[163] Mit zaine[n] (od. zeine[n]) = bezahlen (zahlen) sind noch zus. an- u. auszeine[n] (-na). Als Subst. gebraucht ist Zeine = Zahlung. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 259 (zainen = zahlen); Schwäb. Händlerspr. in U. [214]: zaine[n]= bezahlen). Die Etymologie ist unklar.

[164] S. abbiegen.

[165] Grandicher Flederling heißt wörtlich „großer Vogel“, während grandich Flederling = Storch, eigentlich wohl durch „größter Vogel“ (d. h. der in Deutschland bekannte größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was Wittich an anderer Stelle (s. unter „Bischof“) über den Gebrauch von grandich (im Gegensatz zu grandicher) als Superlativ im Jenischen ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 42] u. Näh. noch in m. Anm. zu „Bischof“). — Mit Flederling (od. Fläderling) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu „Vorbemerkung“, [S. 16]). Aber auch manche Zusammensetzungen mit dem Worte finden sich sowohl für bestimmte Gattungen von Vögeln (s. Schallerflederling = Singvogel, Flu[h]teflederling = Wasservogel) als auch für einzelne Arten. So kommt Schallerflederling auch spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und Flu(h)teflederling für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng. jenischer Flederling, worüber das Näh. noch weiter unten bei „Bachstelze“); vgl. ferner: Stämpfflederling (eigtl. „der schimpfende Vogel“) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Leile- od. Ratteflederling (d. h. „Nachtvogel“) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben [S. 37], [Anm. 127]), Begerflederling (d. h. „Totenvogel“) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu schon oben [S. 98], [Anm. 157]), Schmuserflederling (d. h. „der sprechende Vogel“) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18]), Dofeflederling (d. h. „der schöne Vogel“) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]), Schofeleiflederling (d. h. „Unglücksvogel“) = Rabe (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 19], [Anm. 49]) u. Furschetflederling (d. h. „Gabelvogel“) = Schwalbe (nach deren gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter „Schwalbe“). Beachtenswert ist, daß Flederling in gewiss. Zus. auch für andere Tiere (Insekten) vorkommt, so in Kupferflederling = Heuschrecke und Schundflederling = Mistkäfer. Seltener sind endlich Zus., in denen das Wort vorangesetzt ist, so: Flederlingskitt = Vogelbauer, Fl.-bäzeme = Vogeleier, Fl.-nolle = Vogelnapf u. Fl.-schnellen = Vogelschießen. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Fletterling = Vogel); Schwäb. Händlerspr. 488 (Fläterling = Vogel [in Pfedelb. (213): Flätterling auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade diese engere Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. Hildb. W.-B. 1753ff (227) u. Rotw. Gramm. n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]). Seiner Etymologie nach gehört das Wort natürlich zu „flattern“; s. Günther, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1545 (unter „Flätterling“). —

Das (in der Verbindg. grandich[er] Flederling enthaltene) Adj. grandich (oder grandig) hat außer der häufigsten und allgemeinsten Bedeutung „groß“ noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen, gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll, vorzüglich, endlich auch noch „wütend“ (doch geht es in diesem Sinne wahrscheinl. auf einen anderen Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der „Etymologie“ a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (nobis grandich) ist es = wenig, winzig, als Adverb gebraucht bedeutet es: oft (häufig), als Subst. (Grandich): Gewalt, Höhe. Der Komporat. grandicher kommt nicht nur für „größer“, sondern auch für „mehr“ („mehrfach“, „vielmals“) vor. In Verbindungn. erscheint grandich: a) zuweilen mit einem Zeitw., so grandiche pflanzen (eigtl. etwa „den Großen spielen“) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen grandicher pflanzen nur durch „verlängern“ wiedergegeben ist), viel häufiger aber natürlich: b) mit Hauptwörtern, und zwar in d. R. (und nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]ff.), so α) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B. Gebäude u. dergl.): grandiche Jahre- od. Krachersäftling (d. h. „große Waldtraube“) = Ananas, grandiche Duft (d. h. „große Kirche“) = Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Kies (d. h. „großer Stein“) = Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, grandiche Kitt (d. h. „großes Haus“) = Hof, grandiche Kolbekitt (d. h. „großes Pfarrhaus“) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Schoflerei (d. h. „großes Gericht“) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr. d. Zigeun. unter „Kreis-“ u. „Kriminalgericht“), grandicher Sins-Obermann (d. h. etwa „des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut“) = Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Lobekitt (d. h. „großes Geldhaus“) = Münze, Münzwerkstätte, grandiche Hegerle (d. h. „große Knödel“) = Nudeln, grandiche Kaflerkitt (d. h. „großes Metzgerhaus“) = Schlachthaus, grandiche Schrende (d. h. „große Stube“) = Saal (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Spraus (d. h. „großes [langes] Holz“) = Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner β) auch für — mehr od. weniger — abstrakte Begriffe; so: grandich Flu(h)te (d. h. „großes“ [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben [S. 36], [Anm. 126]), grandich Ulma (d. h. „viele Leute“) = Menge, grandich Lanenger („viele Soldaten“) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner grandicher Funk (d. h. „großes Feuer“) = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Zigeun.), grandich Bogelo (d. h. „großer Hunger“) = Heißhunger, grandich Begerisch (d. h. „großes [schweres] Siechtum“) = Schwindsucht, grandich Schure od. Sore (d. h. „viele Dinge“) = Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann γ) für Tiere: so (außer grandich[er] Flederling noch); grandiche Gachne (d. h. „großes Huhn“) = Hahn, grandich Jerusalemsfreund (d. h. „großes Schaf [Hammel]“) = Schafbock, grandich Babing od. Strohbuzer (d. h. „große Gans“) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich δ) für Menschen, und zwar: aa) nach deren Eigenschaften, wie grandicher Kaffer (d. h. „großer Mann“) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw. nobis grandicher Kaffer = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro toto für die Personen selbst gebräuchl.) Bezeichngn. grandicher Rande = Dickbauch, grandicher Ki(e)bes = Dickkopf oder Starrkopf u. grandicher Giel (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen, daß solche Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z. B. grandicher Rande = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger, trächtig, grandicher Muffer = großnasig; vgl. auch grandich Sore (s. oben) = vermögend; bb) nach dem Stande od. Beruf, wie z. B. grandicher Sins (d. h. „großer Herr“) = Amtmann, Richter (s. d. betr. d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Feberer (d. h. „großer Schreiber“) = Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele dieser Art ist — um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem Worte „Bischof“ eingegangen, da dort Wittichs Bemerkung über die in seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen durch Hinzufügung von grandicher (als Komparativ) u. grandich (als Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich Grandicher-Patres u. Grandichemamere = Großvater, -mutter. — Zu vgl. betr. grandich (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (grandig = gewaltig, stark); Schöll 271 (grandig = groß, stark, viel); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 344, 345 (grandig = groß, grandiger Kanoffer od. Gschor = „Erzdieb“, grandiges Schuberle od. Balderle = Gespenst, grandig Flotte = Meer, grandige Kehr = Schloß [Gebäude], grandige Duft [od. Kangeri (aus dem Zigeun.)] = Tempel); Schwäb. Händlerspr. 481 (grandig = groß); auch dem Metzer Jenisch (216) bekannt. Der Etymologie nach geht das (schon zu Beginn des 17. Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung, und zwar noch eher auf das italien. grande als auf das französ. grand, zurück. S. Näh. in Groß’ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter „Sens“) u. dazu noch Weber-Günther, S. 173 (unter „garant“) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne „wütend“ — wozu das bes. in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. grandig = „mürrisch, verdrießlich, übel aufgelegt“ u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es wohl auf einen anderen Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei Fischer, a. a. O. unter u. zu „grandig“, Nr. 2, c verbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter „Grand“) sowie Sp. 999 (unter „grennen“).

[166] S. abbiegen.

[167] Über die Adj. ni(e)sich, nillich od. nuschich s. d. Näh. schon oben unter „aberwitzig“. Giel bedeutet: Maul (Schnauze), Mund (Lippe), dann auch allgemeiner (gleichsam als pars pro toto) Gesicht, Miene, Signalement (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Andere Zus. bzw. Verbdgn. mit Giel sind noch Grandichergiel = Großmaul (s. dazu schon oben [S. 100], [Anm. 165]), Schmusichergiel = Plappermaul sowie oberkünftiger Giel (d. h. eigtl. etwa „Obermaul“) = Gaumen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zig., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 17]). Vielleicht dürften als Ableitungen von Giel auch das Zeitw. giele(n) (-la) = (sich) erbrechen, übergeben (auch als Subst. gebr.) u. das Adj. gielerich = übel („zum Übergeben [Erbrechen] schlecht“ [Spr.]) betrachtet werden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 342, 345 (Giel = Maul, gillen = erbrechen, speien); Schwäb. Händlerspr. 4841 (Gîl = Mund). Der Etymologie nach gehört das (als rotw. schon im Lib. Vagat. [54] bekannte) Wort zu dem bereits mhd. giel = „Maul, Rachen, Schlund“ (s. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1011; vgl. auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 892), bildet also „einen der nicht häufigen Fälle der Erhaltung von Archaismen im Rotwelsch“ (so: Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 651; vgl. auch schon Wagner bei Herrig, S. 207 u. Behaghel in d. Z. der Allg. Deutsch. Sprachver. Jahrg. 1905, Sp. 158). Das Zeitw. gil(l)en = erbrechen usw. hat Fischer, a. a. O., Sp. 658 — freilich nur mit einen Fragezeichen — zu dem hebr. gilla = „enthüllen“ in Beziehung gesetzt.

[168] Als eine Zus. mit Bos = After (Hinterer) könnte vielleicht aufgefaßt werden Boslem = Exkremente (das wäre dann eigtl. — da Lehm auch im Wittich’schen Vokabular für „Brot“ vorkommt — soviel wie „Afterbrot“). Ebenso scheint ein gewisser Zusammenhang vorzuliegen zwischen Bos u. dem Zeitw. bosen od. bosme = lecken, zu dem möglicherweise die Redensart jann’ mei Bos = „leck mich (im A....)“ (s. d. W.-B.) den Übergang gebildet hat. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (Bos = Podex [ganze Hinterseite]); Schwäb. Händlerspr. 485 (Boß = Podex; vgl. dazu noch in Pfedelb. [211]: muff mei Boß = „l. m. i. A.“). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1303 hat das hebr. bōš = „sich schämen“ herangezogen, jedoch nur mit einem Fragezeichen. Weniger gesucht erscheint es m. E., in Bos zu erblicken nur eine Abkürzung (nach Art der sog. Aphärese) von der Zusammensetzg. Schundbos u. ä. (wörtl. etwa „Kothaus“, zu Schund = Kot u. dgl. [s. oben [S. 41], [Anm. 139]] u. Bos = Haus, älterer rotw. Form für Bais u. ä., aus dem gleichbed. hebr. bajit [vgl. Archiv, Bd. 38, S. 221, Anm. 1]), die sich zu Anfang des 19. Jahrh. in einzelnen Sammlungen der Gaunerspr. als Bezeichnung für den „Hinteren“ findet (so z. B. bei Karmayer 150 [neben Schandbus (138)]; vgl. Pfister 1812 [303: Schonnboos] u. v. Grolman 58 u. 63 u. T.-G. 101 [Schonboos u. Schandbus od. -buß]).

[169] S. Abort.

[170] Dieselbe Ausdrucksweise haben auch die Zigeuner (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko bersch [d. h. „jedes Jahr“] = alljährlich). — Jane od. Jahne = Jahr findet sich auch noch in den Verbdgn. voriges Ja(h)ne = vorjährig u. nobis dofs Ja(h)ne (d. h. eigtl. „kein gutes Jahr“) = Mißjahr (s. d. betr. d. Zigeunerspr.) u. in den Zus. Ja(h)neschei = Jahrestag u. Neuja(h)ne = Neujahr (Spr). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Jone = Jahr, daher Jone Gschok = Jahrmarkt); W.-B. des Konst. Hans 257, 259 (Jane = Jahr, Jann = Jahre); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Jane = Jahr). Die Etymologie bleibt zweifelhaft. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 74 hat hingewiesen teils auf Jam = Tag (in der Form Jäm[m]chen = Jahr [s. dazu schon oben „Einleitg.“, [S. 26], [Anm. 70]]), teils auf das hebr. schānā, jüd. schōnō = Jahr, das auch in die Gaunerspr. eingedrungen ist (s. z. B. schon Christensen 1814 [322: Schone], u. dann öfter bis zur Neuzeit [vgl. A.-L. 603 u. Groß 492 (Schono, -num), Rabben 121 u. Ostwald 137 (Schone, -num)]). Jedoch erscheint es vielleicht am einfachsten, auch hier (gleichwie möglicherweise ja bei Jäm[m]chen) nur eine absichtliche Entstellung des Auslauts von „Jahr“ anzunehmen.

[171] Auch diese Umschreibung ist bei den Zigeunern gebräuchlich (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko diwes [d. h. „jeden Tag“] = alltäglich). — Das jenische Schei (od. Schein) = Tag (wofür früher Jamm gebräuchlich gewesen [vgl. oben „Einltg.“, [S. 26], [Anm. 70]]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel), Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen begegnen auch in den Zusammensetzungen mit dem Worte, so: a) = Tag (nur ans Ende gestellt) in: Nilliche-(Ni[e]siche- od. Nuschiche-)schei = Fastnacht (vgl. oben [S. 39], [Anm. 132]), Ja(h)neschei = Jahrestag (vgl. oben [Anmerkg. 170]), Bäzemeschei (eigtl. „Eiertag“) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18]), Brandlengschei (eigtl. „Kuchentag“) = Kirchweihe, Flössleschei = Regentag, Bossertschei (eigtl. „Fleischtag“) = Sonntag (vgl. schon oben [S. 31], [Anm. 119]); b) = Licht (od. Lampe): α) vorangestellt: in Scheischure (eigtl. „Licht- [od. Lampen-] Ding“) = Docht u. Scheinpflanzer = Lichtzieher; β) ans Ende gestellt: in Schuberleschein (d. h. „Gespensterlicht“) = Irrlicht (s. d. betr. die Zigeunerspr.), Leileschei(n) = Nachtlicht, dann aber auch Mond u. Stern (vgl. dazu schon oben [S. 37], [Anm. 127]); c) = Fenster: in Scheiglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255, (Schaispringer = „Diebe, die bei Tag stehlen“); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: Scheinspringer bei Schöll 269, 270 u. im Pfulld. J.-W.-B. 345 (vgl. hier [339] auch noch Prenzenschein = Feiertag, während Scheinohne Zusatz — [337] so viel wie „Auge“ bedeutet); Schwäb. Händlerspr. 487 vbd. mit 479, 480, 483 (Schein = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl. in Pfedelb. [214]: Bichschein = Zahltag). In den übrigen rotw. Quellen findet sich Schein für „Tag“ (abges. von der oben erwähnten Zus.) m. Wiss. zuerst bei Schintermicherl 1807 (288), für „Auge“ zuerst bei Pfister bei Christensen 1814 (328), dagegen schon im Basl. Glossar v. 1733 (201) für „Glas“. Aus den Krämerspr. vgl. noch: Pfälz. Händlerspr. 438 (Schainche = Auge, Fenster, Lampe), Metzer Jenisch 216 (Scheinche = Augen), u. Winterfeld. Hausierspr. 441 (Scheincher = Fenster). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. Schein (in dem ursprünglichsten Sinne von „ins Auge fallende Helle“, mhd. schîn, ahd. scîn = „Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit“ usw. (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 690/91); vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte Scheinling = Auge s. das Näh. unter „Augapfel“.