Übergang über den Hoang Ho

Der Karrenführer behauptete, zu wenig Geld bekommen zu haben, wurde frech und warf mir das Geld vor die Füße. Ich belehrte ihn handgreiflich darüber, daß mit Europäern nicht zu spaßen sei, er war schließlich ganz kleinlaut geworden und mit dem Gelde zufrieden.

In der Stadt fielen mir an manchen Häusern Glückszettel auf blauem Papier auf, sie sind an solchen Häusern angebracht, die Trauer haben.

Es wurde heute ziemlich spät, ehe wir eine geeignete Unterkunft fanden. Wir hatten ungefähr 70 Kilometer zurückgelegt. Meine Stube war ohne Tür; ich konstruierte einen Vorhang aus Decken; es gab nichts zu essen, und durch das beschädigte Dach schien zuerst der Mond herein, später schneite es, so daß ich eine recht ungemütliche Nacht hatte. Dabei faßte ich wieder einmal den Karrenführer beim Futterstehlen ab, d. h. nicht ihn selbst, sondern seine beiden Maultiere, die meinen Vorrat auffraßen, während er vergnügt zusah; die Tiere waren so gierig, daß ich von dem Geräusch aufwachte.

Hoang Ho-Fähre

Gegen Mittag des 1. Februar kamen wir in Pu tschau fu an. Mir war schon mehrfach in den letzten Tagen aufgefallen, mit welcher Bereitwilligkeit mein Mafu stets nach dem Yamen wanderte und daß er jedesmal mit einem Diner zurückkam; ich schöpfte Verdacht, daß er in meinem Namen darum gebettelt habe, daher wies ich von jetzt ab die Diners zurück, sehr zum Leidwesen meines Mafu. Die Tiere waren heute wieder einmal von dem gestrigen schweren Marsch sehr müde. Der Druck des Nepomuk war sehr viel schlimmer geworden, der dicke Pony hatte eine Hornspalte bekommen, die ihn jedoch nicht weiter störte. Am 2. Februar morgens gings weiter durch glatte Ebene, die reich angebaut war. Die Bauern waren hier überall bei der Feldarbeit, die Neujahrsfeier schien auf dem Lande beendigt zu sein.

Wir kamen heute an den Hoang Ho; die letzten zehn Kilometer vor dem Fluße ging es durch die Ausläufer des Fönn tiau schan, der dann steil zu dem Hoang Ho abfällt. An der Fähre angelangt, mußten wir ziemlich lange warten, ehe die Fährleute sich entschlossen, an die Arbeit zu gehen. Sie treidelten dann die Fähre ungefähr 100 Meter stromauf und legten ein Laufbrett hinauf. Pferde und Maultiere mußten die fünf Meter bis zum Boot durchs Wasser gehen und dann über den ziemlich hohen Bord weg hineinspringen. Jedesmal gab es ein Theater, bis man glücklich eines der Tiere drinnen hatte, da die meisten natürlich nicht springen wollten. Trotzdem die Sache ziemlich lebensgefährlich aussah, kam nichts vor; schließlich waren zwei Karren, elf Tiere und gegen 60 Menschen im Boot; mit viel Geschrei wurde abgestoßen und die Fähre in dem reißenden, eistreibenden Strom mittels zweier mächtiger, von je fünf Mann gehandhabter Ruder ans andere Ufer gebracht. Der Strom ist hier gegen 220 Meter breit, man hat einen schönen Blick auf die jenseitigen Berge und auf Tung kwan, welches mit seinen mächtigen alten Festungsmauern das gegenüberliegende Tal sperrt. Das rechte Ufer ist ziemlich flach, und schließlich mußten zwei bis zum Gürtel nackte Menschen in das eiskalte Wasser hinaus, um das Boot am Ufer entlang zu einer besseren Anlagestelle zu ziehen; auch dies geschah wieder unter entsetzlichem Geschrei. Das ganze Übersetzen hatte wohl eine Stunde gedauert. Man balancierte dann auf dem hochkant gelegten Ruder ans Land, da sie natürlich die Laufstege am anderen Ufer vergessen hatten. Die Pferde mußten wieder ins Wasser springen, wobei einige ausrissen. Es gab beim Ausladen höchst spaßige Szenen, zumal sich beim Berichtigen des Fährgeldes einige Leute drücken wollten. Ich selbst brauchte auf meinen Paß hin nichts zu bezahlen, gab den Leuten aber ein anständiges Trinkgeld.

Spieler auf öffentlicher Straße zu Neujahr