[220] S. abschaffen.
[221] Betr. Kitt s. Abort.
[222] Betr. Bich s. Almosen.
[223] Das Adj. lenk (mundartl. = link [so bei Wittich nur in d. Spr. u. vereinzelt in einer Zus.] = arg (Grundbed.: falsch) umfaßt (ähnlich wie sein Gegenstück dof od. duft) noch eine große Zahl mehr od. weniger ähnlicher Begriffe, nämlich: bösartig, böse (vgl. dazu d. Komparat.: lenker = böser), böswillig, buhlerisch, eifersüchtig, elend, erzürnt, frech, garstig, gefährlich, gehässig, gefühllos, gemütlos, gewalttätig, gottlos, grausam, grimmig, grob, hartherzig, haßartig, heftig, nichtswürdig, ruchlos, streng, tückisch, unverschämt, wüst; als Subst. gebr.: = Gefahr od. Schmach. Dazu die Verbdg. lenker Kritzler (eigtl. „böser Brief“) = Steckbrief (s. d. betr. Analogie im Zigeuner., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]) u. d. Zus. Linkfi(e)sel = böser Mann (Syn.: lenker Kaffer). Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 97 (link = falsch, linke Fleppe = falscher Paß); Pfulld. J.-W.-B. 339 (link = falsch); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (link = falsch, schlecht, Linkmichel = falscher Mensch, linker Schenagel = nicht passende Arbeit); Schwäb. Händlerspr. 486 (lenk = schlecht [in Pfedelb. (209): auch = bös, falsch]; in Degg. [215]: Linkmichel = schlechter Kerl). Über sonstige rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) s. Schütze 78; betr. Linkmichel s. auch Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 152, Anm. 2 u. Bd. 59, S. 266. Zur Etymologie (Erweiterng. des gemeinspr. link als Gegensatz zu recht, nach der Hand genommen [Weigand, W.-B. II, Sp. 70]) s. Pott II, S. 15, 16; A.-L. 567, vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1254 (betr. lenk).
[224] Das Adj. schofel (auch schoffel) hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie lenk. Es fehlt nur unter „gemütlos“ u. „wüst“ (wohl bloß versehentlich), während anderseits nur schofel (nicht aber lenk) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm, entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos, schlecht (wofür lenk gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig, treulos, unanständig, verrucht; als Subst. gebraucht ist es = Gefahr, Schmach (wie Lenk) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. schofler ist durch „böser“ wiedergegeben. Viel häufiger als mit lenk sind mit schofel Verbindgn. od. Zusammensetzgn. für selbständige Begriffe gebildet worden, nämlich: a) Verbindgn. schofle Model = Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn. auch: schofle Schüx]), schofle Moss = Ehebrecherin, Kebsweib (für letzt. auch: schofle Goi), schofler Kaffer (auch — Benk, — Fiesel od. — Freier) = Heuchler (alles [außer sch. Benk] auch unter „Hurenkerl“ angeführt; sch. Benk [Benges] oder Fiesel auch = Krüppel); schofler Begersins = Quacksalber, schofler Kritzler (wie lenker Kr. [s. oben [Anm. 223]] = Steckbrief; vgl. auch noch die Redensart schofle Falle (-la) pflanzen = „huren“; b) Zusammensetzungen (d. h. in einem Wort geschr.): Schoflelehm = Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. Dofelehm = Weißbrot [oben [S. 111], [Anm. 188]]), Schoflergalm = Stiefkind, Schoflemamere = Stiefmutter, Schoflerpatris = Stiefvater, Schofelkitt = Zuchthaus. Ableitungen: Schofelei = Unglück (s. dazu Schofeleifläderling = Rabe [vgl. oben [S. 100], [Anm. 165]]), Schoflerei = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu grandige Schoflerei = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u. Schoflereisitzling = Richterstuhl, dagegen Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 92, 97, 99, 101 (schofel = falsch, streng, Schofel-fleppe = falscher Paß, schofel Marum, Lehm [od. Lechem] = schwarzes Brot, Schofel Kitt = Zuchthaus); W.-B. des Konst. Hans 256, 257, 259 (schofel = bös, schofler Kaffer = böser Mann, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 273 (schovel = schlimm, schovel Gasche = schlimme Leute); Pfulld. J.-W.-B. 344, 346 (schofel = schlimm, Schofelkitt = Zuchthaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schofel = schlecht); Schwäb. Händlerspr. 486 (ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in Lütz. [214]: Schofel-Kitt = Abtritt [vgl. oben [S. 44], [Anm. 147]]). Etymologie: Die Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von „einem nicht gerade üblichen“ schōfēl (statt: schāfāl), dem Partizip des hebr.-rabb. schāfēl = „niedrig gemacht, gedemütigt werden, sinken“). S. Weigand, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit A.-L. 603 u. 475, Günther, Rotwelsch, S. 94, Stumme, S. 19 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 495.
[225] Zu Stumpf (auch = Entrüstung, Trotz, Zorn) gehören als Ableitungen: a) das Adj. stumpfich oder (seltener) stämpfich) = ärgerlich, empfindlich, entrüstet, ergrimmt, erzürnt, gereizt, grimmig, trotzig, unwillig, verdrießlich, verstimmt, wütend, zänkisch, zornig; b) das Zeitw. stumpfen (stümpfen) oder (häufiger) stämpfen (erstere Formen für: schmähen, lästern, letztere Form für: bedrohen, beleidigen, beschimpfen, drohen, fluchen, schelten, schimpfen, zanken; dazu die Zus.: ausstämpfen = ausschelten, -schimpfen, -zanken); c) die (zunächst auf das Zeitw. stämpfen zurückgehenden) Substantive: Stämpfer = Schmäher, Zänker und Stämpferei = Wortwechsel, Zank, Zänkerei, Zwist. Zu dem Stamme stämpf- (des Zeitw. stämpfen) gehört auch die Zus. Stämpffläderling (d. h. eigtl. der „schimpfende Vogel“) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 343, 346 (stumpf = bös [345: = taub], Stumpf = Haß, Zorn, stimpfen = schelten, zanken); Schwäb. Händlerspr. 485, 488 (stumpf = zornig [in Pfedelb. (214) als Subst. Stumpf = Zorn], stumpfen = schimpfen). Übrigens dürften sich die Vokabeln bis ins 18. Jahrh. hinein verfolgen lassen. So findet sich z. B. im W.-B. von St. Georgen 1750 (219, 220) stumpf = unsicher, im Schwäb. Falschmünzerprozeß von 1791/92 (261 ff.) mehrmals Stumpf oder stumpf machen = „Lärmen“ oder „Angst machen“ (v. S. der Gauner) sowie das Subst. Stumpfmacher = „Lermen- (d. h. Lärm-) Macher“; vgl. noch ebds. (263) sowie in der Uracher Jauner- und Betrügerliste 1792 (268): anstimpfen od. anstempfen (= anschmusen), d. h. etwa Überreden eines leichtgläubigen Opfers v. S. der Betrüger. Bei Schintermicherl 1807 (288) — der auch stumpf = „hart od. böse“ hat — bedeutet das Zeitw. stimpfen = bellen (von Hunden). Etymologie: Bei Stumpf = Ärger, Zorn usw. liegt wohl nur eine Substantivierung vom Adj. stumpf vor, das u. a. in dem Sinne von „böse“ schon im Mhd. bekannt gewesen (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 999) und sich noch bis in die neuere Zeit hinein in der bayr.-österreich. Mundart erhalten hat (vgl. bes. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 761 m. Hinweis auf Castelli [Öster. W.-B., 1847], S. 239: stumpf = böse, verdrießlich). Für das Zeitw. stumpfen, stämpfen vgl. noch bes. Schmeller, a. a. O., Sp. 760 (stimpfen, stümpfen = „sticheln, [be]kritteln, schmähen“) u. Sp. 762 (stumpfieren = „kritteln, [be]spotten“); auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 518 vbd. m. 515 (stumpfieren = schimpfen, lächerlich machen, stumpflerisch = spöttisch, anzüglich).
[226] S. Aas.
[227] S. arg.
[228] S. abbetteln.
[229] Über Dercher- s. abbetteln. — Ulma (-me) = Leute kommt noch vor: a) in den Zusammensetzungen: Schniffer- od. Schorerulma = Diebesbande, Fehteulme = Herbergsleute (Spr.), Dächlespflanzerulma = Schirmflickerleute (Spr.), Steinhäuflesulme = Städter, Blibelulma (-e) = fromme Leute, „Stundenleute“ (d. h. Methodisten); b) in den Verbindgn.: jenische Ulma = „fahrende Leute“ u. grandich Ulma (d. h. „viele Leute“) = Menge (s. d. betr. Übereinstimme, mit d. Zigeun.). Das Wort ist in dem bes. verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt u. auch sonst im Rotwelsch (wenigstens in gleicher Form u. Bedeutg.) selten; vgl. aber z. B. schon Lib. Vagat 55 (Wyßulm = „einfaltig volck“), dann öfter wiederholt, ferner Münchner Deskription 1727 (192: die platten Ulm, etwa im Sinne von „Gaunern“ u. dergl.) u. Schintermicherl 1807 (289: Ulm = Leute); dagegen hat Pfister bei Christensen 1814 (327) die Form Ohlem (= Menge), die sich dem jüd. (hebr.) Stammworte mehr annähert. Ihrer Etymologie nach geht die Vokabel nämlich zurück auf das hebr. ’ôlâm = „Ewigkeit, Welt“, jüd. ôlem od. ulen = „Welt, dann Leute, Menschenmenge“ (wie französ. monde = „Welt“ u. „Leute“); vgl. A.-L. 426 (unter „Olam“) u. Wagner bei Herrig, S. 237.