sind, nicht äußerlich mit Händen und Füßen, sondern innerlich an dem kostbarsten Teile ihres Wesens, mit dem sie sich doch, wenn sie wollten, Glauben, Ehrfurcht, Wahrheit, Sitte, den guten Genius zu eigen machen könnten.

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Der wohlgesittete und ehrfurchtsvolle Mensch sagt zur Natur, der alles spendenden und wieder nehmenden: gib, was du willst, und nimm, was du willst. Er spricht´s nicht etwa, zu besonderem Mut sich aufraffend, sondern aus reinem Gehorsam und aus Liebe.

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Du hast nur noch wenig zu leben. Lebe wie auf einem Berge! Gleichviel wo in der Welt du lebst, denn die Welt ist ein Menschenverein. Und die Menschen sollen eben den wahren Menschen, den der Natur gemäß lebenden schauen und beschauen. Mögen sie ihn immerhin aus dem Wege räumen, wenn sie ihn nicht vertragen können.

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Nun gilt es nicht mehr zu untersuchen, was ein tüchtiger Mensch sei, sondern einer zu sein.

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