»Ja«, sagte Herr von Hahnemann. »Es war eine Klage eingelaufen, und ich wurde hierher geschickt, um ihre Grundlagen zu prüfen. Zu meinem Bedauern fand ich sie bestätigt.«
»Darf ich Sie fragen, wer außer Nechlidow die Klage unterzeichnet hat, deren Inhalt ich mir denken kann«, fragte Paul Seebeck zwischen den Zähnen.
»Ich bedaure, Ihnen darauf die Antwort verweigern zu müssen. Sie sagen selbst, daß Sie sich den Inhalt der Klageschrift denken können, damit erübrigt sich, auf die einzelnen Punkte einzugehn. Ich bin völlig unbefangen hierhergekommen und habe alles mit eigenen Augen geprüft, besonders das Protokoll jener Sitzung. Da ich mich leider von der Stichhaltigkeit jener Klage überzeugen mußte, sehe ich mich zu meinem Bedauern genötigt, von meinen Vollmachten Gebrauch zu machen. Sie müssen die Reichsregierung verstehen, Herr Seebeck. Wenn hier nur einige Idealisten auf einem unfruchtbaren Felseneilande säßen, könnte man sie ja in Gottes Namen machen lassen, was sie wollten, und ihre Experimente mit Wohlwollen und Interesse betrachten. Da es sich jetzt aber schon um Hunderte handelt, die Zahl der Ansiedler wahrscheinlich noch bedeutend steigen wird, und ferner das Interesse des Reichs an diesem Teile seines Kolonialbesitzes durch die Schwefelfunde noch erhöht ist, ist es nicht nur das gute Recht, sondern die Pflicht des Reiches, hier absolut korrekte Zustände zu schaffen.«
Er machte eine Pause, als erwartete er eine Antwort; aber Paul Seebeck sagte nichts, sah ihm nur ruhig ins Gesicht. Der Offizier wurde nervös unter diesem Blicke; er holte aus seiner Brusttasche einige Papiere, sowie ein kleines Etui hervor.
»Herr Seebeck, auch für den Fall, daß sich jene Klage als stichhaltig erweisen sollte, will die Reichsregierung in Anbetracht Ihrer unbestreitbaren großen Verdienste Ihnen auch nur den Schatten einer Demütigung ersparen. Sie verlangt nichts, als daß Sie Ihr Mandat als Reichskommissar niederlegen, und wird dann von sich aus einen neuen ernennen. Was wir gesprochen haben, bleibt unter uns. Und hier haben Sie noch einen ausdrücklichen Gnadenbeweis.« Dabei legte er das kleine Etui auf den Schreibtisch.
»Das Ding enthält vermutlich einen Orden«, sagte Paul Seebeck aufstehend. »Bitte stecken Sie ihn wieder ein. Wollen Sie so liebenswürdig sein, mir eine Frage zu beantworten: Was wird geschehen wenn ich mich jetzt weigere, das Reichskommissariat freiwillig niederzulegen?«
Der Offizier war aufgesprungen:
»Überlegen Sie sich, was Sie sagen.«
»Ich habe es mir überlegt.«
»Das ist ein Affront.«