[35] So z. B. Bereime u. Zeine (doch wohl beides eigtl. = bereime[n], zeine[n] = zahlen) = Zahlung, Dupfen (eigtl. = stechen) = Stich, Muffen (eigtl. = riechen) = Geruch, Glemsen (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter Begriffsverengerung) Bleisgeren oder Pfreimen (eigtl. = zahlen) = Steuern.

[36] So z. B. Begert (eigtl. = gestorben) = Leiche, Verdibert (eigtl. = verraten) = Verrat, Vergondert (eigtl. wohl = „vergantet“, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, Vergrönt (eigtl. = verheiratet) = Ehe, Vermuft (eigtl. etwa = „verfault“, dann verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. — Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für Adjektive vor (so z. B. begert = tot, gefebert [geschrieben] = schriftlich, grandich bikt [viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: gneis nobis (eigtl. „[ich] kenne nicht“] = unbekannt, hauret nobis (eigtl. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (eigtl. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich u. a. m.

[37] Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 63, Anm. 64.

[38] Beispiele: a) Gebrauch von Adjektiven für Substantive: Mit Flexion der Adjektive (also z. B. Wo[h]nischer = Katholik, nobis Dofs [d. h. eigtl. „nichts Gutes“] = Übel) kommt dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv erhoben worden, s. z. B. die schon oben [S. 7], Anm. 4, in anderem Zusammenhange erwähnten Wörter Dof (bezw. nobis Dof), Molum u. Schofel, für letzteres als Synon. auch Lenk, ferner Bauserich (eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, Begerisch (eigtl. krank) = Siechtum, Biberisch (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost, Dercherich (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, Grandich (groß) = Höhe, Gewalt u. a. m.; über Flu(h)tich = Nässe s. lit. b am Ende; über Stumpf = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) Gebrauch von Substantiven für Adjektive: schwächer (Rausch) u. dambes (eigtl. wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, kohl (Lüge) = verlogen, leile u. ratte (Nacht) = dunkel, schei(n) (Tag, Helle) = hell; vgl. auch flu(h)te = naß, während Flu(h)tich für „Nässe“ angeführt ist, wobei aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten (Schreibfehler?).

[39] Vgl. auch noch Lanenger (Soldat), sowohl = Infanterist wie Kavallerist („Husar“), Begerisch = Siechtum im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.

[40] S. daselbst auch über das — gleichfalls eine Art Aushilfsfunktion versehende — von Schure abgeleitete Zeitw. schurele (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. pflanzen.

[41] Die zigeunerischen Ausdrücke sind im folgenden ausschließlich nach dem Werke von R. Liebich über die Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren Wörterbüchern (vgl. unten [S. 22]) keines eine deutsch-zigeunerische Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen, ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.

[42] S. Näh. noch im W.-B. unter „Amtmann“. Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im Wittichschen Jenisch, wonach über grandicher (als Komparativ aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) grandich — als Superlativ — steht, so daß z. B. grandich Sins mehr als grandicher Sins, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter „Bischof“), ist der Zigeunersprache unbekannt.

[43] Noch weitere Verbindungen dieser Art mit grandich s. im W.-B. in der Anm. zu „Adler“.

[44] Außer Verbindungen von Haupt- und Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von mehreren Hauptwörtern, wie z. B. Patris und Mamere (zigeun. o dad te i dai), d. h. „Vater und Mutter“ = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für (im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. Flu(h)te bostet mer herab (zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. „(das) Wasser läuft mir herab“ = ich schwitze.