Im Verhältnis zu anderen besser organisierten Stämmen sind solche Gemeinwesen, wie es die Choroti- und Ashluslayindianer bilden, äußerst schwach. Die beste Gelegenheit, dies zu beobachten, hatte ich während meines Aufenthaltes bei den letzteren. Diese waren, wie erwähnt, in einen Krieg mit den Tobas verwickelt, welche unter Leitung des energischen Häuptlings Taycolique mehrere Überfälle in deren Gebiet machten. Infolge der Machtlosigkeit der Häuptlinge und der geringen Eintracht vermochten sie nicht, sich zu einer gemeinsamen Verteidigung gegen den Feind zu organisieren. Die verschiedenen Dörfer vereinigten sich nicht, sondern jedes tat, was es für gut hielt. Das anarchistische Gemeinwesen hat keine Abwehrkraft. Erwartete man einen Tobaanfall, so eilten viele Männer von verschiedenen Seiten herbei, um den Kampf aufzunehmen, da es aber an jeder Organisation fehlte, fanden sich immer nur ein Teil der Krieger ein. Die meisten blieben, um ihre eigene Person besorgt, aus.
Es fehlte ein Mann, der zu befehlen und sich Gehorsam zu schaffen verstand.
Das Indianerhaus.
Sowohl bei den Chorotis wie bei den Ashluslays finden wir die von Photographien und Reiseschilderungen bekannte runde oder ovale Chacohütte. Sie ist, je nach der Jahreszeit, mehr oder weniger sorgfältig gebaut und etwa zwei bis vier Meter im Durchschnitt. Zum Schutz gegen die kalten, südlichen Winterwinde sind die in der Ebene liegenden Hütten besser gebaut als die im Walde. Oft sind mehrere Hütten so zusammengebaut, daß sie aus mehreren Räumen mit mindestens einem für jede Familie bestehen. Die Hütten sind aus Zweigen verfertigt, die in die Erde gesteckt, in der Mitte zusammengebogen und mit Gras bedeckt sind. Ein Bindematerial fehlt vollständig. Keine Hütte ist mit Erde oder Lehm bedeckt. Der Eingang, der, falls die Hütte in der Ebene liegt, aus einem kleinen schiefen Gang besteht ([Abb. 2]), ist nicht nach einer gewissen Himmelsrichtung, sondern meistens nach dem Dorfe zu gerichtet. Viele Hütten haben mehrere Eingänge. Einige sind so schlecht gebaut, daß man ungefähr überall hineinkommen kann. Bei den Ashluslays habe ich über drei Meter hohe wohlgebaute Hütten gesehen. Gewöhnlich ist die Hütte jedoch inwendig nicht ganz zwei Meter und der Eingang ungefähr ein Meter hoch.
Bei diesen Indianern findet sich auch ein viereckiger Hüttentypus, und zwar die Kochhütten ([Abb. 6]). Diese haben platte, mit Gras bedeckte Dächer und dienen zum Kochen und Wohnen am Tage und in warmen Nächten. Auf ihren Dächern pflegt man Fische zu trocknen. In einigen Ashluslaydörfern sah ich mehrere solche unregelmäßig zusammengebaute Kochhütten mitten auf dem offenen Platze des Dorfes. Diese Gebäude, die hier eine ungewöhnliche Größe haben, werden während der Trinkfeste als Sonnenzelte angewendet.
Abb. 6. Kochhütte der Chorotis. Rio Pilcomayo.
Die Frauen suchen das Material zum Hausbau zusammen und bauen auch die Hütten.
Es ist wirklich merkwürdig, daß Volksstämme, die z. B. in der Webetechnik so weit wie diese Indianer gekommen sind, die Ackerbau und Viehzucht haben, sich mit so elenden Hütten begnügen. In regnerischen Nächten habe ich in ihnen Schutz gesucht und genau gesehen, wie die Indianer dort leben. Gießt es ordentlich, so regnet es überall hinein und Menschen und Sachen werden naß. In diesen kleinen Hütten, wo oft mehrere Familien zusammenwohnen, ist der Raum sehr beschränkt, und wenn in einer solchen Regennacht alle zu Hause sind, kann nicht jeder ausgestreckt liegen. Ich selbst habe geringe Bequemlichkeitsbedürfnisse, ich bin aber doch kein Freund davon, daß eine Person quer über meinen Beinen liegt oder daß ein mit Läusen behafteter Kopf auf meinem Kopfkissen Platz zu bekommen sucht.
Das Bett dieser Indianer ist während ihres ganzen Lebens ein Fell, oder bei den Ashluslays zuweilen eine Schilfmatte als Matratze, ein Holzklotz als Kopfkissen und, wenn es kalt ist, ein Fell- oder Schafwollmantel als Decke.