Er ließ den Stuhl los, an dem er sich festgeklammert hatte und trat dicht an sie heran:
»Schicken Sie mich nicht so fort! Sagen Sie, daß Sie mich verstanden haben!«
»Ich glaube Sie zu verstehen«, sagte sie langsam, aber sie nahm nicht die Hand, die er nach ihr ausstreckte. »Aber gehen Sie jetzt; ich muß allein sein.«
Und Herr de la Rouvière ging.
Felix schämte sich doch, seine damalige Forschungsreise so kurz abgebrochen zu haben, und ohne die geringsten Entdeckungen zurückgekehrt zu sein. Obgleich er den größten Teil der Schuld seiner Schwester zuschob, konnte er sich doch nicht vergeben, nicht mehr Standhaftigkeit gezeigt zu haben. Andererseits sagte er sich auch, daß sie viel zu planlos losgezogen seien, so unvorbereitet, daß sie nicht einmal die Entfernung des Vulkans gekannt hatten.
Jetzt saß er fast jeden Nachmittag bei Paul Seebeck und studierte dessen Karten und Pläne, von denen fast alle – bis auf diejenigen, die die nächste Umgebung und die künstlichen Anlagen betrafen – noch aus der Zeit stammten, wo Paul Seebeck ganz allein auf der Insel geweilt hatte.
Paul Seebeck gab ihm alle Hilfsmittel, über die er verfügte, darunter auch mehrere Lehrbücher der Geologie und der verwandten Wissenschaften, und unterstützte ihn auch soweit mit Erklärungen, wie seine knappe Zeit es erlaubte. Fast immer freilich verliefen diese Nachmittage so, daß Paul Seebeck, mit der Zigarre in der Hand im Zimmer auf- und abgehend, Fräulein Erhardt Briefe diktierte, die diese stenographierte, um sie dann später auf der Schreibmaschine zu übertragen, während Felix, über sein Material gebeugt, still in einer Ecke saß. War Paul Seebeck mit dem Diktate fertig, ging er zu Felix, machte ihn auf einige besondere Dinge aufmerksam oder löste dem Knaben Zweifel, soweit er dazu imstande war, und verließ dann das Zimmer. Gewöhnlich packte Felix dann bald seine Sachen zusammen und ging nach Hause, denn es war ihm unangenehm, mit Fräulein Erhardt allein zu sein.
Aber als er wieder einmal mit einem kurzen Abschiedswort fortgehen wollte, drehte Fräulein Erhardt sich auf ihrem Rundsessel herum und fragte ihn:
»Sind Sie jetzt bald mit Ihren Plänen fertig, Herr von Zeuthen? Wann ziehen Sie los?«