Eigentümlicherweise wird es unter diesen Indianern nicht als eine Schande betrachtet, in einem homosexuellen Verhältnis der Aktive zu sein, der Passive wird aber tief verachtet. Er wird als ein Weib betrachtet. Dies ist der Grund, warum ein Teil rücksichtslose Weiße unverbesserliche Indianer mit — einem Klistier bestrafen. Ein so gekränkter Indianer verschwindet für immer. Man nimmt an, daß er Selbstmord begeht. Mittels „tévi“ bestraft ein Indianer seine ungetreue Frau und verläßt sie dann. Chanéknaben habe ich „tévi“ spielen sehen.
Nach Westermarck[86] ist die Homosexualität sehr verbreitet unter den Indianern Amerikas. Die Auffassung, daß dies eine Schändlichkeit ist, ist keineswegs überall so ausgeprägt, wie bei den hier erwähnten Indianern.
Über Onanie habe ich bei den Chanés und Chiriguanos nichts gehört. Sie soll dagegen bei den Chorotis von den Männern, die beim Tanz von den Frauen übergangen werden, betrieben werden.
Perversitäten im Verhältnis zwischen Männern und Frauen, die im alten Peru gewöhnlich waren, scheinen hier nicht vorzukommen. Primitive Säugetierstellung beim Koitus soll bei den Chacostämmen gewöhnlich sein.
Mataco gab mir eine Wurzel, die sie als Aphrodisiakum anwendeten.
Das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren ist in den Sagen der Indianer so intim verflochten, daß man nicht immer bestimmen kann, ob sie das eine oder das andere meinen. Die Sagen, welche die Liebesverhältnisse zwischen Menschen und Tieren schildern, sind keine Schilderungen von Bestialität, die bei diesen Indianern unbekannt zu sein scheint.
Das Schamgefühl ist bei diesen Völkern sehr verschieden entwickelt. Es scheint mir sehr stark von der Kleidertracht abzuhängen. Keiner dieser Indianer oder Indianerinnen, von denen ich hier erzähle, betrachtet es, soweit sie nicht vollständig verdorben oder zivilisiert sind, als unpassend, den Oberkörper zu zeigen. Die Chiriguano- und Chanéfrauen sind viel verschämter als die Chorotis und Ashluslays, wenn sie die Geschlechtsteile zeigen. Die letzteren wollten sich höchst ungern vollständig entkleiden, um photographiert zu werden. Den ersteren wagte ich so etwas nicht einmal vorzuschlagen.
Saß man des Abends am Feuer in der Hütte und war mit der Familie bekannt, so schienen sie gleichwohl ganz ungeniert zu sein. Die Choroti- und Ashluslaymänner sind sehr schamlos. Die Männer unter den Chanés und Chiriguanos dagegen weniger. Es ist sehr gewöhnlich, daß die Chiriguano- und Chanéfrauen, in einer Gesellschaft konversierend, stehend Wasser lassen und den Urin das Bein herunterlaufen lassen, was ja als weniger sauber gelten darf. Die Männer gehen dagegen immer abseits, um dieses Bedürfnis zu verrichten.
Abb. 114. Junge Chanéfrau entblößt den Oberkörper, um sich photographieren zu lassen. Rio Parapiti.