Es ging ein Leuchten durch Nechlidows vergrämtes Gesicht; er sagte nichts, nickte nur.
»Nun läßt sich aber nicht leugnen, daß wir sieben Gründer, eben als solche, vorläufig eine Sonderstellung einnehmen. Wir müssen nur dafür sorgen, daß diese Sonderstellung nicht länger dauert, als unbedingt notwendig ist. Ich schlage deshalb folgendes vor: jeder Ansiedler, selbstverständlich Mann wie Frau, ist nach einjährigem Aufenthalt auf der Insel vollberechtigter Bürger. Wir sieben Gründer bleiben das erste Jahr allein auf der Insel und genießen das einzige Vorrecht, in diesem Jahre über uns selbst und den Staat, den wir ja allein repräsentieren, zu verfügen. Dieses Vorrecht ist natürlich nur ein anderer Ausdruck für alle unsere Pflichten und unsere Arbeit. Vom opportunistischen Standpunkte aus gesehen also ein Vorrecht, von recht zweifelhaftem Werte, vom moralischen Standpunkte ein Recht in der tief innersten Bedeutung des Wortes.«
Jetzt konnte Otto Meyer sich nicht mehr beherrschen, er mußte Jakob Silberland zuflüstern:
»Daß der Kerl seine geistreichen Bemerkungen nie sein lassen kann.«
Halb verlegen und belustigt, suchte Silberland nach einer Antwort; plötzlich aber erhob sich zum allgemeinen Erstaunen Melchior und sagte:
»Darf ich eine Frage stellen? Da ist etwas, was ich nicht verstehe.«
»Bitte«, sagte Seebeck.
Melchior zog die Brauen zusammen und versuchte augenscheinlich seine Frage scharf zu formulieren; er sagte dann:
»Nach alledem, was ich verstanden zu haben glaube, soll dieser Staat im Großen wie im Kleinen keine willkürliche Konstruktion darstellen, ebensowenig eine Gemeinschaft, die nur auf einen bestimmten Typus Mensch zugeschnitten ist. Wenn Sie mir den trivialen Ausdruck erlauben wollen, soll es nicht nur der ideale, sondern auch der normale Staat sein.«
Paul Seebeck nickte. Melchior sah ihn an: