[240] Sprate hat auch die allgemeinere Bedeutung von „Stecken“ od. „Stock“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Sprade = Stock); ebenso: Pfulld. J.-W.-B. 345 u. Schwäb. Händlerspr. 487. Die Etymologie ist unsicher. Da sich jedoch in der Pfälzer Händlerspr. (439) die Form spâte = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl. „Spaten“ denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. spatha = „zweischneidiges Schwert“ u. dergl. (s. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 904), ital. spada, auch rotw. (z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [330]) Spaden = Degen (vgl. dazu Pott II, S. 17; Günther, Rotwelsch, S. 37).

[241] Stenz heißt ebenfalls eigentlich „Stock“ („Stecken“), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten) Prügel (auch im plur. Stenze = Schläge). Zus. damit: Dercherstenz = Bettelstab; Ableitgn.: zunächst das Zeitw. stenzen = hauen, prügeln, schlagen (Zus. niederstenzen = niederschlagen, verstenzen = verhauen, zustenzen = zuschlagen) u. davon wieder das Subst. Stenzerei = Schlägerei (Fehde). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 76 (Stenz = Stock, Flatter- od. Flosserstenz = Schirm; stenzen = durchhauen); Schwäb. Händlerspr. 487, 488 (Stenz od. Stanz [in Pfedelb. (213): auch Stenzling] = Stock, Stenz kriegen = Prügel bekommen; Nebenbdtg. [483]: „Louis“; in U. [215]: stenzen = schlagen, in Pfedelb. [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (nicht sichere) Etymologie s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter „Stanzer“) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.

[242] Kritzler hat noch die Bedeutgn.: Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende Zusammensetzgn.: a) mit Kr. vorne: Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote, Kritzlerrande = Brieftasche, auch Papiersack, Kritzlerbich od. -lobe = Papiergeld, Kritzlerpflanzer = Papiermacher, Kritzlerrädling = Postwagen; b) mit Kr. hinten: Dercherkritzler = Bettelbrief, Schnurrantekritzler = Komödienzettel (Programm), Sprauskritzler = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache übernommenes Wortspiel [vgl. schon „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 46]], worüber das Näh. noch unter „Steckbrief“), Begerkritzler = Totenschein. Als Verbindg. erscheint lenker od. schofler Kritzler = Steckbrief (vgl. Näh. schon oben [S. 121], [Anm. 223] u. [Anm. 224]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 480 (Kritzler = Brief); auch Pleißlen der Killertaler 435 (Bedtg.: Brief, auch [nach Kapff 213]: Paß, Wandergewerbeschein; kritzle[n] = schreiben). In der Pennälersprache bedeutet Kritzler den Federhalter (s. Eilenberger, S. 38). Der Etymologie nach gehört der Ausdr. jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. kritzeln = „kratzend fein schreiben“, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. kritzen, ahd. krizôn = „einritzen“, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s. Weigand, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 771.

[243] S. abbiegen.

[244] S. (betr. alle drei Ausdr.) Abendessen.

[245] S. abfallen.

[246] Das einfache schnüren = erhängen, hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem Lib. Vagat [55: schnuren]) bekannt gewesen. Aus dem verw. Quellenkr. vgl. Dolm. der Gaunerspr. 93 (schüren [sic] = henken u. geschürt [sic] werden = gehenkt werden); W.-B. des Konst. Hans 257 (g’schürt [sic] = gehängt); Schöll 271 (schmieren [sic] = hängen, aber richtig [273]: die Geschnürten = die Gehängten); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (schnüren = aufhenken, schniren = henken). Etymologie: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602, vbd. m. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch Horn, Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.

[247] Die Aufforderung schupf dich (od. schupf dich auf) ist auch wiedergegeben durch „sei ruhig“, „schweig still“ od. „halts Maul“ (für letzteres auch: schupf’ de’ Giel [s. unter „Maul“]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (schupf dich auf = still). Etymologie: Die auch schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. Hempel 1687 [169: schuff dich = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das schles. schupf dich = „setz’ dich nieder“ [s. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. verschupfen, ab-, wegschupfen = wegschieben, -stoßen [s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 481 u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl. Zeitwort schupfen (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über schupfen = backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in Wittichs Jenisch bekannt ist. Dazu die Ableitungen: Schupfer = Bäcker, jedoch nur in der Zus. Lehmschupfer, fem. -ere (d. h. eigtl. „Brotbäcker[in]“; vgl. dazu die weitere Zus. Lehmschupferhitzling = Backofen) u. Schupferei = Bäckerei. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Leemschlupfer [sic] = „Beck“); Pfulld. J.-W.-B. 337 (Lächumschupfer); Schwäb. Händlerspr. 479 (schupfen = backen, Schupferei = Bäckerei, Lêmschupfer [in Pfedelb. (208): auch Schupferbink] = Bäcker).

[248] S. abbiegen.

[249] S. abgehen.