Schön ist es im Chaco nicht. Der Wald entzückt nicht das Auge durch üppiges Grün, die Palmenwälder und Schilfbüsche ermüden durch ihre Einförmigkeit, die Seen sind klein und gering an Zahl. Der Rio Pilcomayo hat hier keine Nebenflüsse. Keine Anhöhe, kein Berg, von wo man eine Aussicht über das Land hat. Im Innern des Chaco gibt es keinen Stein, ja kaum ein Kieselkörnchen. Überall besteht der Boden aus Staub und Schlamm.

Die Regenzeit beginnt im November oder Dezember und endet im April oder Mai. Macht man eine Reise in diese Gegenden und will nur dem Pilcomayo folgen, so ist die Trockenzeit die beste Reisezeit. Zur Vornahme von Ausflügen in den wasserarmen nördlichen Chaco soll man den Anfang der Regenzeit wählen.

Der Chaco ist gesund. Während meines Aufenthaltes am Rio Pilcomayo waren weder ich noch meine Begleiter krank, und die weißen Kolonisten scheinen sich alle einer guten Gesundheit zu erfreuen. Möglicherweise sind die schrecklichen Staubstürme für Schwachbrüstige auf die Dauer ungesund.

Wir nahmen nun von unseren Freunden im Dorfe Tonés Abschied und versprachen ihnen, wiederzukommen. Wer weiß, wann dies geschehen wird? Vielleicht tanze ich noch einmal mit im Reigen auf dem großen Platz, vielleicht erheitert mich noch einmal das Algarrobobier, vielleicht johle ich noch einmal auf den Festen dieser meiner Ashluslayfreunde. Am besten wäre es vielleicht, wenn ich nicht zurückkehre. Warte ich noch einige Zeit, so hat sich wahrscheinlich auch hier viel verändert und verschlechtert und der Besuch bereitet nur eine große Enttäuschung.

Wir verließen mit unserm Wegweiser den Pilcomayo und begaben uns nach dem nördlichen Chaco. Ich hatte erwartet, wenig bebaute Gegenden zu finden, sah aber bald meinen Irrtum ein. Gebahnte Wege führten nach allen Richtungen. Der Wegweiser übergab uns schon nach zwei Tagen, wir hatten aber das Glück, andere Reisegesellschaft zu finden. Zwei Ashluslayindianer, denen die Tobas ihre Frauen geraubt und die Kinder gefangen fortgeführt hatten, waren auf dem Wege zu den Mataco-Guisnay, um mit ihnen als Zwischenhändlern betreffs der Auslösung ihrer Kinder aus der Gefangenschaft zu verhandeln. Wir reisten gemeinsam.

Als wir nach den Dörfern kamen, wurden wir mit Tränen und Wehgeschrei empfangen. Auf diese Weise zeigten die Weiber unsern neuen Freunden ihre Teilnahme an deren Kummer.[12] Überall wurden wir gut aufgenommen und durften in den stürmischen, regnerischen Nächten den spärlichen Raum in den Hütten teilen und uns an den Lagerfeuern erwärmen. Zuweilen wurden wir auch zu den einfachen und unappetitlichen Mahlzeiten eingeladen. Alles ging gut und wir waren auf diesen unbekannten, niedrigen Indianerpfaden, wo man sich in der Regel dicht an den Hals des Reittieres drücken muß, um nicht von den Zweigen gestreift zu werden, einen Grad nach dem Chaco zu geritten. Man hatte mir gesagt, die Gegenden seien aus Mangel an Wasser unbebaut. Dies war keineswegs richtig, obschon es zuweilen weit zwischen den Tränken war. In der Regel ist das gefundene Wasser braun und stinkend.

Alles ging, wie gesagt, gut, bis wir zu einem Häuptling namens Chilán kamen. Als wir durch den dichten Wald, der nach einem Dorfe führte, ritten, raschelte es überall in den Büschen. Chilán hatte seine Krieger auspostiert, um uns, falls wir schlechte Absichten hätten, einen warmen Empfang zu bereiten. Ruhig ritten wir durch den gefährlichen Wald gerade in das Dorf Chiláns. Mit bösen Blicken und unter einigen weniger freundlichen Worten an unsere Reisekameraden empfing uns der Alte. Als Freundschaftsgabe überreichte ich ihm ein Messer, worauf er halb zögernd den Streitkolben, den er in der Hand hatte, weglegte.

Chilán muß unseren Wegweisern bestimmte Weisungen gegeben haben, denn nach dem Besuch bei ihm begannen diese uns in der Richtung nach dem Rio Pilcomayo zu führen und nicht, wie wir gewünscht und sie uns infolge unseres Versprechens von Geschenken gelobt hatten, nach Norden. Da wir die Tränken nicht kannten, fanden wir uns nicht ohne ihre Hilfe zurecht. Wir waren schon nahe an dem Flusse, als wir eines Abends in ein Ashluslaylager kamen. Müde, wie ich war, legte ich mich gleich schlafen. Moberg fand es eigentümlich, daß beinahe nur Männer im Lager waren, ließ aber seinen Verdacht nicht verlauten und kroch ruhig unter das Moskitonetz. Ungefähr gegen zwei Uhr erwachte der Dolmetscher durch ein Signal, das jemand im Walde gab. Einer der Männer im Lager erhob sich leise, ging fort und kam nach einiger Zeit mit einer Schar bewaffneter Leute wieder. Der Dolmetscher lauschte und hörte, wie die Neuangekommenen fragten, warum die Ashluslay uns nicht töteten. In diesem Falle bekämen sie die Karabiner und könnten die Tobas mit Erfolg bekämpfen. Wären wir getötet, würden die Weißen niemals erfahren, was im Innern ihres Landes sei. Sie sagten auch, sie wünschten den Skalp des blonden Mannes, d. h. Mobergs, für ihre Feste. Meine Wegweiser wollten sich indessen an dem Überfall nicht beteiligen. Diese Weißen sind unsere Freunde, sagten sie.

Der Dolmetscher, der meine beiden anderen Begleiter, zwei bolivianische Soldaten, geweckt hatte, redete nun die Neuangekommenen an. Diese machten sich nun eilig davon. Vergebens bat er sie, bis zum Morgen zu bleiben. An der Sprache hatte er jedoch gehört, daß es Matacoindianer waren. Diese von der Zivilisation halbverdorbenen Indianer wollten also einen Mord begehen, an dem „die Wilden“ sich nicht beteiligen wollten.

Vielleicht haben wir es Onásh, so heißt der Mann, der gegen den Überfall sprach, zu verdanken, daß wir nicht das Schicksal Crevaux’, Ibaretas und Boggianis teilten.