Markt in Kaschgar

Ich wurde vom russischen Generalkonsul auch fernerhin mit Liebenswürdigkeit überhäuft. Bei einem Besuch am 15. Juni schenkte er mir eine ganze Reihe selbst aufgenommener, vorzüglicher Photographien, ferner wurden meine sämtlichen andern Angelegenheiten auf seinen Befehl hin beschleunigt, mein Paß visiert, der Paß für meine Diener fertig gestellt, die Tragetiere für den 17. Juni bereits zum festen Preise von 55 Rubel gemietet und ebenso den Leuten, die mitgingen, Pässe ausgestellt. Ich unterhielt mich jederzeit gern mit dem allerorts hochverehrten Generalkonsul. An der Art, wie er die gesamte Situation beherrscht, erkennt man, daß die Einverleibung Turkestans durch Rußland wohl nur noch eine Frage der Zeit ist. Mit dem höchsten Mandarin springt der Konsul wie mit einem Untergebenen um. So beklagte ich mich bei ihm, daß der Taotai mir noch nicht seinen Gegenbesuch gemacht hätte, was gegen alle Regeln der chinesischen Etikette verstoße. Sofort sandte der Konsul einen Diener zum Yamen und ließ anfragen, warum der Taotai dem europäischen Offizier noch nicht seinen Gegenbesuch gemacht hätte, und daß er wünsche, daß der Beamte morgens um 8 Uhr bei mir antrete. Der Taotai gehorchte umgehend, denn am 16. Juni morgens um 8 Uhr war er bei mir.

Großer chinesischer Leichenzug in Kaschgar

Nachdem der Taotai wieder verschwunden war, ging ich zum Zollamt, um meine Sachen vorzuzeigen und dadurch einer Revision an der russischen Grenze zu entgehen. Ich bekam von dem hiesigen Beamten einen Brief an die Zollstation mit. Den Nachmittag benutzte ich, um alles in gleichmäßige Pakete zu verpacken. Mein Diener Dschang wurde ausbezahlt und mit 7 Taels Trinkgeld entlassen. Er schien nicht recht zufrieden zu sein, obwohl das Trinkgeld seinen Lohn überstieg. Nebenbei hatte er es doch noch fertig gebracht, mich in den letzten Tagen zu bestehlen.

Um 5½ Uhr ging ich zum russischen Generalkonsul, um meinen Abschiedsbesuch zu machen. Der Konsul schenkte mir zum Abschied für die Reise eine ganze gebratene Hammelkeule, 6 Hühner, Eier, sowie eine Flasche guten Wodka. Später kam er noch selbst, um mir Lebewohl zu sagen und brachte mir als weiteres Geschenk Kaviar, Hummer und als besondere Kuriosität einen Teller aus Salz, von dem man z. B. kaltes Fleisch ohne es mit Salz zu bestreuen, essen kann. Am 17. Juni um 5½ Uhr morgens schickte ich die Bagage weg und wechselte mein Geld in Rubel, da von jetzt an mit russischem Gelde gerechnet werden muß. Dann nahm ich Abschied von dem gastfreien englischen Obersten und trat meinen Ritt in die Berge an.