[153] Beschrenken bedeutet auch schließen (oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher b’schrenkt auch = verschlossen); dazu die Zus. anb’schrenke = anschließen und die Ableitg. Beschrenker = Schließer. Dagegen setzt zuschrenken = zuschließen ein einfaches schrenken = schließen voraus, das aber im Vokab. fehlt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (aufschrenken = aufmachen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 344 (schränken = schließen, einschließen, aufschränken = eröffnen); Schwäb. Gaun.- und Kundenspr. 73 (Schränker = Hausdieb); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [215]: schränke[n] = schließen, Schrenke = Tür, in U. [214]: abschränke[n] = verschließen). Zur Etymologie des zweifellos rein deutschen (mit „Schrank“ und „Schranke“ verwandten) Wortes schränken usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter „Schränker“).

[154] Das Zeitwort febere(n) (-ra) = schreiben oder beschreiben (daher gefebert = schriftlich) kommt noch vor in den Zus.: auf-, aus-, ein-, heraus-, nach-, nieder-, über-, unter- und vorfebern. Mit dem Stamm feber- sind gebildet die Subst. Feberschure = Bleistift (eigentl. „Schreibding“) und Feberklettert = Schreibtisch. Ableitungen sind: Feberer = Schreiber (dazu grandicher Feberer = Schriftgelehrter) und Feberei = Schrift oder (das) Schreiben. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 98 (febren und Febrer); W.-B. des Konst. Hans 254, 257 (febere und Feberer, ausfeberen = ausschreiben); Schöll 274 (febern = schreiben [in der Bettlerspr.]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 341, 344 (hier ebenfalls febern, Feberer und ausfebern, ferner noch Feberei = Schreibzeug); Schwäb. Händlerspr. 480, 486 (fæ̂beren oder fêberen und Pfeberei = Brief). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (fêwere = schreiben). Zur Etymologie, die Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als „unklar“ bezeichnet, s. Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 64 ff. unter „Feberer“; vgl. dazu auch weiter unten über Fehma (unter „Hand“).

[155] Mit schallen = singen sind noch zusammengesetzt: nach- und vorschallen. Ableitungen: Schaller = Sänger (fem.: -erin, Zus.: Schallerfläderling = Singvogel, insbes. Amsel, Kanarienvogel) und Schallerei = Gesang. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (schallen = singen); desgl. W.-B. des Konst. Hans 254 und Pfulld. J.-W.-B. 343 (hier [340, 342] auch: Schallen = Gesang und Schaller = Sänger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73, 74 (schallen, Schaller = Sänger, Schallerle = Organist, Schallerkasten = Kirche); Schwäb. Händlerspr. 483, 486 (schallen, Schaller, Duftschaller [d. h. „Kirchensänger“] = Lehrer). Zur Etymologie (von unserm deutsch. Zeitw. schallen) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 69-71; vgl. auch Weber-Günther, S. 180 u. 188.

[156] S. abgehen.

[157] Begeren bedeutet: sterben, umkommen, auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. begert = gestorben, verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation begert nobis (eigtl. „stirbt nicht“) = unsterblich und die Zus. Begertflössling (d.h. „toter Fisch“) = Hering. Als Subst. gebraucht ist Begert = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel Beger u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. begern (vgl. unter „Etymologie“), ist für sich allein in Wittichs Vokabular nicht angeführt, wohl aber sind damit (od. vielleicht auch bloß mit dem Stamme beger- des Zeitw. begeren) zahlreiche Zusammensetzgn. gebildet worden, so Begersins = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u. dazu die Verbdg. schofler Begersins = Quacksalber), Begerschure = Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, Begerkies = Grabstein, Leichenstein, Begerfläderling = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon „Vorbemerkung“, [S. 18] sowie unter „Käuzchen“), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) u. Leichenhaus (vgl. grandiche B. = Hospital, Lanenger B. = Lazarett, u. das Dim. Begerkittle = Sarg [s. dazu schon oben [S. 44], [Anm. 147] unter „Abort“]), Begergadscho od. Begerkaffer = Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, Begersauft = Leichenbett (Sterbe-, Totenbett), Begermoss = Leichenfrau, Begerbikus = Leichenschmaus, Begerbochdam = Leichentuch, Begerkluft = Sterbekleid, Begersore = Totenbahre, Begerkritzler = Totenschein. Ableitungen (von begeren) sind: das Subst. Begerei = (das) Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. begerisch = sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm (daher: begerisch bosten = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. nobis begerisch = wohl [gesund], die Verbdg. begerische Mufferei = Totengeruch u. die Zus. Begerischsauft = Krankenbett). Auch als Subst. wird Begerisch gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie (Fallsucht), während grandich Begerisch die Schwindsucht bedeutet. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (begerisch = krank, vgl. auch 98: begerisch gekeilt werden = hart geschlagen werden); Schöll 271, 273 (Beger = Tod, begern = sterben); Pfulld. J.-W.-B. 341, 345 (bäkeren = sterben, bägeret = gestorben, bäkeret = tot, Bäkerei = Krankheit, bäkerisch = krank, Bäkerischkitt = Krankenhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 72, 76 (begern = sterben od. krank sein [hierfür auch bechern], abgebegert = gestorben, Begerer = Arzt, Begerwinde = Krankenhaus); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (bêkeren = sterben [vgl. in Pfedelb. (213): bägert u. beechert = gestorben], bêkerisch [in Pfedelb. (213): beecherisch] = sterbenskrank, todkrank, Bêkerwinde = Spital). Zur Etymologie (vom hebr. peger = „Leichnam“) sowie über weitere Belege im Rotw. s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1 (unter „Begerschaberer“) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter „Pöckerer“). Vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter „auf-bägere[n]“).

[158] Mit bugle (-la) od. buk(e)le(n) (-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die Zusammensetzungen: fortbugla = fortbringen, forttragen, herausbukla = heraustragen, mitbukle = mitbringen, umher-, wegbukle = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung schiebes bukle = davontragen. Ableitungen sind: die Subst. Bukler (in der Zus. Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote) u. Buklete = Last, Traglast. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (buckeln = tragen); Schöll 272 (buklen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (buckeln); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213] bukeln, in Lütz. [215] buckle[n]). Zur Etymologie (vom deutsch. Buckel od. Puckel) sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 209 u. Anm. 2. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit weiteren Angaben).

[159] Mit pfladere(n) (-ra) = waschen (auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch zusammengesetzt: auf- u. auspfladere(n) (-ra) = auf- u. auswaschen (ausspülen). Mit dem Stamme pflader- zusammenges. Hauptwörter sind Pfladerschottel = Waschbecken, Pfladersore = Wäsche, Pfladermoss = Wäscherin, Pfladerkitt = Waschhaus, Pfladerflu(h)te = Waschwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 91, 101 (Fladerei = Wäsche, Fladerer = „Balbierer“, Doktor); Pfulld. J.-W.-B. 343, 346 (fladeren = waschen, Flader-Schury = Schermesser); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (flattern = waschen); Schwäb. Händlerspr. 488 (pfladere); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (fladere[n]) u. Metzer Jenisch 207 (flādere). Zur (nicht ganz sichern) Etymologie sowie über weitere rotw. Belege s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.

[160] S. Abort.

[161] S. abbiegen.

[162] Mit pfreimen (-ma) = bezahlen (zahlen), vergüten ist noch zusammenges. auspfreimen = auszahlen; als Subst. gebraucht: Pfreimen = Steuern. Ableitung: Pfreimerei = Zahlung (Sold, Verdienst). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 346 (pfräumen = auszahlen, bezahlen, zahlen); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (pfreimen = bezahlen, zahlen). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist pfreimen wohl nur eine Nebenform von bereimen (s. darüber das Näh. weiter unten unter „bezahlen“), wozu die (z. B. bei Karmayer 17 vorkommende) Form bepreimen (vgl. Groß’ Archiv, B. 33, S. 305, Anm. 3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.