Abb. 120. Serérepfeife. Chiriguano. ¼.
Sammelt man z. B. Tongefäße im Iguembetal und im Caipipendital, welche beide Täler von Chiriguanos bewohnt werden, so wird man unwillkürlich finden, daß die Keramik, obschon in Ornamentik und Form stark verwandt, doch auch lokal variiert. Über die individuellen Variationen habe ich schon gesprochen ([S. 235]).
Von den verschiedenen Industrien steht bei den Chiriguanos und Chanés besonders die Keramik hoch (s. die [Abb.]). Sie sind auch geschickte Weber und Verzierer von Kalebassen. Korbflechten kommt vor, jedoch meist im nördlichen Teil ihres Gebietes. Federarbeiten werden jetzt nicht mehr angefertigt. Von Caraguatábast werden nur Seile und Fischnetze, und am Rio Parapiti Hängematten und Tragnetze gemacht. Die für die Chacostämme so charakteristischen Taschen aus diesem Material werden niemals von den Chiriguanos und Chanés angefertigt, aber zuweilen durch Handel zwischen den Stämmen erworben.
Abb. 121. Tongefäß. Chiriguano. Caipipendital. ¼.
Bei den Chanés am Rio Itiyuro habe ich die Topfherstellung verfolgt. Der Ton wird gemahlen und mit zerstoßenen, gebrannten Krugscherben gemischt, damit das Gefäß nicht beim Brennen entzweigeht. Die Tongefäße werden auf gewöhnliche Indianerweise aus Rollen aufgebaut. Zum Glätten werden eine Muschelschale oder ein Maiskolben ohne Samen sowie ein schmales Bambusstäbchen angewendet. Der Maiskolben macht parallele, feine Ritzen.[90] Das Bambusstäbchen wird auch bei der Herstellung zum Abmessen benutzt, um richtige Verhältnisse zu bekommen. Hiernach wird das Gefäß einen Tag im Schatten getrocknet, bevor es gebrannt wird. In der Regel hat man nur ein oder ein paar Gefäße gleichzeitig in Arbeit.
Abb. 122. Brennen von Tongefäßen. Chané. Rio Itiyuro.
Die gröberen Gefäße sowie alle Kochgefäße werden nur mit Fingereindrücken und aufgelegten Tonschleifen ornamentiert. Die feineren Gefäße werden später bemalt (s. [Taf. 19]). Mit einem Pinsel aus Agutihaaren[91] werden die Ornamente in Weiß, Dunkelbraun und Schwarz bemalt. Die weiße Farbe ist eine Erdart (Kaolin), die anderen werden aus Schiefer und Sandstein zubereitet. Man malt freihändig und komponiert die Ornamente aus dem Gedächtnis und nicht nach Modellen. Holz, Maiskolben und Kuhexkremente werden um das Gefäß gehäuft. Das Brennmaterial wird angezündet und muß eine Viertelstunde oder, wenn das Gefäß groß ist, noch länger mit kräftigem Feuer brennen ([Abb. 122]).