Taruiri ist auch nicht der richtige Häuptling, sondern vertritt einen jüngeren Verwandten, der infolge seiner beständigen Betrunkenheit als untauglich betrachtet wird. Taruiri herrscht im Caipipendital, wo sein Gebiet noch frei ist, von den Weißen aber wohl bald usurpiert werden wird. In Ivu ist ein Chiriguanohäuptling, der auch Medizinmann ist. Dies ist das einzige Beispiel von Theokratie, das ich kennen gelernt habe.

Die Häuptlingsfamilien bilden unter den Chiriguanos und Chanés eine Art Aristokratie. Mehrmals habe ich Indianer sich mit ihren feinen Familienverbindungen großtun hören. Ein Chiriguano, der mich eine längere Zeit als Dolmetscher begleitete, war eifrigst bemüht, mir einzuprägen, daß er mit den bekanntesten Oberhäuptlingen verwandt war.

Wie der Verfasser dieses Buches als Sohn von Adolf Nordenskiöld vorgestellt zu werden pflegt, so pflegten die Indianer in ähnlicher Weise die Söhne ihrer „großen Männer“ vorzustellen.

Ich bin sogar hinter ein bißchen Betrügerei mit dem Stammbaum gekommen. Ein Chané behauptete, direkt von dem großen Hinu Parava herzustammen, was aber nicht wahr sein soll.

Will man bei diesen Indianern hübsche Sachen aus alten Zeiten finden, so hat man sie zuerst bei den Häuptlingsfamilien zu suchen. Sie bewahren die alten Kleinodien.

Immer mehr beginnen die weißen Behörden die Häuptlinge zu ernennen. Man kann also in einer Gegend einen von den Weißen gestützten Häuptling und einen legitimen finden.

Die Häuptlinge haben eine große Macht, und man gehorcht ihnen, im Gegensatz zu dem, was bei den Chorotis und Ashluslays der Fall war, soweit ich gesehen habe, immer. Sie besitzen den Boden (wenigstens in gewissen Gegenden), aber nicht für eigene Rechnung, sondern für den Stamm. Braucht man in einem Chané- oder Chiriguanodorf Träger, so erhält man sie von dem Häuptling, und kein Indianer weigert sich, die Befehle des Häuptlings auszuführen.

Obschon der Häuptling einen so großen Einfluß hat, arbeitet er doch in derselben Weise, wie die übrigen Indianer. Vocapoy z. B. trug selbst das schwere Holz zum Maisbierkochen nach Hause, und seine Frau mußte kochen und fegen, wie die anderen Frauen. Dem Beispiele der Weißen folgend, haben jedoch jetzt einige der zivilisiertesten und reichsten Indianer, wie Taco, Diener aus ihrem eigenen Stamme, aber dies ist nicht das Ursprüngliche. Dagegen ist es, wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, nichts Ungewöhnliches, daß die Mataco-Vejos und die Tapiete für die Chiriguanos und Chanés arbeiten.

Als wir im Dorfe Vocapoys von der Jagd heimkehrten und mit dem Häuptling unsere Beute teilten, nahm seine Frau alles an, ging aber dann in den Häusern herum und gab den Nachbarn alles, was sie erhalten hatte.

Man kann hier nicht von reich und arm in demselben Dorfe sprechen, obschon auch der Anfang zu einem Adelsstand vorhanden ist. Dagegen gibt es arme und reiche Dörfer. Einzelne verhältnismäßig reiche Indianer gibt es, diese leben aber, wie Taco, wie die Weißen.