Am 15. Januar ging es weiter nach Pingting tschau. Einmal hatten wir links eine Tempelanlage, von einem bewaldeten Berge überragt; der Anblick bildete eine sehr angenehme Abwechslung in dem ewigen öden Grau in Grau. Allmählich trat Staubsturm ein.

Merkwürdig ist hier der außergewöhnliche Unterschied von Ort zu Ort in Maßen, Gewichten und Preisen; man weiß daher beim Einkauf auch nie, woran man eigentlich ist. In Pingting tschau schickte der kommandierende Offizier zu mir und ließ fragen, ob ich die Stute nicht verkaufen wollte. Ich forderte 500 Taels, was ihm etwas teuer zu sein schien; denn er ließ dann nichts mehr von sich hören.

Meine beiden Ponies

Abends waren wir in Ching Ching, wo die Leute im Orte eine Art Ring geschlossen zu haben schienen, denn die Preise waren wirklich geradezu unverschämt. Mir hatten sie meinen Kang überheizt, so daß ich infolge der Hitze sehr schlecht schlief und mich auch obendrein noch erkältete. Auch am 16. Januar hielt der Staubsturm noch an. Wir gingen fast den ganzen Weg zu Fuß, halb im Laufschritt, um uns einigermaßen warm zu halten; so kamen wir ziemlich schnell vorwärts. Hinter Tu-hsi-ling ging es über einen hohen Paß, und mit einem Schlage waren wir aus den Felsbergen heraus und mitten im Löss mit seinen scharf eingeschnittenen, tiefen Schluchten, in die der Wind nicht mehr hineinkommen konnte.

Wir landeten heute in Schau yang, in dem ich zum ersten Male die unangenehme Entdeckung machte, daß mein großes Pferd leicht am Widerrist gedrückt war. Abends ließ der Yamen noch anfragen, warum ich nicht dort Logis genommen hätte. Jetzt war es zu spät dazu, etwas früher wäre ich ganz gern hingegangen. Bei der Stute hatte sich ein Schwein einlogiert, was das Pferd sehr aufregte, das Tier war aber nicht wegzubringen. Der 17. Januar brachte uns am Morgen 15 Grad Kälte; die armen Pferde in ihren offenen Ställen froren sehr und waren beim Abmarsch ganz steif. Es ging weiter durch Lößschluchten auf staubigen, wenig belebten Wegen; nur ab und zu kam uns ein Karren oder ein einzelner Reisender entgegen. Jeder führt seine Hausfahne, ein dreieckiges, berandetes und mit seinem Namen bezeichnetes Stück Zeug, mit sich, je nach Geldlage in reicher oder einfacherer Ausführung; bei den Reitern, die es hinten am Gepäck herausstecken haben, sieht das ganz spaßig aus.

Taiyuanfu. Mauer am Futai Yamen

Nach einer recht schlecht verbrachten Nacht, mir mußte irgend etwas im Magen gelegen haben, ging es weiter. Zweimal wurde ich in kleinen Ortschaften angehalten und nach meinem Paß gefragt; schließlich gelangten wir ganz in die Ebene, und gegen vier Uhr nachmittags ritten wir in das ersehnte Taiyuanfu ein und wurden von dem liebenswürdigen Direktor der Schansi-Universität und seiner ebenso liebenswürdigen Gemahlin willkommen geheißen und aufgenommen. Es war alles da, was der Mensch zu seiner Bequemlichkeit gebrauchte, und bei der Herzlichkeit, mit der es gegeben wurde, fühlte man sich gleich wie zu Hause. Wie ich schon im ersten Kapitel berichtet habe, hatte ich die gastfreien Leute auf meinem letzten Ritt im Herbst 1902 kennen gelernt. Zuerst unterzog ich meinen äußeren Menschen einer gründlichen, ebenso notwendigen wie angenehmen Reinigung; dann schwelgte der innere Mensch in den Genüssen der hervorragend geleiteten Küche. Die Stadt sah noch genau so aus wie im Herbst.