Lo tung
Es ging heute durch Ausläufer des Thien Schan bergauf und bergab. Überall war steinbesäte Wüste. An einer Stelle war der Telegraph zerrissen und Kavalleristen flickten ihn; das mag etwas schönes geworden sein! Mitten in der Wüste stand ein Gasthof und ein Pferdestall, an dem die Yamenreiter ihre Pferde wechselten. Natürlich war alles teuer und schlecht, wir aßen das letzte Stück Fleisch aus Hami, von nun ab mußten wir uns wieder auf Reis beschränken. Gegen Abend setzte Staubsturm ein, der die ganze Nacht über wehte und durch die das Fenster darstellende Öffnung in der Wand ganze Staubwolken hineinwarf. Wir ritten weiter durch steile Felsberge. Unser beabsichtigtes Quartier, das wir gegen Mittag erreichten, war derartig überfüllt, daß ich beschloß, den Marsch noch fortzusetzen, nachdem ich eines der eingespannten Tiere im kaiserlichen Ponystall hatte umtauschen lassen. Man brachte uns ein noch ganz rohes Tier, das erst gefesselt werden mußte; die Chinesen ließen den sehr unruhigen Pony so lange mit der Fessel ziehen, bis er beinahe zusammenbrach, erst dann machten sie die Fessel ab; das Tier hatte sich die Lehre gemerkt und ging nun sehr gut. Wir passierten noch einige Kilometer Felsberge und gelangten dann in eine schräge Ebene, in der uns der Sturm wieder voll faßte. In den Bergen war es dafür drückend schwül gewesen. Gegen Abend langten wir in Kosch an, wo wir die Nacht blieben. Am 19. April herrschte noch immer eisiger Sturm, trotzdem das Thermometer gar nicht tief stand; man wurde beinahe vom Pferde herabgeweht. Zuerst ging es 20 Kilometer durch mit vereinzelten Tamarisken, bestandene Ebene; an einem kleinen, hübsch gelegenen Orte wechselten wir die Pferde, dann fing wieder der steinige Weg an; es war vollkommen so, als ob man über Schotter auf einer neuen Chaussee marschiert und für die armen Pferde sehr anstrengend. Der Wind ließ nicht nach und benahm einem vollkommen den Atem.
Kleines Felsennest hinter Kosch (Turkestan)
Rasthaus in der Wüste
Gegen drei Uhr nachmittags langten wir in einem einzelnen kleinen Hof, mitten in den Felsbergen, an. Hier wohnte der Beamte, der die kaiserliche Post besorgt und die posttragenden Reiter kontrolliert. Er ist ein Hunanese, und wie alle Leute aus dieser Provinz, außerordentlich freundlich. Da den Pferden die Beine sehr wehtaten, beschloß ich, zu bleiben und wurde von dem Beamten sofort liebenswürdig aufgenommen. Natürlich mußte ich mit der ganzen Gesellschaft in einem Raume wohnen; von sieben Menschen rauchten sechs Opium, und obgleich ich trotz Staubsturm die Türe nicht zumachen ließ, war es vor Gestank kaum auszuhalten. Die Nacht fror es wiederum stark; der arme Dicke war am Morgen ganz steif gefroren, wollte durchaus nichts fressen und ließ bedenklich den Kopf hängen. Da kein Stroh zu haben war, mußten die Tiere auf den nackten Steinen stehen. Heute ging es durch ganz kahle Berge und dann in einen weiten Kessel, der von hohen Felsbergen eingefaßt war. Am jenseitigen Ausgang lag unser heutiges Reiseziel, Tu Dundse, ein Hof, in dem die Pferdestation sich befindet. Wir wurden auch hier von dem betreffenden Beamten freundlich aufgenommen, die Tiere bekamen schönes Heu und einen guten Stall, legten sich bald hin und fühlten sich sehr wohl. Es blieb den ganzen Tag über kalt und windig. Der Beamte klagte mir sein Leid, es sei fast das ganze Jahr über nicht anders. Nachmittags ging ich noch einmal auf Antilopenjagd, sah auch einmal einen Sprung von vieren, die aber schon auf 2000 Meter absprangen und bald in den hohen Felsen verschwanden. Ich kroch noch stundenlang umher, entdeckte aber nichts mehr.
In jedem dieser Höfe, in denen die Pferde gewechselt werden, befindet sich stets noch ein Mann, der die Telegraphenlinien in Ordnung halten soll! Wie alle in Turkestan befindlichen Chinesen, rauchen sie Opium. Ich habe keinen angetroffen, der es nicht tat. Mein Menü bestand hier morgens, mittags und abends aus Reis, etwas anderes war nicht aufzutreiben.