Chinesisch-Turkestan
23 Marschtage, 6 Ruhetage = 952 km — Durchschnittsmarschleistung 41,3 km
[VII. KAPITEL.]
Chinesisch-Turkestan.
Abends waren wir in Tru foa, wo wir sehr gut unterkamen. Meine neue Stütze war willig und schnell.
In glühender Hitze zogen wir am 14. April durch Steppe und Wüste; wir hatten über Mittag in der Sonne plus 45 Grad, und ich war froh, als ich die ersten Obstbäume, die teilweise schon Blüten angesetzt hatten, bei unserm heutigen Ziel, San foa, erblickte. Am nächsten Morgen hatten wir nur plus 1 Grad, es wurde aber bald wieder drückend heiß. Wir hatten wieder nur einen kleinen Marsch nach San to lin, wo wir auch gutes Unterkommen fanden. Hier in Turkestan sind von 30 zu 30 Kilometer offizielle, von der Regierung erbaute Rasthäuser, die, soviel ich gesehen habe, stets gut instand gehalten sind. Kurz nach der Ankunft bemerkte ich, daß mein Thermometer fehlte. Der Ortsvorsteher stellte sofort einen Reiter, der nach dem letzten Quartier zurückritt, um dort danach zu suchen. Am Nachmittag wusch ich, zum Gaudium der Bevölkerung, besonders der Weiber, zuerst meine Stute, dann meine Wäsche im Dorfbach.
Mein Diener Djang tsche Tschang
Wir näherten uns nun allmählich dem Thien Schan, der felsig und kahl ist, genau wie alle anderen Gebirge im Osten Chinas. Merkwürdig war der stete Wechsel der Temperatur während des Marsches. Kurz hintereinander ging es durch heiße und dann wieder ganz kalte Luftschichten. Das Gelände war heute ziemlich quellenreich, doch gehen die kleinen Bäche meist nicht sehr weit, sondern versiegen im Sande. Wir waren oft gezwungen, erhebliche Umwege zu machen, um nicht in dem durchweichten Boden stecken zu bleiben. Einmal saßen wir doch fest und mußten alles abladen, um die Karre mit vereinten Kräften wieder herauszuziehen. Gegen 3 Uhr erreichten wir Lo tung, das einen Kavallerieposten von 30 Mann in einem Lager hat. Die Kavalleristen sind fast alle verheiratet. Der Ort hat eine schöne große Quelle und eine ganze Menge Bäume. Mein, neuer Diener, mit Namen Djang tsche Tschang, bewährte sich durchaus; er war fleißig und aufmerksam, ob auch ehrlich, das konnte natürlich erst die Zeit lehren. Ich merkte jetzt erst, was für ein unglaublich fauler Mistfink mein alter Mafu gewesen war und ärgerte mich, daß ich den Menschen für mein teures Geld so weit mitgeschleppt hatte.