Kirgisen auf dem Marsch zum Alai-Hochtal

Gegen 3½ Uhr waren wir an dem Talkessel, in dessen Mitte Guldscha liegt, angelangt. Man bemerkt hier schon die ersten Vorbereitungen zum Telegraphenbau nach Irkechtam, außerdem sah ich Eisenbahnmaterial in Menge anfahren. Sollte Rußland etwa seine strategischen Bahnen bis hierher ins Gebirge verlängern wollen? Wir ritten zwischen den einstöckigen, hübsch angelegten Kasernen der Garnison durch nach dem dicht dabei gelegenen Basar oder vielmehr nach dem Schmutzloch, das sich Basar nennt. Nach einigem Suchen bekam ich glücklich einen dunkeln Raum ohne Fenster, in einem Torweg gelegen. Zum Trost hielt wenigstens das Dach dicht. Mein sämtliches Gepäck war vollständig durchnäßt, und dabei regnete es ununterbrochen weiter. Mein Zimmer war derartig feucht, daß die Tropfen an den Wänden herunterliefen.

Auch am 26. Juni regnete es noch; der feuchte Raum verstimmte mich derart, daß ich nichts mehr essen konnte und zur geringen Freude meiner Leute befahl, daß aufgebrochen werden sollte. Um 2 Uhr hörte es auf zu regnen, und um Punkt 3 Uhr marschierten wir bei schönster Sonne, allerdings im knietiefen Sumpfe, ab.

Kamel der Kirgisen

Gleich hinter dem Orte ging es über den Syr darya, der recht unangenehm aussah. Am jenseitigen Ufer standen Reiter, die herüber wollten. Ich dachte: lassen wir die andern die Kastanien aus dem Feuer holen und warten wir ab. Die drüben dachten wahrscheinlich genau dasselbe, saßen ruhig ab und warteten auch. Schließlich stürzte sich ein Kirgise mit einem Handpferde mutig in die Fluten; er war fast drüben, als er auf eine tiefe Stelle geriet; sein Pferd schwamm, das Handpferd dagegen machte sich los und lief weg, aber der Kirgise kam herüber. Nun wußten wir Bescheid und ritten ins Wasser, sorgfältig die schlechte Stelle vermeidend. Nasr ging voran, wurde jedoch immer langsamer. Plötzlich machte sein Pferd kehrt und ich sah schon ein allgemeines pêle-mêle mit den Packpferden folgen; daher trieb ich meinen Schimmel mit der Peitsche so schnell wie möglich nach vorn. Er ging auch willig, doch saß ich mit der linken Seite bis über die Hüfte im Wasser, so mußte er sich gegen den Strom legen; aber ich kam durch. Die Bagage folgte nun schnell. Die Partie am andern Ufer freute sich sichtlich, als ich nur mit einem Stiefel weiter ritt, den andern mit Strumpf hatte ich zum Trocknen auf die Bagage gebunden.

Landschaft bei Guldscha im Alai-Gebirge