[45] Weitere Bezeichnungen dieser Art für Vögel s. im W.-B. unter „Adler“. Auch dem oben ([S. 16]) erwähnten Spronkert-Flössling = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho, d. h. „gesalzener Fisch“.
[46] Über den als Wortspiel zu betrachtenden Ausdruck Sprauskritzler (zig. [u. a. auch] gaschtĕno lil), d. h. „Holzbrief“ = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum W.-B. — Über den Einfluß des Aberglaubens, besonderer Gebräuche usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter „Bachstelze“ und „Löwenzahn“.
[47] So heißt z. B. das Aas im Jensichen mufiger Bossert od. Mass (d. h. „stinkendes Fleisch“), im Zigeun. mulo mass (d. h. „totes Fleisch“), der Pfau im Jenischen Dofefläderling (d. h. „schöner Vogel“), im Zigeun. (u. a. auch) gisĕwo tschirkŭlo (d. h. „stolzer Vogel“), die Wanze im Jenischen Mufkenem (d. h. „Stinklaus“), im Zigeun. platti oder lōli tochūw (d. h. „platte oder rote Laus“), der Mond im Jenischen Leileschei (d. h. „Nachtlicht“), im Zigeun. rattískĕro kamm (d. h. „Nachtsonne“), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch) lenker oder schofler) Kritzler (d. h. „schlechter [böser] Brief“), im Zigeun. (u. a. auch) gālo lil (d. h. „schwarzer Brief“) usw.
[48] So heißt z. B. im Jenischen der Adler grandicher Flederling (d. h. „großer Vogel“ [vgl. oben [S. 16]]), im Zigeun. dagegen dui menakro tchírkŭlo (d. h. „der doppelhalsige Vogel“, und zwar nach Liebich, S. 146 wahrscheinlich deshalb, „weil dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen Wappenschilde begegnet ist“), weiter die Tanne im Jen. Jahre- oder Kracherstöber (d. h. „Waldbaum“), im Zigeun. dagegen mellĕlo ruk (d. h. „schwarzer Baum“), der Diamant im Jen. dofer Kies (d. h. „schöner Stein“), im Zigeun. dikkapáskĕro parr (d. h. „durchsichtiger Stein“), der Backstein im Jen. Kittleskies (d. h. „Hausstein“), im Zigeun. chadschēdo od. lōlo parr (d. h. „gebrannter“ od. „roter Stein“), der Bleistift im Jen. Feberschure (d. h. „Schreibding“), Im Zigeun. geschtĕno pōr (d. h. „hölzerne Feder“) usw.
[49] Vgl. z. B. grandich Sins (eigtl. „größter Herr“) = König (s. oben [S. 17], [Anm. 42]), zig. (meist) kralo, grandiche Gachne (eigtl. „große Henne“) = Hahn, zig. paschno(-lo) od. pussin, Schofeleiflederling (eigtl. „Unglücksvogel“) = Rabe, zig. korāko, grandich Flu(h)te (eigtl. „großes [od. größtes] Wasser“) = Meer, zig. sēro, grandiche Kitt (eigtl. „großes Haus“) = Hof, zig. medrīa, dofe Kitt (eigtl. „schönes Haus“) = Schloß, zig. filĕzzin, dofer Schmunk (eigtl. „gutes Fett“) = Butter, zig. kīl u. a. m.
[50] Über Bommerling konnte dagegen das Erforderliche schon unter „Apfel“ angegeben werden, da ja das einfache Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.
[51] Und zwar sind diese Aufzählungen der Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in der Form „Deutsch-Jenisch“ — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge der deutschen Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.
[52] Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor dem Stammworte findet, ist das letztere dort mitbehandelt worden, so z. B. Schure unter „abbiegen“ (= abschurele) u. nicht erst unter „Achsel“, wo Schure zum ersten Mal selbständig auftritt, Funk = Feuer unter „abbrennen“ (abfunken), Ruadel = Wagen unter „abfahren“ (abruadlen), das Zeitw. muffen = riechen, wie schon im Text bemerkt worden, unter „Aas“ (= mufiger Bossert od. Mass) usw.
[53] Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in Eningen (einem von Kluge, Rotw. I, S. 479 ff. nicht berücksichtigten Orte) vorkommen. Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden (zitiert: Eningen [S. 206, Anm. 1]).
[54] Zu dieser Definition des Begriffs „Gaunersprache“ durch Wittich vgl. Günther, Rotwelsch, S. 2 und Anm. 1 vbd. mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447 u. Anm. 2.