Kapitänleutnant Bode mit seinem arabischen Hengst "Lotto" in Hami

Ich hatte den Eindruck, daß sich dieser halb selbständige Fürst mehr zu Stambul gehörig fühlt, als zu China; er erkennt aber den Kaiser von China als sein Oberhaupt an und wird par ordre de mufti, jedenfalls wohl nicht freiwillig, Ende dieses Jahres nach Peking reisen, um den Kaiser oder vielmehr die Kaiserin-Witwe mittels Kotau zu Neujahr seiner Ergebenheit zu versichern und den Tribut, bestehend in Geld, Teppichen und Ponies, sowie in Jett-, Silber- und Goldsachen abzuliefern. Wir ritten zurück. Ich fand in meinem Gasthause ein Diner vom Yamen vor; bald kam auch der Beamte selbst, der hier schon nach türkischer Sitte Amban heißt, um mir seinen Besuch zu machen. Kaum war er hinaus, als der Taotai auch noch in Begleitung eines kleinen Söhnchens erschien, der mich eine ganze Schachtel Schokolade kostete. Beide Mandarinen waren äußerst liebenswürdig, nahmen mir aber mit ihrem Geschwätz eine Menge Zeit weg.

Ich rechnete dann mit dem zurückgehenden Mafu ab; er bekam über 40 Taels, was ein ordentliches Loch in meinen Beutel machte; aber besser, heute die Summe, als später in Kaschgar annähernd die doppelte und noch einen Pony zum Zurückreiten, was ich mit ihm verabredet hatte. Ich packte dann alles auf, schickte den Mafu zum Yamen, der Packtiere halber, und engagierte mir einen mit mir von Ngan Hsi Tschau gekommenen weiter nach Westen wandernden Mann als Stütze. Er sah zwar ziemlich schmierig aus, machte aber einen ehrlichen Eindruck; er ging später mit mir bis Kaschgar und hat sich stets als guter, ordentlicher Diener erwiesen, der am liebsten mit mir nach Deutschland gekommen wäre. Den Abend verbrachte ich sehr angenehm bei Kapitänleutnant Bode; er hatte außer seinem arabischen Hengst Lotte noch vier andere Pferde, die teils aus Karaschar stammten, teils Kalmückentiere waren. Ich half ihm mit einigen Kleinigkeiten aus, die er mit ebensolchen erwiderte, außerdem gab er mir eine schwarze Liste sämtlicher Mandarinen auf dem ferneren Wege bis Kaschgar mit, so daß ich schon jetzt in der angenehmen Lage war, über jeden derselben orientiert zu sein.

Am 13. April morgens, kurz bevor ich abmarschieren wollte, kam vom Sultan als Geschenk ein Hammel, ein Sack Erbsen, ein Sack Reis, Heu, Stroh und Feuerholz. Zurückschicken konnte ich die Sachen nicht, also gab ich sie für meine Rechnung in Zahlung und tauschte den Hammel gegen Pferdefutter ein. Übrigens ist ein Hammel hier nicht mehr als vier Mark wert. Kapitänleutnant Bode kam noch, um mir Lebewohl zu sagen. Er stand neben meinem Pferde, als ein etwa zehnjähriger Junge versuchte, ihm einen Beutel mit Goldstücken aus der Tasche zu ziehen. Bode ertappte ihn dabei und strafte ihn gründlich. Das Volk verhielt sich ganz teilnahmslos dabei. Ich zog weiter nach Westen durch die Mohammedanerstadt mit ihrer großen schönen Moschee und ihren charakteristischen Begräbnisplätzen, hinaus in die Steppe, die hier jedoch nicht so trostlos öde ist wie nach Süden zu, da sie von ziemlich vielen kleinen Wasseradern durchschnitten wird. Nach Norden zu bildet der Thien Schan mit seinen schneebedeckten Gipfeln einen wirkungsvollen Abschluß.

Zu Kapitel VII.

Chinesisch-Turkestan
26 Marschtage, 4 Ruhetage = 1215 km — Durchschnittsmarschleistung 46,4 km