Durch die Wüste Gobi zum Thien Schan
11 Marschtage = 525 Kilometer. Durchschnittsmarschleistung 47,7 Kilometer
[VI. KAPITEL.]
Durch die Wüste Gobi zum Thien Schan.
Der 1. April brachte uns endlich bei ganz bedecktem Himmel und warmer feuchter Luft abwechselnd Regen und Schnee; der Staubsturm hatte sich gelegt. Wir packten auf und marschierten um 6½ Uhr ab, als gerade die Kavallerie, dreißig Köpfe stark, einrückte. Angesichts des drohenden Regens hatten sie es vorgezogen, am Tore kehrt zu machen und sich das Exerzieren zu schenken. Wir ritten zum Nordtore hinaus auf die als breiter dunkler Streifen am Horizont sichtbare Wüste zu. Mit uns zugleich kamen eine Menge Ochsenwagen, die hier die Fähre über den Su lei ho ersetzen. An diesem angelangt, fanden wir einen breiten, reißenden Strom, der weit aus den Ufern getreten war. Diesseits stand eine Menge Chinesen teils mit, teils ohne Karren, jenseits eine Anzahl Mongolen auf Kamelen beritten, beide Teile wartend, wer es zuerst wagen würde, den Strom zu kreuzen. Die Chinesen machten sich dabei laut über die Mongolen lustig, daß sie nicht ins Wasser wollten, während diese sich schweigend verhielten.
Als ich eintraf, bot ich einem Kuhwagenführer die hohe Summe von 5 Cash, wenn er fahren wollte, aber erst, als ich mein Gebot auf 8 Cash steigerte, entschloß sich einer, für diese Riesensumme sein Leben zu riskieren; unter einem wahren Indianergeheul der versammelten Menge fuhr der Karren durch. Der Ochse mußte seinen Kopf zwar sehr hoch halten, aber es gelang. Das Wasser ging an der tiefsten Stelle über den niedrigen Wagen hinweg; ich schätzte es auf 1,10 Meter. Mit demselben Geschrei fuhren wir nun hinein, ich selbst auf der Karre, die Pferde hinten angebunden. Einen Augenblick drohte der Strom die vorderen Pferde wegzureißen, aber wir schlugen, was wir konnten, mit den Peitschen darauf los und kamen noch gerade an der äußersten Kante der Einfahrt zur Furt heraus. Weiter unterhalb war das Ufer hoch und sehr steil, so daß wir dort in eine recht unangenehme Lage geraten wären. Der Karrenführer benutzte den Erfolg, um eine halbstündige Pause einzulegen und den Vorfall erst einmal gründlich zu erörtern. Unterdessen ritten die Mongolen ins Wasser hinein. In der Mitte des Flusses stoppten die Kamele, und es schien, als ob sie nicht mehr weiter könnten, daraufhin allgemeines Freudengeheul der Chinesen. Aber sie kamen doch durch, was mich sehr freute.
Weg durch die Wüste (Wagenspuren)
Nun ging es hinein in die Wüste. Kein Baum, kein Strauch, kein Vogel, nichts als weite, steinige Fläche, dazu Regen und kalter Wind aus Nordwesten, es war wirklich zu traurig. Der Weg kommt dem Reisenden endlos vor, er bietet zu wenig Abwechslung; nur von Zeit zu Zeit mahnt ein Kamel- oder Pferdegerippe, daß der Pfad nicht ganz gefahrlos ist. Als wir noch 35 Li von unserm beabsichtigten Rastorte entfernt waren, wurde die Gegend hügelig und vereinzelte Steppengrasbüschel und Wüstenpflanzen tauchten auf. Ich trabte voraus, da zu viele Menschen demselben Ziel zustrebten und ich mir eine Stube sichern wollte. Infolge des dreitägigen Sandsturmes in Ngan Hsi Tschau hatte sich eine ziemliche Menge wandernden Volkes angesammelt, die alle dem ersehnten Turkestan zueilten. Die meisten waren kleine Handwerker, die im fremden Lande ihr Glück versuchen wollten, das ihnen wahrscheinlich in der Heimat nicht geblüht hatte. Ich fand denn auch in der einzigen vorhandenen Herberge alles gepfropft voll, mir wurde aber doch nach Rücksprache mit dem Geschäftsführer ein Zimmer eingeräumt.