Mit dem baumeister steht er in sehr enger verbindung; freitags und samstags, da sie mit dem lohne der arbeiter zu thun haben, ißt er bei Endres Tucher.[1]

Den arbeiten steht eine reihe von meistern vor, die dem baumeister gehorsam geloben und versprechen, der stadt nutz und frommen getreulich zu fördern und vor schaden zu bewahren: maurer und zimmermann, steinmetz und brunnmeister, pflasterer, dachdecker, tüncher, schloßer, wagner, hafner, glaser, büttner, schreiner, seiler, schlotfeger, schleifer u. s. w., die mit ihren gesellen und lehrjungen an den bauten der stadt thätig sind. Aber nicht wie etwa heutzutage wird dem meister eine arbeit in accord gegeben, der dann seinerseits gesellen bestellt, lehrjungen beizieht und nach belieben verwendet und bezahlt; auch diese untergeordneten arbeiter stehen unmittelbar unter der aufsicht und im lohne des baumeisters, auch sie geloben, ihre kraft bestens zum nutzen der stadt anzuwenden. Es sollen aber auch, wo möglich, lauter gute Nürnberger kinder sein; wenn einheimische arbeiter zu haben sind, muß ihnen stets der vorzug vor den fremden eingeräumt werden; wenn doch ein fremder geselle, von einem Nürnberger meister an den baumeister gewiesen, arbeit begehrt, und wenn sich platz findet, soll er welche erhalten auf 8 oder 14 tage, damit er zehrung verdiene, um weiter wandern zu können; aber es sei solchen gegenüber vorsicht nöthig, meint Endres Tucher, daß sie nicht etwa handwerkszeug mit sich wegtragen oder versetzen, oder daß sie nicht etwa gar geschickt seien, um kundschaft oder noch schlimmeres zu treiben.

Durch diese unmittelbaren beziehungen des baumeisters zu den meistern, gesellen und lehrlingen erhalten wir denn eine, namentlich für den nationalökonomen höchst wichtige zusammenstellung der gebräuchlichen arbeitslöhne. In den letzten jahren, klagt Endres wiederholt, sind sie, wie die preise aller lebensbedürfnisse, merklich gestiegen. Um diese erhöhte ausgabe wenigstens einigermaßen zu paralysieren, sieht man auf der andern seite gleichzeitig eine reaction eintreten. Das baden war bekanntlich im mittelalter, namentlich in den unteren volksschichten viel mehr bedürfnis als heutzutage. In folge der lohnerhöhung wurden die badgelder, welche die arbeiter jede woche einnahmen, herabgesetzt. Natürlich, bei einer preissteigerung der nächsten bedürfnisse muß dasjenige, was in zweiter linie steht, was schon mehr zum luxus gerechnet wird, zurücktreten. Man erfährt denn auch, wie die länge der arbeitsstunden geregelt ist, wie nach den verschiedenen tageslängen auch die dauer der arbeit wechselt. Am samstag endlich wird der lohn vertheilt. Früher, erzählt Endres, hat man die auszahlung am samstag abends vorgenommen, damit kein arbeiter vor dem feierabend die arbeit verlaße, jetzt aber zahlt man am samstag früh, vor mittag aus, damit die arbeiter und die armen leute vor mittag, wenn sie zur suppe gehen, ihren weibern und kindern das geld heimbringen mögen, fleisch und brot darum zu kaufen, das man beßer früh als abends kauft. Darum kann doch keiner früher feierabend machen, denn die paliere haben acht, daß sich keiner wegstehle und ziehen einem solchen bei der nächsten löhnung den entsprechenden theil ab. Es geschah, daß leute, die forderungen an arbeiter zu machen hatten, mit dem ansinnen zu Tucher kamen, den arbeitern beim lohne zu gunsten des gläubigers abzüge zu machen. Aber dieser erklärte, daß er niemand an seinem lohn pfände oder pfänden laße; doch stehe jedem frei, am samstag um die stunde der auszahlung sich an ort und stelle einzufinden und sich an seinen mann zu halten, der dann geld bei sich habe. Der lohn aber wird in gutem gelde ausbezahlt. Endres und sein schaffer zählen die summe, die sie wochentlich aus der losungsstube erhalten, ab und vertheilen sie in die einzelnen partien, und wenn sie »böse pfennige« darunter finden, so »klauben sie diese aus« und geben sie den losungern wieder, welche sie gerne umwechseln und ausdrücklich erklärt haben, sie wollten nicht, daß man den taglöhnern und arbeitern »böses geld« gebe. Es soll dagegen auch keiner zu viel erhalten; wenn einer einmal die arbeit ausgesetzt hat, soll ihm das an seinem wochenlohn abgezogen werden. Sollte sich aber der baumeister irren und einem mehr geben, als er verdient, so darf er nicht besorgen, daß der es stillschweigend einstecke, denn, setzt Endres hinzu, wenn er auch gern schwiege, so schweigen seine gesellen nicht, die rügen je einer den andern.[2]

Aber nicht nur die arbeit hat der stadt baumeister zu überwachen, auch die beschaffung des baumaterials ist ihm übertragen. So steht er denn mit der stadt waldhauer in verbindung, bezeichnet die zum bauholz tüchtigen bäume und überwacht das fällen der stämme. Er hat dabei die bemerkung gemacht, daß das holz im märz, mai und september am besten und leichtesten zu hauen sei. Wie alles im werth gestiegen ist, so sind auch die holzpreise jetzt viel höher als noch vor wenigen jahren. Endres gibt einen genauen tarif der preise, je nach größe und beschaffenheit der hölzer.[3]

Es ist interessant zu sehen, daß man schon damals maßregeln treffen muste, um dem verderben der wälder durch abholzen einhalt zu thun, ja daß schon ganze strecken von wäldern »sehr verhauen« waren. Man schritt deshalb streng gegen jede art von forstfrevel ein und dehnte diese vorsorge auch auf einen fall aus, der Endres, welcher mit großer pietät an dem alten herkommen hieng, höchst unangenehm berührte. Es war eine uralte sitte, daß die steinbrecher vom Reuchelberg dem baumeister am vorabende des pfingstfestes einen büschel eichenlaub schickten. Als sie dieses auch im jahre 1462 thaten, wurden sie auf requisition des waldamtmanns darüber zur rede gestellt und Endres sollte eine strafe von 20 pfund bezahlen. Mit großer mühe fand er sich mit dem amtmanne so weit ab, daß dieser gegen 30 pfennige, die er für sich behielt, der alten sitte in zukunft nichts in den weg legte.[4]

Es waren nämlich auch die städtischen steinbrüche dem baumeister untergeordnet. Er bestimmte die stellen, an denen steine gebrochen werden durften, er vermittelte den einzelnen meistern die erlaubnis, gruben anzulegen, er verfügte, wie lang an einer grube fortgearbeitet werden, wann die arbeit an einer neuen beginnen sollte, endlich stand auch die meßung der quadern, die nach der stadt gebracht wurden, »das eichen« derselben unter seiner aufsicht.[5]

Ebenso wie der baumeister für das rohmaterial zu sorgen hatte, so hatte er auch alles, wessen man sonst zu bauten bedarf, herbeizuschaffen. Er überwachte die kalköfen, er kaufte große vorräthe von ziegeln und dachsteinen, er sorgte für schloßerarbeiten aller art, wobei wir denn wieder die preise aller dieser gegenstände auf das genaueste specificiert kennen lernen. Er muß auch wagen und karren machen laßen, die man zum transport gebraucht, er schließt contracte mit hafner, glaser, büttner, nagelschmid, kurz mit allen handwerkern, deren handierung irgendwie im zusammenhange mit den bedürfnissen steht, die sich bei bauten, reparaturen u. dgl. ergeben.[6]

Wie er aber aufbaut und repariert, so muß er für die gute erhaltung des einmal aufgeführten sorgen. So liegt ihm denn auch die reinigung der gebäude ob. Wir verdanken dieser pflicht ein langes capitel über der stadt »nachtmeister«.[7]

Mit dieser conservativen verbindlichkeit hängt denn auch der antheil zusammen, den der baumeister an der feuerpolizei nimmt. Er gibt einen genauen bericht über die eintheilung der stadt in viertel, über die maßregeln, die, sehr praktisch, mit dieser eintheilung verbunden sind, um der verheerung durch brände wirksam entgegentreten zu können.