An eine lange silberne Kette gebunden, flog Ururuti, um den weißen Gummiball zu holen. Als Aguaratunpa ihn bekam, schenkte er dem weißen Kondor die Freiheit. Der Strauß, „Yándu“, und die Fledermaus, „Andira“, spielten Ball. Der eine warf den Ball, fing ihn mit dem Kopf auf und stieß ihn dem anderen zu, der ihn wieder mit dem Kopfe auffing und zurückstieß (vgl. [S. 193]). Als der Ball durch die Luft flog, fing der weiße Kondor ihn auf und verschwand. Aguaratunpa schickte nun einen Vogel, „Tavatan“, um den schwarzen Gummiball zu holen, und das ganze Dorf spielte. Mit dem Strauß spielte Aguaratunpa. Mitten im Spiel tauschte er den Ball gegen einen Stein aus und warf ihn. Der Strauß fing ihn mit dem Kopf und fiel tot nieder. Als er wieder lebendig wurde, hatte er einen plattgedrückten Kopf, wie jetzt alle Strauße. Mit dem schwarzen Gummiball verschwand die Fledermaus.

Nun ist die Geschichte aus.

Abb. 127. Tongefäß. Chiriguano. Caipipendi. ⅓.

Tatutunpas und Aguaratunpas Verheiratung.

Sage, erzählt von dem Chanéindianer Agilera am Rio Parapiti.

Es wird erzählt, dort war einmal ein großer Häuptling, Chiquéri, und dort waren auch Tatutunpa und Aguaratunpa. Sie lebten alle weit, weit fort von hier. Am weitesten wohnte der große Häuptling. Dieser hatte Tatutunpa kommen lassen, um ihm seine Tochter zur Frau zu geben. Tatutunpa kannte viele Künste und Aguaratunpa kannte auch viele Künste.

Tatutunpa machte sich auf den Weg. Er ging ganz langsam und wartete an vielen Stellen. Wo er Feuer anmachte, wuchs hohes Gras. Zwei bis drei Tage, nachdem Tatutunpa sein Haus verlassen hatte, kam Aguaratunpa und fragte, wohin Tatutunpa gegangen sei. Man sagte ihm, Tatutunpa sei zu dem großen Häuptling gegangen. Aguaratunpa folgte ihm nun und traf ihn nicht weit davon. Bevor sie ankamen, fanden sie eine Pflanze namens „ihuahuasu“[104] am Wege. Aguaratunpa sagte zu Tatutunpa, er solle die Früchte abpflücken, damit sie sie essen könnten. Er ging in den Wald unter die Pflanze. Bevor noch Tatutunpa eine der Früchte hatte berühren können, schüttelte Aguaratunpa die Pflanze, so daß alle Früchte auf Tatutunpa fielen. Dieser, der jung und hübsch war, wurde nun einäugig und alt. Nun war Aguaratunpa der jüngere und schönere von beiden. Sie setzten nun ihren Weg zu dem großen Häuptling fort. Tatutunpa hatte eine Halskette, die Aguaratunpa ihm, bevor sie ankamen, abgelockt hatte.

Der große Häuptling glaubte, Tatutunpa, der alt und häßlich war, sei Aguaratunpa und dieser Tatutunpa. Er gab dem ersteren seine schönste Tochter zur Frau und dem letzteren gab er eine seiner allerhäßlichsten, die auch einäugig, wie er, war.

Aguaratunpa begann zu arbeiten, um den Acker zu roden und zu säen. Während er arbeitete, band er sein langes Haar auf. Als er von der Arbeit kam, war er ganz schmutzig. Tatutunpa tat nichts. Er lag den ganzen Tag neben seiner Frau und flötete auf einer runden Holzpfeife ([Abb. 80]). Als seine Schwiegermutter sah, daß er nicht arbeitete, sagte sie: „Dieser Mann denkt gar nicht an seine Familie.“