Eine hübsche Chinesin
Irgend ein Mandarin war mit großem Gefolge aus Hami eingetroffen, darunter zwei hübsche, junge Frauen; sie wohnten neben mir und benutzten jede Spalte und Ritze, mich zu beobachten. Ganz besonderen Spaß schienen ihnen meine eingehenden Waschungen zu machen; der Chinese kennt so etwas nicht. Sie kamen aus dem Kichern und dem "Nican, nican!" (sieh nur, sieh nur) nicht heraus. Abends schickte mir der Yamen Nachricht, daß er noch keinen Karren hätte auftreiben können und Kamele bis Hami unter 15 Taels pro Stück nicht zu haben wären. Das war mir zu teuer, besonders wenn man bedenkt, daß ein gut bespannter Karren für dieselbe Strecke nur 18 Taels kostet. Dies war der Dank für die geschenkte Antilope! Es blieb mir also nichts weiter übrig, als am nächsten Tage wieder die Antilopen zu ängstigen. Beim Schlafengehen bemerkte ich, daß mein großer Pelz fehlte, der draußen gesonnt worden war und den mein Mafu vergessen hatte, hereinzubringen. Alles wurde sofort alarmiert; ich drohte bereits mit Abzügen vom Gehalt und Prügel vom Yamen, als er sich endlich in einem der Karren des Herrn aus Hami wiederfand. Einer der fremden Mafus hatte ihn bereits als willkommenes Beutestück annektiert.
Ngan Hsi Tschau — Antilopenstrecke
Über Nacht setzte aus Osten ein kolossaler Staubsturm ein, der stärkste, den wir bisher gehabt hatten. Ganze Wolken von Sand, mit Streu und kleinen Steinen gemischt, flogen mir ins Gesicht, so daß ich davon erwachte. An eine Weiterreise war, auch wenn die Karre pünktlich gekommen wäre, gar nicht zu denken. Die Chinesen rührten sich nicht aus ihren Zimmern und hockten überall auf den Kangs, frierend und faulenzend oder rauchend. Einige von ihnen vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen, was ich zu ihrem großen Vergnügen als recht schlechte Unterhaltung brandmarkte. Außerdem sprachen sie den ganzen Tag von nichts anderm als von Weibern und von den Freuden, die ihrer in Hami warteten, was ich zu ihrer noch größeren Belustigung als völlig verwerflich bezeichnete. Meine schöne Nachbarschaft rauchte Opium, eines der Weiber stillte dabei einen Säugling, und das alles bei offener Tür. Wir kochten uns Antilopenfleisch, dessen wundervolle Bouillon der Mafu den Schweinen geben wollte, die Chinesen mögen sie nicht; er begriff gar nicht, daß ich mir eine große Schüssel davon zurückstellen ließ und mir auch die Gehörne zurückbehielt. Mehr als einmal bat mich einer der Chinesen um ein Gehörn mit der Bemerkung, daß es ja für mich wertlos sei. Der zu überschreitende Su lei ho war durch den Sturm angestaut und weit aus den Ufern getreten, so daß Mongolen, die ihn am Abend mit ihren Kamelen überschreiten wollten, zurückkehren mußten. Am nächsten Tage hielt der Staubsturm, wenn auch nicht mehr ganz so stark, doch noch an, es war aber noch mehr Staub in der Luft, so daß man nicht quer über den Hof sehen konnte. Der Karren kam selbstverständlich wieder nicht; dafür war niemand ausgefahren und das Gasthaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Zum Entsetzen des Mafu beschloß ich, selbst zum Yamen zu gehen; er wußte schon, daß ich mit dem Yamengesindel kurzen Prozeß zu machen pflegte, und fürchtete, daß seine eigene Schwäche der Gesellschaft gegenüber herauskommen würde. Im Yamen angekommen, griff ich mir sofort den Unverschämtesten im Dienerschaftszimmer heraus und sagte ihm, daß ich ihn nicht eher loslassen würde, als bis er mir die Karre gezeigt hätte, die ich bekommen sollte. Er wollte anfangs nicht hören; als ich ihn aber, ohne ein Wort zu sagen, ruhig festhielt, wurde er doch gefügig, und richtig bekam ich in einem ziemlich entfernten Gehöft die für mich bestimmte Karre zu sehen, vorläufig noch ohne Räder; letztere sollten beim Stellmacher und noch in Arbeit sein; also weiter, dorthin. Die Räder waren seit vierzehn Tagen fertig, nur hatte kein Mensch danach gefragt oder sie abgeholt. Ich ließ sofort die Räder zur Karre bringen und diese zusammensetzen, dann wurde der Yamenmann entlassen; er war sehr höflich geworden, nachdem ich ihm mit der Peitsche gedroht hatte, falls er mich nicht mit "Lauye" (Herr) anrede, was er vorher nicht für nötig gehalten habe.
Karrenreparatur in der Wüste Gobi
Nun hatte ich zwar meine Karre, an Ausrücken war aber nicht zu denken. Gegen 1 Uhr versuchte ich einmal mit der Büchse zum Südtor hinauszugehen, mußte indessen bald wieder umkehren, da man nicht zehn Schritt weit sehen konnte und es ganz aussichtslos war, an Antilopen heranzukommen.