Ist der Pony nun kurze Zeit in Arbeit, so überhört man ihn einmal auf seine Leistungsfähigkeit und Galoppaktion. Vorausschicken muß ich, daß der Tientsiner Flachrenn-Kurs genau 2000 Meter lang ist, daß er ferner mittels Stangen in Viertelmeilen (also 400 zu 400 Meter) eingeteilt ist, und daß es daher von der schönen großen Tribüne aus möglich ist, die Zeit, die das Tier zum Durchmessen der verschiedenen Viertelmeilen braucht, mittels der Sekundenuhr, der Stopwatch, genau festzustellen. Das gesamte fernere Training geht an der Hand der Uhr. Die festgestellten Rekorde, die ich hier gleich aufführen will, sind jedem bekannt und bieten daher einen durchaus genauen Anhalt für die Leistungsfähigkeit des Tieres.
Festgestellte Rekorde:
| Distanz | Besitzer | Pony | Farbe | Höhe | Gewicht | Jahr | Zeit | |||||
| Min. Sek. | ||||||||||||
| 1/2 | Meile | (800 m) | H. | Detring | Sendgraf | schw. | 13,1 | 11,1 | H.99 | 58 | 1/4 | |
| 3/4 | „ | (1200 „) | „ | „ | Set | schw. | 13,3 | 11,7 | F.99 | 1,29 | 4/5 | |
| 1400 | Meter | (1400 „) | „ | Andrew | Advance | Grauschimmel | 13,1 | 11,8 | F.99 | 1,48 | 3/5 | |
| 1 | Meile | (1600 „) | „ | Detring | Set | schw. | 13,3 | 11,7 | F.99 | 2,05 | 1/5 | |
| 1 | 1/4 | „ | (2000 „) | „ | J.M.D. | Stray Shot | Grauschimmel | 13,2 | 11,4 | F.97 | 2,37 | |
| 1 | 1/2 | „ | (2400 „) | „ | Dr. Frazer | Neophyte | Schimmel | 13,2 | 11,0 | F.90 | 3,14 | |
| 1 | 3/4 | „ | (2800 „) | „ | Munthe | Palo Alto | dun. | 13,1 | 11,1 | F.97 | 3,47 | |
| 2 | „ | (3200 „) | „ | Brenan | Orion | braun | 13,1 | 11,1 | H.92 | 4,26 | ||
Die Höhe sind englische hands und inches. 1 hand = 4 Zoll, 1 inch = 1 Zoll deutsch.
Das Gewicht sind englische stones und pounds. 1 stone = 14 Pfund. 10 englische Pfunde = 9 deutsche Pfund.
H = Herbst, F = Frühjahr.
Die Zeit sind Minuten, Sekunden und Bruchteile der Sekunde.
Zeigt das Tier nun eine gute Aktion und eine annehmbare Zeit auf der last quarter, der letzten Viertelmeile, ich will mal sagen 28½ bis 29½ Sekunden, manchmal sogar darunter, so ist es dasjenige, was man verlangen kann. Wenn der Pony diese Zeit nicht geht, oder mangelhafte Aktion zeigt, so wandert er meist an den Händler, vielleicht mit einem kleinen Verlust zurück; dieser schickt ihn dann in die Mongolei, von wo er vielleicht nach Jahren wieder einmal "wie neu" zurückkommt, um dann mehr Gnade vor den Augen eines Besitzers zu finden; vielen blüht aber auch das wenig beneidenswerte Los des Karrentieres.
So geht das Training weiter, sehr viel Trab, verhältnismäßig wenig Galopparbeit; zu letzterer setzt sich meist der Herr — es gibt nur Herrenreiten in China —, der das Tier später im Rennen steuern soll, selbst darauf. Die Ponies, die meist zu zweien oder dreien herumgeschickt werden, müssen stets auf der Geraden in der letzten Viertelmeile vollkommen ausgeritten werden, auch wenn sie hoffnungslos geschlagen, ganz hinten liegen. Man sagt, daß ein Pony sich sofort merkt, wo er angehalten wird, und später dort streikt, also zum "Stinker" wird. Die Ponies entwickeln sich mehr und mehr in der Muskulatur, man massiert sie abends viel und gibt ihnen allmählich Hafer, sie sehen prachtvoll aus, und so mancher nimmt die Figur eines Vollblüters, allerdings en miniature, an. Für den Sportsman ist es eine reine Freude, zu sehen, was aus den Tieren bei sachgemäßer Arbeit werden kann. Nun naht allmählich der Nennungsschluß; der Besitzer muß sich schon klar darüber sein, und hat dies auch in Trials ausprobiert, für welche der verschiedenen Distanzen sich seine Tiere eignen, um nicht einen Flitzer in ein langes Rennen zu stellen und einen ausgesprochenen Steher in ein kurzes. Der Nennungsschluß ist vier Wochen vor dem ersten Renntage, Nachnennungen gibt es nicht; zugleich findet die Messung der Ponies durch einen der Stewards statt.