Am folgenden Tage waren wir wieder im Lande der Mataco-Guisnay. Wir hatten keinen Bissen zu essen und der Regen goß in Strömen. Wir waren also hungrig und froren. Zelte hatten wir schon lange nicht mehr mit, da wir sie zum Schutz unserer Sammlungen hatten zurücklassen müssen. Wir ritten in ein Dorf und wurden höchst unfreundlich empfangen. Wir bekamen nicht das geringste, und man weigerte sich bestimmt, uns während der Nacht in den Hütten Schutz gegen den Regen zu gewähren. Obschon sich in der Gegend, in der wir jetzt waren, keine Weißen befanden, suchen alle diese Matacoindianer bei den Weißen Arbeit und kennen den „Segen“ der Zivilisation.
Als wir dann des Nachts hungrig und frierend an einem Feuer saßen, das infolge des Gußregens nicht kräftig brennen konnte, dachten und sagten wir böse Sachen über den Einfluß der Weißen auf die Wilden des Urwaldes und verglichen die Ungastlichkeit der Matacos mit der Freundlichkeit, die wir tief in den Wäldern bei den Indianern genossen hatten, die nie vorher von Weißen besucht worden sind.
Nach zwei Tagen waren wir wieder bei einem bolivianischen Militärposten. Ich war der einzige, der beritten ankam. Die Pferde der anderen waren ermüdet oder unterwegs gestürzt.
Die Indianer, besonders die Ashluslays und Chorotis, die ich auf diesen Streifzügen im Chaco kennen gelernt habe, will ich hier in den folgenden Kapiteln zu schildern suchen. Da ihre Kultur ziemlich gleichartig ist, glaube ich, sie zusammen behandeln zu können.
Nicht viele Verfasser haben bisher die Sitten und Gebräuche der Chorotis und Ashluslays geschildert. Beiträge zur Kenntnis der letzteren sind von Herrmann[13] geliefert worden, der sie, gleich den Tobas, Sotegaraik nennt. Eric von Rosen[14] hat ausgezeichnete Photographien von den letzteren veröffentlicht.
Der vortreffliche deutsch-argentinische Anthropologe R. Lehmann-Nitsche[15] hat auf den Zuckerfabriken von Esperanza wichtige Studien über die physische Anthropologie der Chorotis und anderer Chacostämme gemacht. Er hat den richtigen Platz für derartige Forschungen gewählt. Die Fabrik liegt, wie erwähnt, an der Eisenbahn, man kann also allerlei Instrumente mit der größten Leichtigkeit dorthin schaffen. An Ort und Stelle befinden sich ausgezeichnete Dunkelkammern zur Entwicklung der Platten usw. Die sich für die physische Anthropologie der Chacostämme Interessierenden verweise ich auf die Arbeit dieses Verfassers.
Da die den Chacostämmen angehörenden Guaycuru-, Mataco- und Maskoi-Gruppen in vielen Beziehungen eine den Choroti und Ashluslay ähnliche Kultur haben, so ist die Literatur, die hier des Vergleichs wegen von Interesse ist, eine sehr große.
In dieser Arbeit ist indessen nicht der richtige Platz zu solchen vergleichenden Forschungen. Hier will ich vor allem ein Bild des Lebens unter den Indianern geben, wie ich es aufgefaßt habe, und überlasse solche Forschungen Sonderaufsätzen in Fachzeitschriften.
Der einzige ältere Verfasser, der die Chorotis erwähnt, ist Pedro Lozano. Er nennt jedoch nur den Namen. Sehr möglich ist es ja, daß sowohl die Chorotis wie die Ashluslays den älteren Verfassern bekannt waren, aber unter anderen Namen als die, die wir kennen.
Die Ashluslays nennen sich selbst so. Die Chorotis nennen sie Ashli, die Matacos Sówua oder Sówuash, die Tapietes sagen Etéhua, die Tobas Sotegaraik. Die Weißen sagen in der Regel Tapiete und verwechseln sie mit einem hier unten näher geschilderten Stamm. Die Chorotis nennen sich selbst Yóshuahá, welcher Name natürlich angewendet werden sollte. Sie kennen jedoch jetzt alle ihren Chiriguana-Namen Choroti, den die Weißen in Chorote verspanischt haben. Die Matacos nennen die Chorotis Mánuk oder Má-niuk.