[250] S. anbrennen.
[251] Mit stichle(n) = nähen ist ferner noch zusammengesetzt ei’stichle = einnähen. Ableitungen: Stichler = Schneider (vgl. dazu Stichlersmoss = Schneidersfrau) u. Stichlere = a) Schneiderin, b) Nadel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.); Dolm. der Gaunerspr. 96, 98 (Stichler = Schneider, Stichlerin = Näherin); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Stichler = Schneider); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. 484, 486 (ebenso, doch Stichler auch = Metzger [wie nur so im Pleißlen der Killertaler 436]; sticheln = nähen). Zur Etymologie (v. deutsch sticheln, d. h. eigtl. „Stiche machen“ [beim Nähen usw.]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter „Stichling“ u. „Stich[e]ler“ [= Schneider]). Über das stammverwandte Stichling = Gabel s. unter diesem Worte.
[252] S. angenehm.
[253] S. ansagen.
[254] Weitere Zus. mit guffe(n) (-fa) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: einguffen = einhauen, einschlagen, niederguffa = niederschlagen, verguffen = verhauen, zuguffen = zuschlagen. Ableitungen: Guffe = Schläge (wenn nicht bloß subst. Infin.), Guf(f)es = Hieb(e), Prügel; Guf(f)erei = Fehde, Schlägerei, auch Guffer in den Zusammensetzgn. Galmeguffer = Lehrer, Schullehrer (eigtl. „Kinderprügler“) u. Hertling- od. Kiesguffer = Steinhauer, Steinmetz. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (guft = geschlagen); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (gufen = schlagen, prügeln, niedergufen = niederschlagen, Gufes od. Guves = Prügel, Schlag, Streich); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 74 (guffen = schlagen, Guffer = „Bickel“ [d. h. Spitzhacke], Meißel, Gufferei = Schlägerei); Schwäb. Händlerspr. 483, 485-487 (guffen = prügeln, schlagen, Galmeguffer = Lehrer [in U. (214): Galmenguffer, in Pfedelb. (211): Form ebenso, Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der „Unterlehrer“ Schrazeskneppler (vgl. dazu: Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt], Hertlingguffer = Steinhauer; speziell in Pfedelb. [212, 213] ferner noch: Gufes = Schläge, Gufferei = Schlägerei, Galmegufferei = Schule u. Guffertemente = Ohrfeige). Vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (kuffese = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] Goffe = „Hinterbacke“) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 178 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 (der in der Endung -es bei Guf[f]es das hebr. -ôth erblickt [vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 13], [Anm. 32]]).
[255] S. abschreiben.
[256] S. anschauen.
[257] Das einfache nikle(n) (-la) hat die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = „spielen“, d. h. musizieren (daher auch vornikle = a) vortanzen u. b) vorspielen), während nur die erstere (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl. die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in herum- (od. umher-) nikla (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. Ableitungen: Nikler = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: Vornikler = Vortänzer); fem.: Niklere = Tänzerin; Niklerei = Tanz, Theater, Nikelei (besser wohl gleichfalls Niklerei[?]) = Musik, Spiel. Mit dem Stamm des Zeitw. (nikel-) sind gebildet die Zus.: Nikelkitt = Komödienhaus u. Nikelschure = Klarinette od. Klavier (vgl. auch Nikleschure = Leierkasten, während für „Harfe“ und „Harmonika“ das vollere Niklengschure angeführt ist). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (nikle = tanzen [wohl zugleich der früheste Beleg]); Schöll 272 (niklen = tanzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (nikeln, Bedeutg. ebenso); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: nickle[n] = tanzen). Die Etymologie des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher, es mit Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. nickle(n) = „Kopf und Nacken hin- und herbewegen“) zu unserem Zeitw. nicken zu stellen, als es mit Stumme, S. 20 mit dem hebr. niggên = „Musik machen“ in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere Bedeutg. doch wohl zweifelsohne „tanzen“ gewesen ist.
[258] S. abbiegen.
[259] Das Zeitw. durme(n) bedeutet: schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: aufdurme eigtl. wohl = „aufhören zu schlafen“; weitere Zus. sind noch: ausdurme(n) = ausschlafen (vgl. ausdurmt = erwacht), ei’durme = einschlafen, herumdurma = herumliegen, hindurmen = (sich) hinlegen, niederdurmen = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. durmerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Durmklamine = Schlafzimmer [während schlafen hier durch schlaunen wiedergegeben]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 77 (durmen = schlafen, Durmel = Schlaf, Durmmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (durmen [in Pfedelb. (212): dormen] = schlafen, desgl. in Pfedelb. [212]: dormisch = schläfrig, i hab Darming = ich bin schläfrig u. Dormmalfes = Schlafrock). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (durme = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die Etymologie (zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. durmeln [turmeln u. ä.]) = taumeln, schlummern, leicht schlafen, Durmel [Turmel u. ä.] = Taumel, Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. türmeln, turmeln = taumeln, türmel, turmel = Taumel, Schwindel (vgl. Grimm, D. W.-B. II, Sp. 1733 ff; Schmeller, Bayer. W-B. I, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber auch wohl vom französ. dormir [in letzter Linie also vom lat. dormire] beeinflußt worden [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 10], [Anm. 25] u. [26]) s. Näheres bei Weber-Günther, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit Pott II, S. 17, A.-L. 534 u. Günther, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter „durme[n]“ vbd. mit Sp. 499 (unter „Durmel“).