[530] S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.
[531] S. anfassen.
[532] S. ausstehlen.
[533] S. (betr. Ulma) arme Leute.
[534] S. (betr. Kitt) Abort.
[535] Zopferei = Diebstahl ist eine Ableitung von dem Zeitw. zopfen, das für „stehlen“ — nach Wittichs „Einleitung“ ([S. 28]) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem Sinne noch im W.-B. in der Zus. herauszopfen = herausstehlen angeführt ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für „erwischen“ vorkommt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 259 (krank zopfen = gefangen nehmen); Schöll 271, 273 (zopfen = nehmen, krank zopfen = gefangen nehmen); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339-341, 345 (zopfen = ausplündern, herausnehmen, stehlen, Zopfen [als Subst.] = Diebstahl; krankzopfen = gefangennehmen, kiwiszopfen = köpfen u. a. m.); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (zopfen = ausplündern); Schwäb. Händlerspr. 484, 486 (zopfen = ausplündern, nehmen, stehlen [in Pfedelb. (208, 213) auch: ausplündern, nehmen u. verhaften], Staubzepfer [eigtl. „Mehldieb“] = Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die Etymologie (= Nebenform zu „zupfen“, die bes. auch der allgem. schwäb. Mundart bekannt ist) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1 vbd. m. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 550.
[536] S. abschaffen.
[537] S. angenehm.
[538] Glitschin, eigtl. = Schlüssel, dann auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. nobes dofer Glitschin, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Glitschinpflanzer = Schlosser; b) am Ende: Kittglitschin = Hausschlüssel, Duftglitschin = Kirchenschlüssel, Sichereglitschin = Küchenschlüssel, Sturmkittglitschin = Rathhausschlüssel, Luberglitschin = Uhrschlüssel. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort zwar nicht bekannt, wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in ähnl. Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text) auch ausführl. Angaben über die Etymologie — aus der Zigeunersprache (s. „Einleitung“ [S. 30]); vgl. dazu auch noch Finck, S. 65 (der jedoch nur die Form klídi[n] anführt, während die älteren Sammlungen meist glitschin u. glitin als gebräuchlichste Form bei d. deutsch. Zig. haben).
[539] Eine ähnliche Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache, wenigstens nach Liebich, S. 189, der tschi tschātschi glitin, d. h. „kein rechter Schlüssel“, für „Dietrich“ hat (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]), wogegen der Begriff bei Finck, S. 65 einfacher durch bángi klídin, d. h. etwa „falscher Schlüssel“, wiedergegeben ist. — Nobes od. (häufiger) nobis hat außer der Hauptbedeutg. „nicht“ auch noch die von „nein“, „niemals“ und „umsonst“, ferner von „unbedeutend“ od. „unnütz“ sowie (als Subst. gebraucht) von „Null“ u. „Tand“ (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Dazu zahlreiche Verbindungen, nämlich: a) mit Zeitwortformen, u. zwar α) mit Infinitiven: nobis sehenegla (d. h. „nicht arbeiten“) = faulenzen, nobis diberen od. schmusen (d. h. „nicht reden, sprechen“) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); β) mit der ersten u. dritten Pers. Präs. (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): gneis nobis (d. h. „[ich] kenne [es] nicht“) = unbekannt, hauret nobis (d. h. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (d. h. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); γ) mit Partizipien (z. Teil für deutsche Adjektive): nobis vergrönt (eigtl. „nicht verheiratet“) = ledig (unverheiratet), nobis ang’kluftet (d. h. „nicht angekleidet“) = nackt (unbedeckt), nobis geschert = ungekocht; b) mit Adjektiven: nobis bauserich = furchtlos, nobis dof = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch, unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die Substantivierung nobis Dofs = Trübsal, Übel), nobis grandich = machtlos, wenig, winzig, nobis g’want = nichtsnutzig, nobis wo(h)nisch (bzw. gril[l]isch, diboldisch), d. h. eigtl. „nicht katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch“) = ungläubig, nobis begerisch (d. h. „nicht krank“) = wohl (gesund, unverletzt); c) mit einem Substantiv (für ein deutsches Adjektiv): nobis Strauberts (d. h. „keine Haare“) = kahl; d) mit Substantiven und vorgesetzten Adjektiven (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer nobes dofer Glitschin = Dietrich noch — nobis dofer Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer, nobis vergrönter Käfferle = Junggeselle, nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), nobis grandicher Kaffer = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast satzartigen Wendung: nämlich nobis Strauberts auf’m Ki(e)bes (d. h. „keine Haare auf dem Kopfe“) für das deutsche Subst. Kahlkopf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 345 (noves = nicht; nobus schlaune = schlaflos; Manobisch, schinegeln = Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) nobisch schinegeln = faulenzen], nobis maker [v. hebr. makâr = „bekannt“; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. nobis knais = unbekannt); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (nobes = nichts [es ist nichts], lauter nobes = alles nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (nobis = nein, nôbis = nicht [in Pfedelb. (212): nowes = nein, nicht u. binowes = gar nichts]). Auch in nicht verwandten Krämersprachen findet sich das Wort (s. z. B. in nordwestfäl. Bargunsch 446 [nobis = nein, nicht] u. im Hennese Flick von Breyell 456 [nobes = nein]). Über das Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s. z. B. schon Ulenhart 1617 [132, 132: nobis = nicht] u. dann öfter in verschiedenen Formen) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 173/74 unter „nowes“; desgl. bezügl. der Etymologie, worüber u. a. folgendes ausgeführt ist: „Nach Wagner bei Herrig, S. 225 hängt das Wort ‚ohne Zweifel ... mit dem alten Nobis zusammen, welches wieder von der italienischen Nebenform nabisso (= in abisso; französ. abîme, griech.-lat. abyssus = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‘. Dazu das bekannte Nobiskrug = Hölle; eigtl. ‚Höllenschenke‘ (s. dazu Kluge, W.-B. S. 332/33, Weigand, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet dieser Etymologie besteht aber vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. A. Landau) auch noch ein gewisser Zusammenhang zwischen nobis = nicht und dem oben ([Anm. 518]) betrachteten lo[h]ne. Da nämlich lô lânû (woraus lolone, lone entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps. 113) ‚Non nobis, Domine ..., sed nomini tuo da gloriam‘ lautet, so könnte dies analog zur Anwendung von non nobis allein in der Bedeutung ‚nein‘ geführt haben, zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in nobis das no als Negation empfunden werden konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß dahingestellt bleiben.“ Über weitere Bedeutungsveränderungen von nobis in den Krämersprachen s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.