Das Licht in Frau von Zeuthens Schlafzimmer erlosch.

Paul Seebeck ließ Herrn de la Rouvière vorbei gehen und im Dunkel verschwinden. Dann richtete er sich stramm auf, biß die Zähne zusammen und ging nach Hause.

Auf seinem Schreibtisch stand Frau von Zeuthens Bild; er nahm es, sah ihm lange in die Augen, küßte es und setzte sich dann an seine Arbeit.

Schon als die Schwefelquellen erst notdürftig eingefaßt waren, und die ersten Baracken am See standen, bildete der »Vulkan«, wie die entstehende Stadt kurz genannt wurde, einen beliebten Ausflugsort. Die schweren Lastautomobile waren auch zur Mitnahme einiger Personen eingerichtet, aber das genügte bald nicht mehr. Sobald die Straße gebrauchsfertig war, ließ Jakob Silberland als Geschäftsführer einige Personenautomobile kommen, die den täglich anwachsenden Verkehr kaum zu bewältigen vermochten. Natürlich war es unmöglich, in der Schnelligkeit genügende Unterkunftshäuser zu schaffen, aber da fand Edgar Allan einen Ausweg. In den Schluchten am Fuße des Vulkans ließen sich mit ganz geringer Mühe mit Hilfe von Segeltuchdächern und Fußmatten Wohnstätten improvisieren, die im warmen, regenlosen Sommer ausreichten.

Es kamen auch Fremde zum »Vulkan«; die Durchreisenden, die oft einige Tage oder Wochen auf der in Deutschland natürlich vielbesprochenen Schildkröteninsel verweilten, versäumten nicht, die neuentstandene zweite Stadt zu besuchen, und nachdem erst die großen Schwefelbäder in ordnungsmäßen Betrieb gesetzt worden waren, wurden sie nicht zum geringsten Teil von den Besuchern der Insel benutzt.

Einer der ersten Besucher war übrigens ein Herr von Hahnemann, ein bei Neu-Guinea stationierter Marineoffizier, der auf der Schildkröteninsel seinen Urlaub verbrachte. Dieser Herr von Hahnemann fiel eigentlich besonders durch seine Wißbegierde auf; man sah ihn oft stundenlang mit einfachen Arbeitern im Gespräch. Auch hatte er bei den Vorstehern und einigen anderen hervortretenden Persönlichkeiten, wie Nechlidow, Herren de la Rouvière und Frau von Zeuthen Besuche gemacht und wurde auch von diesen gelegentlich eingeladen.

Einige Tage vor seiner Abreise kam Herr von Hahnemann zu Paul Seebeck, um sich zu verabschieden. Paul Seebeck empfing ihn, wie er schon so manchen derartigen Besucher empfangen hatte, mit dem sehnlichen Wunsche, daß dieser ihn bald wieder allein ließe. Da Herr von Hahnemann aber blieb, fragte er ihn nach Verlauf einer Stunde:

»Haben Sie vielleicht ein besonderes Anliegen? Wenn ich Ihnen irgend eine besondere Aufklärung geben könnte –?«

»Sie sind außerordentlich liebenswürdig«, antwortete der Offizier mit einer leichten Verbeugung. »Entschuldigen Sie die etwas indiskrete Frage mit meinem großen Interesse: wie denken Sie sich die Zukunft, Herr Seebeck?«