Da er dies hörte und wußte, daß Aguaratunpa schon viel gearbeitet hatte, fragte er seine Frau, ob ihr Vater keinen alten Acker habe, den er bebauen könne. Die Schwiegermutter sagte da zu ihrer Tochter: „Warum fragt jener Mann nach einem Acker, er, der so faul ist. Besser wäre es, wenn Aguaratunpa, der arbeitet, danach fragte.“

Tatutunpa ging mit seinem Stock und seiner Frau nach dem alten Acker des Häuptlings. Er ging auf den großen, wüsten Acker, grub ein wenig Erde auf, hob einen Erdklumpen auf und warf ihn in die Luft. Der Erdklumpen fiel zur Erde und zerbröckelte in viele Stücke. „Diese Erde ist nichts wert“, sagte er und fragte seine Frau, ob nicht irgendwo eine große Ebene sei, die er bebauen könnte. Sie sagte, es gäbe eine große Ebene. Sie begaben sich dorthin und gingen mitten auf die Ebene. Tatutunpa grub ein wenig Erde auf, warf wieder einen Erdklumpen in die Luft, dieser ging aber nicht entzwei, sondern fiel ganz nieder. Er sagte zu seiner Frau, diese Erde lasse sich sehr gut bearbeiten. Sie gingen nach Hause.

Am anderen Morgen begab sich der alte Tatutunpa mit seinem Spaten nach der Ebene, wo er ein wenig gegraben hatte, und steckte ihn in den Boden. In ganz kurzer Zeit wurde die ganze große Ebene ganz allein von dem Spaten gereinigt. Tatutunpa rief nun den Wind herbei, der mit großer Stärke kam und alles schlechte Zeug wegblies. Nur das Allerfeinste war stehen geblieben. Hierauf rief er den Wirbelwind, der den Acker ganz frei fegte. Tatutunpa bat die Papageien um Samen, sie kamen aber mit untauglichen Samenkörnern, die alle entzwei waren. Als er sah, daß diese Samen nichts taugten, bat er die Enten und Tauben und die ganz kleinen Tauben, sie möchten mit allerlei Samen kommen, und diese taten es auch. Sie säeten sogar selbst. Als die Saat beendet war, begab sich Tatutunpa auf dem Wege, der nach seinem Hause führte, heim. Er war noch nicht weit gekommen, da drehte er sich um, um nach seinem Acker zu sehen. Er sah, daß die Pflanzen schon zu keimen begannen. Wieder ging er ein Stück und wendete sich wieder um, um nach seinem Acker zu sehen. Die Pflanzen waren schon groß. Wieder ging er weiter und drehte sich wieder um. Da fand er seinen Acker schon in Blüte. In der Nähe seines Hauses wandte sich Tatutunpa wieder um, um nach seinem Acker zu sehen, und fand, daß alles, was er gesäet hatte, schon reife Früchte trug.

Bei Aguaratunpa, der so fleißig gearbeitet hatte, war noch nichts reif oder in Blüte.

Am folgenden Tage sagte Tatutunpa zu seiner Frau: „Wir wollen gehen, um nach unserem Acker zu sehen. Sie gingen nach dem Acker und die Frau sah, daß alle Früchte reif waren. Tatutunpa gebot ihr, ein Feuer anzumachen, um Mais und alle anderen Früchte zu rösten. Er sagte ihr, sie solle einen Maiskolben, zwei Bohnen und einen Kürbis ausgraben, aber nicht mehr. Nicht einmal dies vermochten sie aufzuessen.

Danach gingen sie nach Hause und sagten zu der Alten, sie solle mit ihnen kommen und alles abernten, was sie zu essen wünsche. Die Alte glaubte ihnen nicht, sondern glaubte, sie hätten gestohlen. Sie konnte nicht glauben, daß sie etwas zu ernten hätten, da sie nicht gearbeitet hatten. „Ich gehe lieber zu meiner anderen Tochter, die fleißig gearbeitet hat“, sagte die Alte.

Aguaratunpa begab sich nun zu Tatutunpas Acker und stahl Kürbisse, die er nach seiner Anpflanzung brachte. Mit Stäbchen und Dornen befestigte er die Kürbisse an den halbgewachsenen Kürbisstengeln. In der Dämmerung kehrte er heim und sagte zu seiner Frau, sie solle ihre Mutter bitten, in seinem Acker Kürbisse zu ernten. Die Tochter ging zu ihrer Mutter und sagte: „Wir wollen nach dem Acker gehen, um Kürbisse zu holen.“ Vergnügt machte die Alte sich auf den Weg, denn sie hatte gesehen, daß sie viel gearbeitet hatten, und sie glaubte ihrer Tochter. Sie gingen, fanden aber nicht mehr Kürbisse, als wie sie in einer Getreideschwinge einernten konnten.

Am folgenden Tage bat wieder Tatutunpas Frau ihre Mutter, mit aufs Feld zu kommen. Die Alte glaubte ihr gar nicht, als aber der Alte, ihr Mann, sah, daß sie so hartnäckig waren, befahl er ihr, zu gehen. Ärgerlich machte sich die Alte auf den Weg. Tatutunpa ging vor ihr, auf seiner Pfeife flötend. Als sie auf den Acker kamen, sah die Alte, daß er voll von allerlei Früchten, Mais, Kürbissen, Bohnen und Kalebassen war. Die Alte wurde richtig vergnügt, sie konnte ihre Freude kaum mäßigen.

Als sie nach dem Ackerrain kam, sah sie eine gewaltige Kalebasse und sagte zu ihrer Tochter, diese wünsche sie für sich. Während sie plauderten, fiel die Kalebasse auf die Alte, diese fiel hin und konnte sich infolge der schweren Kalebasse, die sie drückte, kaum bewegen. Die Tochter kam ihr zu Hilfe und versuchte die Kalebasse zu heben, sie vermochte es aber nicht. Sie rief ihrem Manne zu, er solle kommen und ihr helfen. Dieser blieb jedoch eine lange Weile fort, und erst als die Alte dem Tode nahe war, kam er, hob die Kalebasse auf und setzte sie wieder an ihrem alten Platze fest. Die halbtote Alte hob er auf.

Als sie sich nach einem Weilchen erholt hatte, sahen sie sich weiter den Acker an. Die Alte wollte einen Maiskolben abbrechen. Tatutunpa sagte ihr, sie solle seinen Acker schonen und nur den Kolben abbrechen. Sie erntete nun zwei Maiskolben und zwei von allen anderen Früchten, ohne etwas zu zerstören. Alles, was sie abgeerntet hatte, setzte sofort wieder reife Früchte an. Mit den Früchten beladen, ging sie nach Hause. Sie erzählte ihrem Manne, daß Tatutunpa schon einen großen Acker habe. „Das ist somit der Tatutunpa, den wir haben kommen lassen“, sagte der Alte. „Aguaratunpa hat uns betrogen.“