oder Phantasiezeichen, wie
Ob dieses eine Art Gestütsbrand ist oder nur ein Händlerbrand, habe ich nie so recht feststellen können. Eines weiß ich jedoch bestimmt, daß viele Händler ihre Tiere brennen aus dem einfachen Grunde, um ihr Eigentumsrecht an diesen Tieren ad oculos zu demonstrieren. Ich habe dies bei Kalgan beobachtet, und ich denke, daß, wenn Züchter ihre Tiere brennen, sie es nur aus dem oben angeführten Grunde tun. Wenn unter Rennleuten zuweilen Tiere mit bestimmten Bränden vorgezogen werden, so halte ich dies insofern für einen Zufall, als dem Betreffenden einigemale hintereinander Tiere mit demselben Brande in die Hände geraten sind.
Die neuen Ponies kommen nun in die Ställe, wo sie der Obhut der Mafus, chinesischen Pferdeknechte, anvertraut werden. Meist haben sie im Anfang eine starke Antipathie gegen den Europäer, die sich beim Nähern des letzteren in Schnauben, Ängstlichkeit, oft aber auch in Schlagen mit den Vorderbeinen und Annehmen mit dem Gebiß äußert, während sie gegen ihre Landsleute friedlich gesonnen sind. Die im Sommer kommenden Ponies werden sofort frisiert, d. h. man fesselt sie, bremst sie, wenn sie sehr ungeberdig sind, und dann werden sie mittels Klippschere geschoren. Die schöne Mähne wird gekürzt, und gleichzeitig beschneidet der Schmied die Hufe und bringt sie in Ordnung. Die im Anfang des Jahres kommenden Tiere werden meist nicht sofort geschoren, da es ihnen in der Kälte wohl schlecht bekommen würde.
Die Stallpflege ist sonst im allgemeinen genau dieselbe wie in Europa in einem Rennstall. Jeder Junge bekommt ein Tier zur Pflege zugeteilt, der erste Mafu verteilt das Futter und überwacht das Futterschütten. Da diese ersten Mafus meist jahrelange Erfahrungen hinter sich haben, wissen sie genau, wie sie die "Griffins" am besten an das ihnen noch ungewohnte Körnerfutter gewöhnen, denn vorher haben die Tiere ja nur das Gras der Weiden bekommen. Selbstredend hat auch beim Futtern jeder Stall seine eigenen Grundsätze. Der eine gibt mehr Kauliang (Heu), der andere füttert mehr Gerste oder schwarze Bohnen, oder gibt mehr oder weniger Häcksel. Jeder hat natürlich von seinem Standpunkt aus recht und hält seine Methode für die einzig richtige. Nur darin sind fast alle einig, daß sie Hafer erst einige Wochen vor den Rennen futtern, da man die Erfahrung gemacht hat, daß Hafer die Ponies sehr ungezogen und bockig macht.
"Vitiges", 6j. mongolischer Schimmel-Wallach auf dem Wege zum Start
Die Tiere werden viel geführt, wozu bei den meisten Ställen eine runde Strohbahn vorhanden ist. Bald fängt dann die erste Trabarbeit an, denn diese ist das hauptsächlichste Mittel, das Tier in der Muskulatur und im Atem zu fördern. Hierbei reiten die sogenannten Trainiermafus die Ponies auf dem Rennplatze; der betreffende Besitzer trinkt unterdessen seinen Kaffee auf der Tribüne und beobachtet durch das Glas seine Lieblinge. Ich habe stets gefunden, daß diese Mafus fast durchweg, wie man so sagt, "eine eiserne Klaue" haben; ich persönlich habe auch viel in der Trabarbeit geritten und bei manchem Pony Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wie er in der Hand des Mafus von Woche zu Woche unempfindlicher im Maul wurde. Bei manchem geht das dann so weit, daß er sofort in voller Fahrt losgeht, sowie man ihm auf der Bahn nur die Nase herumgedreht hat. Solche Tiere sind ihrer Heftigkeit wegen sehr schwer zu behandeln; man arbeitet sie am besten draußen im Gelände ein und bringt sie nur zur Galopparbeit oder zu einem Trial auf die Bahn, denn sonst kann man später beim Aufsitzen und beim Start Szenen erleben, gegen die ein schwieriger Start von Zweijährigen in Deutschland eine Kinderei ist.