Der Strauß beeilte sich. Als er ein Stückchen gelaufen war, schielte er wieder zur Seite und sah, daß die Zecke noch an seiner Seite war.
Der Strauß lief aus Leibeskräften. Als er dem Ziele ganz nahe war, hüpfte die Zecke von dem Augenwinkel und kam als erster an.
Die Zecke hatte den Wettlauf gewonnen.
Diese kleinen Tiersagen haben eine ungeheuere Verbreitung. So finden wir die Sage von der Schildkröte und dem Jaguar beinahe unverändert in Santarem an dem Zusammenfluß des Rio Tapajo in den Amazonenstrom.[125]
Auch ähnliche Wettlaufsagen sind von der Küste Brasiliens bekannt.[125] Diese letzteren finden sich, wie bekannt, auch bei uns.
Man hat, wie schon erwähnt, nachgewiesen,[126] daß gewisse Sagen von Nordamerika und Asien bis nach Südamerika heruntergewandert sind. Da hier indessen nicht der rechte Platz zu vergleichenden Studien über die von mir gesammelten Sagen ist, habe ich mich damit begnügt, nur das Material vorzulegen.
Wie wir gesehen haben, lernen wir aus den Sagen einen Teil der religiösen Vorstellungen der Indianer verstehen. Sie sind auch aus dem Gesichtspunkt interessant, daß in ihnen eine ganze Menge kleiner Züge aus dem Leben der Indianer wiedergegeben werden. Sie geben uns einen Einblick in ihre Phantasiewelt.
Nur der Inhalt der von mir gesammelten Sagen, nicht die Form, ist als Forschungsmaterial verwendbar. Ich hoffe, daß besonders die eingeborenen südamerikanischen Ethnographen die von mir gemachten Sammlungen fortsetzen und die Sagen auch in den Originalsprachen aufzeichnen werden. Um dies zu können, ist jedoch eine vollständige Beherrschung derselben notwendig. Die beste Methode wäre, die Indianer diese Sagen in einen Phonographen sprechen zu lassen.
Die Indianer und die Naturerscheinungen.
In einer der Chanésagen wird erzählt, wie Yahuéte, der zweiköpfige Jaguar, im Begriffe war, den Mond aufzufressen. Maringay nannte Yahuéte „Yahuaróhui“. Sonnen- und Mondfinsternisse erklären diese Indianer so, daß Sonne und Mond von Yahuéte angegriffen werden. Die Chorotis sprechen, wie schon erwähnt, auch von einem Raubtier, das die Sonne und den Mond anfällt.