Abb. 107. Gesichtsbemalung. Chiriguano. Itapenbia. Rote Farbe.
A u. B = Männer. C u. D = Frauen.
Die Männer tragen jetzt alle die europäische Tracht. Bei der Arbeit sieht man sie jedoch nicht selten nur in einem die Geschlechtsteile schützenden Stück Zeug. Bei den Chanés am Rio Parapiti waren Mäntel gleich denen, die wir von den Chorotis und Ashluslays kennen gelernt haben, sehr gewöhnlich. Die älteren Männer, sowie auch die jüngeren in den Chiriguanodörfern am oberen Rio Pilcomayo, tragen das Haar lang, um den Kopf gewunden und von einem in der Regel roten oder blauen Band zusammengehalten. Nach vorn ist das Haar abgeschnitten, sie haben also Stirnlocken und eine Locke vor jedem Ohr. Es greift jedoch immer mehr die Sitte um sich, das Haar kurz zu schneiden, um ebenso fein zu sein, wie die Weißen. An den Füßen tragen sie, wenn sie auf steinigem oder dornigem Boden wandern, wie die Frauen, Sandalen.
Diese Indianer malen sich alltags nicht oft. Zuweilen sieht man eine Frau, die sich das Gesicht rot gemalt hat. Die Weißen behaupten, es bedeute, sie sei heiratslustig, oder, wenn sie verheiratet ist, lüstern. Ich wage jedoch nicht zu sagen, daß dies wahr ist. Einen roten Strich hier und da ins Gesicht malen sich die Frauen auch alltags, oder sie kleben ganz einfach eine Blume an jede Wange. Die Männer bemalen auch manchmal das Gesicht und den Körper rot. Als große Seltenheit habe ich ein paar Chiriguanofrauen gesehen, die auf dem Arm tätowiert waren ([Abb. 108]). Im Caipipendital haben die Chiriguanofrauen die abscheuliche Sitte, ihre sonst weißen und gesunden Zähne zu schwärzen. Viedma erzählt, daß die Chiriguanomänner ihre Zähne blau zu malen pflegten.
Abb. 108. Tätowierter Frauenarm. Chiriguano. Itapenbia.
Reinlichkeit.
Die Chanés und Chiriguanos sind sehr reinlich. Sie beginnen, wie schon erwähnt, den Morgen mit einem Bad, und baden dann oft mehrmals im Laufe des Tages. Diese Reinlichkeit ist bei Stämmen, die oft in Gegenden wohnen, wo, wie z. B. im Chipipendital, großer Wassermangel herrscht, merkwürdig. In der Trockenzeit können sie dort niemals ein Bad nehmen, wenigstens die Frauen waschen aber ihren Körper jeden Morgen gründlich ab.
Der Gegensatz, der sich hier in dem Reinlichkeitseifer der verschiedenen Stämme zeigt, läßt sich, meiner Ansicht nach, durch ihre Wanderungen erklären. Die Chorotis, Ashluslays und Matacos, welche sich noch teilweise in Pelzmäntel kleiden, scheinen mir, wie die Feuerländer und Patagonier, aus den kalten Pampas im Süden, wo ein Waschen höchst unangenehm war, nach dem Chaco eingewandert zu sein, während die Chiriguanos und Chanés vom Norden, aus den feuchtwarmen Urwäldern, von den großen Flüssen kommen, wo das Baden immer schön und erfrischend war. Nun, wo sie unter denselben klimatischen Verhältnissen leben, haben die ersteren ihren Schmutz, die letzteren ihre Reinlichkeit bewahrt.