[410] S. angenehm.

[411] Mit Blamb ist zusammengesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), das auch unter „Schoppenglas“ angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Blembel = Bier); W.-B. des Konst. Hans 254 (B[l]empel); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Blamp od. Blempel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Plampe); Schwab. Händlerspr. 480 (Plamp = Bier, dazu in Pfedelb. [208]; Plamppflanzer = Bierbrauer; abweichend in Eningen [206, Anm. 1]: Plempel = Wein). Im Pleißlen der Killertaler (436) ist Plamp, Plempel od. Plimpel = Getränk schlechthin, Gañsplempel = Wasser, gwanter Plempel = Wein. Über sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch Weber-Günther, S. 179 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter „Plämpel“).

[412] Mit Glansert = Glas (Humpen, Schoppen) aber auch Flasche („Bouteille“, „Pulle“) finden sich ferner noch folgende Zus.: Gefinkelter- oder Sorufglansert = Branntweinpulle (-flasche), Feneter- oder Scheiglansert = Fensterglas, Gleisglansert = Milchglas, Grabegautsehertglansert = Mostglas, Schwächglansert = Trinkglas, -geschirr, Flösselglansert = Uringlas, Johleglansert = Weinglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Glensert = Glas); Schwäb. Händlerspr. (U. [213]: Glänzerle = Glas). Etymologie: Das Wort, dem sich auch sonst im Rotwelsch noch manche ähnliche Formen zur Seite stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. „Glanz“ bzw. „glänzen“. Vgl. Pott II, S. 33; Weber-Günther, S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter „Glänzer“).

[413] S. abbiegen.

[414] S. alles Nähere unter „Apfelbaum“.

[415] Mit Stieling = Birne ist ferner noch zusammengesetzt Stielingkies = Birnenkern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Stieling = Birne); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stühling); Schwäb. Händlerspr. 480, 484 (Stîling; vgl. Stîlingsjôle = Most); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Stilche od. Stîlche). Der Etymologie nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort (vgl. Kluge, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr. „Stiel“; vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch, S. 61.

[416] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[417] Vgl. auch Hoherpriester. Mit Kolb = Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kolbekitt = Pfarrhaus (u. dazu die Verbindg. grandiche Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.]) u. Kolbemalfes = Priesterrock; b) am Ende: Kaimekolb (d. h. „Judenpfarrer“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kolb = Pfarrer, Priester, Unterkolb = Kaplan); Schwäb. Händlerspr. 482 (unter „katholisch“) u. 484 (Kolp [in Pfedelb. (212): Kolb] = Pfarrer, in Pfedelb. [212]: Oberkolb = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.] Kolbe = „geschorener Kopf“ mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch Weber-Günther, S. 172 (unter „Kolm“).

[418] Auch die Zigeunersprache kennt die Umschreibung „großer Pfarrer“, bāro rašai (raschai), für „Bischof“ oder „Superintendent“ (s. Finck, S. 82) u. dergl. (z. B. „Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer“ [s. Liebich, S. 127]), ja nach Jühling, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach Liebich, S. 131 u. 228] schwendo dād, d. h. „heiliger Vater“ gebräuchlich ist). Die von Wittich im Text erwähnte Art der Steigerung der Rangstufen im Jenischen (durch grandichergrandich) ist mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — nicht bekannt (vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 42]; s. jedoch auch weiter unten die Anm. zu „Förster“).

[419] Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der grandicher als eine Art Komparativ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch „größer“ wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der „Positiv“) als Superlativ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein „besseres Kindermädchen“ nicht so hoch geschätzt wird wie ein „gutes“, ein „älterer Herr“ jünger zu sein pflegt als ein „alter“ usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei Kolb, grandicher Kolb, grandich Kolb) noch in folgenden Fällen: Sins = „Herr“ (Edelmann, Gebieter), grandicher Sins = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, grandich Sins, d. h. „der größte Herr“, = König (fem. grandich Sinse = Königin); Grünwedel = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, grandicher Grünwedel (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. „der größere Forstmann“) = Förster, grandich Grünwedel (d. h. „der größte Forstmann“) = Oberförster; Schuker = Gendarm, grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm), grandich Schuker = Oberwachtmeister; Bu(t)z = Polizeidiener, grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister, grandich Bu(t)z = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu Lanenger = Soldat, grandicher Lanenger (Grandicher-Lanenger) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ grandich L., den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat grandich Lanenger im Vokab. die Bedeutg. von „Heer“, ist demnach als Plural und in dem Sinne von „(sehr) viele Soldaten“ auszulegen. In gleicher Weise ist grandich auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in grandich Ulma = Menge (eigtl. „[sehr] viele Menschen“), grandich Schure od. Sore = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. „[sehr] viele Dinge“), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von grandicher gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch „groß“ oder „sehr groß“ wiederzugeben, so z. B. bei grandich Flu(h)te = Meer (eigtl. „[sehr] großes Wasser“), grandich Begerisch = Schwindsucht (eigtl. „[sehr] großes Siechtum“) oder grandich Babing od. Strohbutzer = Schwan (eigtl. „[sehr] große Gans“). Dagegen könnte man die Verbindg. grandich Flederling = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch „größter Vogel“ (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in grandicher Flederling = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter „Adler“).