Mafu Tsai Ming Yü auf "Schorsch"
Wir überschritten den Hu to Ho auf einer neu erbauten Brücke, die im vergangenen Herbst noch nicht vorhanden war, dann ging es wieder durch die entsetzlich staubigen Hohlwege auf Huolu zu. Unterwegs gab es mehrfach Aufenthalt durch entgegenkommende Wagen. Die Kavalleristen zwangen die Führer jedesmal, die Karren bis an die nächste Ausweichestelle zurückzustoßen. Schon der steile Paß von Huolu fiel der Witwe sehr schwer, sie stolperte mehrfach und sah recht müde aus. In Huolu ließ ich abfüttern und wurde in dem Gasthause von Leuten, die mir alles mögliche aufhalsen wollten, umlagert; natürlich ohne Erfolg. Ich kaufte nur einige Portionen vorzügliches geräuchertes Fleisch für die nächsten Tage. Es war hier ein sehr gutes Gasthaus, dessen erster Bedienter mir seine Verachtung, wegen meines gänzlichen Versagens als melkende Kuh, durch völliges "Schneiden" ausdrückte. Da wir einen sehr schwierigen Aufstieg zum beabsichtigten Nachtquartier hatten und doch auf den felsigen Wegen nicht reiten konnten, verteilte ich das Gepäck auf alle drei Tiere, und trotzdem wurde ihnen der Marsch recht schwer. Ich bekam vier Kavalleristen zur Begleitung mit; wir begegneten unterwegs einer Eselkarawane nach der andern, meist Kohlen zu Tal bringend. Vereinzelt trafen wir Gebirgs-Sänften.
Kavallerist in Chili
Am Abend mietete ich noch für 200 Cash einen Esel zum Gepäcktragen nach Tsing-hsing. Beim Abmarsch am 13. Januar früh war der Mann mit dem Esel natürlich nicht da; die Frau hatte sich geweigert, dem fremden Teufel den Esel zu borgen, also wurde das Gepäck wieder auf die Stute gepackt, und in Begleitung eines Kavalleristen — die drei andern hatten sich verkrümelt — ging es weiter. Die Pässe waren ein Herauffallen und Herunterfallen für die des Kletterns über die Felsblöcke gänzlich ungewohnten Pferde, hauptsächlich die Stute und der dicke Pony brachten sich beinahe um. Es hatte sich noch ein Reisebegleiter eingefunden, der schon gestern da war und in demselben Gasthause übernachtet hatte; es schien so eine Art Yamenbeamter aus Tschönn ting fu zu sein, der mir zur Aufsicht mitgegeben war; im übrigen sorgte er ganz gut für uns und zeigte uns den Weg. In Tsing-hsing erschien ein neuer, während der alte Beamte die übliche Bescheinigung über anständiges Benehmen seinerseits verlangte und auch erhielt.
Der Weg hatte sich mehr und mehr belebt; große Maultier- und Eselkarawanen kamen uns entgegen, meist mit Kohlen beladen. Jedes einzelne Tier dieser Karawanen kannte seinen Weg ganz genau, denn selten sah man die Führer einmal eingreifen; nur von hinten hörte man ihr "Hoho, tata", oder "wowo"; jeder dieser Laute hat seine besondere Bedeutung, die die Tiere ganz genau kennen. Wenn eines mal nicht gehorchte, bekam es einige, kaum zu wiederholende Schimpfworte zu hören, seltener eins mit der Peitsche übergehauen; dann ging es sofort wieder ordentlich auf seinem Fleck. Fast alle hatten Maulkörbe um, damit sie unterwegs nicht stehen blieben, fraßen und dadurch die Marschordnung störten. An bestimmten Stellen des Weges werden Misthaufen angelegt, an denen die Tiere Halt machen, um sich zu erleichtern. Das ist tatsächlich kein Märchen, denn ich habe oft Gelegenheit gehabt, es zu beobachten. Dünger ist hier recht teuer, und es darf nichts verloren gehen; außerdem sah man überall kleine Jungen, die Mist aufsammelten. Beladen waren die Tiere mit zwei kreuzweise über den Sattel gelegten Säcken, oder mit zwei rechts und links am Packsattel befestigten Körben.
In Tsing-hsing ließ ich mir vom Yamenbeamten ein Maultier zum Gepäckschleppen besorgen. Der Weitermarsch war äußerst anstrengend, und als wir am Abend in Ho-tau-yüen, einem kleinen Gebirgsnest, anlangten, waren die Tiere derartig müde, daß sie sich sofort hinlegten und zuerst nicht fressen wollten. Nach dem üblichen Zank mit dem Wirt, der anfangs Silber nicht wechseln wollte und mich dann beim Wechseln zu betrügen versuchte, ging es am 14. Januar bei eisigem Winde weiter; Soldaten, Yamenbeamter, alles zog weiter mit. Die Kavalleristen wechselten mehrfach. Mir kamen die Wege sehr viel schlechter vor als im vergangenen Herbst; es mochte daran liegen, daß ich das letzte Mal mit in Gebirgstouren eingeübten Pferden marschierte. Der Verkehr war wie gestern; wir begegneten einem durch einen Infanteristen eskortierten Dieb, der auf dem Yamen Bambus-tschau-tschau[2] bekommen hatte. Er wurde von zwei Kulis in einem an einer Stange hängenden Korbe getragen und stöhnte ganz jämmerlich. Das Tragetier wurde einmal gewechselt, was sehr schnell ging. Meine kleine Karawane war jetzt schon ganz gut eingespielt: vorn marschierte ein Kuli mit dem Packpferde, alles andere lief lose hinterher ohne Führer, immer ein Tier hinter dem andern; jedes suchte sich so selbst seinen Weg zwischen den Felsblöcken. Hinten ging der Mafu, dann kam ich, zuletzt der Kavallerist.
[2] Bambus-tschau-tschau nennt der Europäer in China die auf dem Yamen verabreichte Prügelstrafe mit dem Bambusstock.
Ich blieb die Nacht in Hsilau-tou, und zwar in derselben Herberge, die ich im Herbst inne hatte; in der Nacht stand ich einmal auf, da die Pferde sehr unruhig waren, und faßte einen Chinesen beim Futterstehlen ab. Ich denke, er wird es ein zweites Mal nicht wieder tun. Merkwürdig war es, daß die meisten Leute meine große Stute zuerst für ein Maultier hielten; allmählich erst kamen sie dahinter, daß es ein Pferd war.