Jakob Silberland stand auf und trippelte auf seinen kurzen Beinchen im Zimmer auf und ab:

»Wir wollen doch zunächst mal überlegen, was jetzt geschehen wird. Vom nächsten Hafen aus telegraphiert der Mann nach Berlin, daß Seebeck sich weigert, freiwillig zurückzutreten; die Antwort lautet wahrscheinlich, daß Herr von Hahnemann Vollmacht erhält, Seebeck abzusetzen, und entweder er oder ein anderer wird vorläufig Reichskommissar hier, bis sie den richtigen Idioten herausgefunden haben. Hahnemann kann vor einem Monat überhaupt nicht wieder hier sein; das wäre das allerfrühste. Vorläufig kann man Seebeck nichts tun. Daß er sich weigert, freiwillig seinen Abschied zu nehmen, ist kein Verbrechen. Kritisch wird die Sache erst, wenn ihm das Reichskommissariat entzogen wird, und er sich nicht darum kümmert. Dann kommt ein Kriegsschiff und nimmt ihn als Aufrührer mit. Bis dahin würde aber mindestens ein zweiter Monat vergehen. In diesen zwei Monaten müßte alles entschieden sein; denn wenn wir offenen Aufruhr begehen und uns nicht durchsetzen, sind wir verloren.«

Seebeck hatte sich wieder gesetzt; ruhig sagte er:

»Kinder, ihr beide wißt Bescheid im Staatsrecht. Existiert denn überhaupt eine Möglichkeit, sich von England annektieren zu lassen?«

»Gewiß, die Möglichkeit ist da. Einer von uns müßte mit dem nächsten Schiffe nach Sidney und sehen, was er dort ausrichten kann«, sagte Jakob Silberland eifrig.

»Wenn Herr von Rochow als Fachmann mir helfen will, baue ich Ihnen in sechs Wochen Befestigungen auf, die dem Kriegsschiff eine harte Nuß zu knacken geben werden. Eine Landung zu verhindern, ist bei unserem Hafen eine Kleinigkeit, einige Seeminen genügen«, fügte der hagere Architekt hinzu.

»Ich beschwöre Sie, meine Herren, überlegen Sie sich, was Sie tun wollen! Revolution, Vaterlandsverrat!« rief Herr von Rochow.

»Das Vaterland hat uns verraten, nicht wir das Vaterland«, sagte Paul Seebeck scharf. »Aber ich will Sie zu nichts verleiten, was Ihrem Gewissen widerspricht. Noch ist es Zeit für Sie alle, sich zurückzuziehen. Ich aber bleibe hier ...«

»Und ich bleibe bei Ihnen«, sagte Herr von Rochow und ergriff Seebecks Hand. »Ich bleibe bei Ihnen, was auch kommen mag.«

»Ich auch«, sagte Otto Meyer und zündete sich eine Zigarette an.