Abb. 118. Suppenspatel. Chiriguano.
A = Tihuipa. ⅛.
B = Caipipendi. ⅙.

Tanzmasken werden von den Chiriguanos und Chanés jetzt nur während des Karnevals, dem großen Zechfest der Christen, getragen. Diejenigen, die ich gesehen habe, hatten die Form von menschlichen Gesichtern ([Abb. 119]).

Sehr verschiedene Ansichten herrschen unter den Indianern, ob die Masken hier ursprünglich indianisch sind oder nicht. Vocapoy sagte, die Idee zu ihnen sei ursprünglich von den Weißen gekommen. Batirayu behauptete dagegen, als Knabe am Rio Parapiti bei den Chanés von den jetzigen verschiedene Masken gesehen zu haben, die bei ihren großen Festen benutzt wurden. Seiner Ansicht nach haben die Chanés Masken angewendet, bevor die Weißen ins Land gekommen sind. Man hatte damals auch Klappern aus Früchten um die Beine und Federschmuck aus Papageifedern auf dem Kopfe.

Die Chiriguanos und Chanés zerstören immer die Masken nach dem Karneval. Sie werden entweder verbrannt oder in den Fluß geworfen. Die Chanés nennen die Masken „añañya“.

Eigentümlich ist es, eine wie große Rolle der Karneval jetzt als Fest bei den Indianern spielt. Dies kommt sicher daher, daß die Weißen da Massen von Branntwein verteilten und daß die Indianer, die bei diesen arbeiten, dann einige Tage frei bekamen.

Zu den Festen kommen die Gäste oft aus weiter Ferne. Sie treten dort in ihren feinsten Kleidern und Schmucksachen, neu bemalt und fein gekämmt, auf. Die meisten alten Trachten und Schmucksachen sind jedoch schon verschwunden. Frauen in hausgewebten Kleidern mit Halsketten aus Chrysocol und Türkis sieht man jedoch noch. Das silberne Diadem und die silbernen Nadeln, die zur Festtracht gehören, habe ich indessen niemals im Gebrauch gesehen. Die blauen Trachten der Männer ([Abb. 81]) mit silbernem Brustschmuck sieht man oftmals in den Hütten bei den Alten verwahrt, zu den Festen werden sie aber nicht angewendet. Bei den Chanés im Itiyurotal habe ich die Indianer bei einem Canguifest tanzen sehen. Um einen „Yambuy“ mit Cangui standen einige der alten Männer zu zweien, ein eintöniges Lied singend und den Takt mit den Füßen schlagend. Die Frauen gingen langsam im Takt des Liedes außerhalb des Kreises der Männer auf und nieder.

Bei den Chanés und Chiriguanos verdrängt die Tracht des weißen Mannes alles Alte und Hübsche, und von meinen vielen alten Häuptlingsfreunden unter diesen Indianern verachtet nur allein Maringay die Lumpen der Weißen.

Der Branntwein dringt immer mehr bei diesen Indianern ein, und die zeremoniellen, gutmütigen Maisbierfeste verwandeln sich in rohe Trinkgelage.

Ich vergesse nie eine Nacht im Dorfe Vocapoys. Die Männer waren zu den Christen gegangen, um Branntwein zu trinken. Als sie zurück kamen, fielen harte Worte und die Messer kamen hervor. Der Branntwein hätte blutige Opfer gefordert, wenn die mutigen Frauen sich nicht mit Feuerbränden vom Maisbierkochen zwischen die streitenden Männer geworfen und sie, nachdem sie sie getrennt hatten, unter beruhigenden Schmeichelworten nach Hause gebracht hätten.