Melchior war aufgesprungen. Erregt wollte er seinen Arm ausstrecken, aber der verfing sich in den Falten des Bademantels, ein Vorgang, der Otto Meyer ein Schmunzeln entlockte. Er verbiß es aber und sagte:
»Und dann noch eins, Herr Melchior: Sie haben ja Ihr berühmtes Problem, auf dessen Lösung wir alle gespannt sind. Schaun Sie mal, bis jetzt haben Sie die Geschichte von unten angesehn, wie wäre es, wenn Sie sie auch einmal von oben ansähen? Glauben Sie nicht, daß Ihnen dann manche Dinge klarer würden? Das wäre doch auch ein Gesichtspunkt, nicht wahr?«
Melchior hatte den Bademantel abgestreift.
»Oh Gott, oh Gott, was sagen Sie mir da alles, darüber werde ich nachdenken. Aber ich glaube, Sie haben Recht, meine Herren.«
»Na also«, sagte Otto Meyer und unterdrückte ein Gähnen.
Melchior war dicht an ihn herangetreten.
»Aber ich begreife die Menschen noch nicht, mit denen ich jetzt jahrelang tagtäglich zusammenarbeite. Wäre es nicht besser, solange bei ihnen zu bleiben, bis ich wirklich die Gesetze ihres Lebens kennte?«
Otto Meyer machte ein nachdenkliches Gesicht:
»Vielleicht, ja wahrscheinlich, werden Sie die Sache dann gerade besser verstehen können, wenn Sie etwas Abstand gewinnen. Sie können ja dann später mit neuen Gesichtspunkten an dieselben Probleme gehen.«
Melchior setzte sich wieder und starrte vor sich hin. Dann hob er die Augen und sah den blonden Juden an.