Abb. 115. Kalebasse.
Chiriguano. Itapenbia. ⅙.
Der Häuptling ist Richter und war früher Heerführer.
Vocapoy sagte mir, Totschlag werde in der Weise bestraft, daß der Totschläger dazu verurteilt wird, bis zu einem halben Jahre für die Familie des Getöteten zu arbeiten. Ein Dieb bekommt bis zu fünfzig Rutenschläge und wird, um nicht getötet zu werden, nach einem anderen Dorf geschickt. Nach Vocapoy ist es die Hauptaufgabe des Häuptlings, Blutrache zu verhindern, indem man die Verbrecher fortschickt, damit sie nicht gemordet werden. Vater-, Mutter- und Kindesmord sind, seiner Behauptung nach, in seiner Gegend unbekannt.
Nach Batirayu, dessen Angaben zuverlässiger als die Vocapoys sind, beschäftigt sich der Oberhäuptling der Chanés am Rio Parapiti mit keinen anderen Verbrechen, als mit Mord, Verführung einer anderen Frau und Verhexung. Mord mit vergiftetem Chicha, „bád-dyási“, kam früher bei den Chanés vor. Mörder und Verhexer wurden verbrannt. Der Verführer einer Frau wurde aller seiner Habe beraubt. Im übrigen wurden Diebstahl und andere Verbrechen durch Duell geschlichtet. Hatte jemand gestohlen, so riefen der Gekränkte und der Dieb ihre Verwandten herbei, und man kämpfte auf dem offenen Platz im Dorfe.
Die Behörden der Weißen greifen jetzt immer mehr in die Rechtsverhältnisse der Indianer ein.
Im Krieg mit anderen Stämmen führte der Häuptling den Befehl, wie sie es auch bei den Empörungen der Indianer gegen die Weißen getan haben.
Nach Vocapoy besitzt der Häuptling den Boden für den Stamm. Batirayu sagte, das Recht an dem Grundbesitz werde so geordnet, daß jeder anbaut, was er will. Schon bebauter Boden hat seinen Besitzer, wenn er auch jahrelang brachgelegen hat. So wird auch Brachland vererbt.
Die Erbschaften werden im übrigen dadurch bedeutend eingeschränkt, daß der Tote einen Teil seiner Kostbarkeiten mit in das Grab nimmt.
Wie bei den Ashluslays und Chorotis, ist auch hier das Besitzrecht gut ausgebildet, und die Frauen besitzen auch das, was sie anwenden und herstellen. Wie bei den genannten Stämmen, ist auch hier die Mildtätigkeit sehr groß, wenn sie auch dank unserer „Zivilisation“ und der Mission weniger ausgeprägt ist.