»Aber von einer Minorität!« brüllte Nechlidow. »Ich verlange Stichwahl zwischen ihm und mir.«
»Herr Seebeck ist verfassungsgemäß gewählt worden«, donnerte Jakob Silberland ihm entgegen.
Jetzt erhob sich ein so unbeschreiblicher Lärm, daß Jakob Silberland nicht mehr Ruhe stiften konnte. Er setzte deshalb seinen Hut auf und deutete damit an, daß die Sitzung unterbrochen sei. Als auch das noch keinen Eindruck machte, verließ er mit seinen Freunden den Saal, gefolgt von der Mehrzahl der Versammelten. Zurückblickend sah er, daß Nechlidow auf dem Podium stand und eifrig auf die Zurückgebliebenen einredete.
Frau von Zeuthen stand in einem ausgeschnittenen schwarzen Schleppkleide hochaufgerichtet vor dem Krüppel, der die langen Arme mit den schwarzbehaarten Händen demütig hängen ließ:
»Sagen Sie mir, Herr de la Rouvière, was hatte das zu bedeuten, daß man Sie als Seebecks Nachfolger vorschlug?«
»Gnädige Frau, es ist mir selbst vollständig unerklärlich. Ich habe nicht die geringste Veranlassung dazu gegeben. Wie sollte ich auch nur auf den Gedanken kommen!«
»Aber Herr de la Rouvière, wenn Sie, trotz Ihrer Erklärung, mehrere hundert Stimmen erhielten, so zeigt das, daß viele Sie für den designierten Nachfolger Seebecks hielten und Ihre Erklärung nur für ein Scheinmanöver ansahen. Wir stehen da vor einem System von Intriguen, an dem das Mißtrauen, das Nechlidow aussät, nur zum Teil Schuld haben kann. Sie müssen doch mindestens eine Vermutung haben, wie dieser seltsame Mißgriff geschehen konnte.«
Sie sah mit großen, braunen Augen ernst auf ihn nieder, und unter diesem Blicke wurde der Krüppel gleichsam noch kleiner:
»Gnädige Frau«, stieß er hervor. »Ich habe nicht gegen Herrn Seebeck intriguiert; im Gegenteil, ich habe den geringen Einfluß, den meine Stellung mir gab, nur dazu benutzt, die keimende Unzufriedenheit zu beruhigen und in vernünftige und sachliche Bahnen zu leiten. Und die Resultate meiner Tätigkeit liegen ja offen zutage.« Er wies auf eine Nummer der »Inselzeitung«, die sich auf dem Tische befand.