Ist es warm, so liegen sowohl Männer als Frauen vollständig nackt, und man sieht manches, was wir zivilisierten Menschen für unanständig halten. In der Regel liegen mehrere unter derselben Decke, und zwar nicht allein Männer, Frauen und Kinder, sondern auch mehrere Männer. Diese Sitte ist bei den Indianern so eingewurzelt, daß nur solche Decken unter meinen Tauschwaren gebilligt wurden, die zu einem zweischläfrigen Bett reichten.

Außer für die Menschen soll in jeder Hütte auch für eine Menge Hunde, Katzen, junge Strauße usw. Platz sein. Sie gehören zur Familie.

Ist es kalt und regnerisch, so ist die Feuerstätte in der Hütte, sonst kocht man in der Regel am liebsten außerhalb des Hauses. Das Feuer wird stets in Brand erhalten. Macht man eine kleine Reise, so nimmt man Feuer (einen Feuerbrand) mit. Nur auf längeren Wanderungen benutzt man das bekannte Feuerzeug, hölzerne Reibstäbchen.[17] Man bohrt in einem Stab von etwas weicherem Holz mit einer stärkeren Holzart so lange, bis durch die Reibung glühender Holzstaub entsteht. Dieses Feuerzeug ist jetzt im Verschwinden und wird durch Feuerstein, Stahl und Zunder (hier Caraguatábast) sowie durch Streichhölzer, leider nicht schwedischen, sondern italienischen Fabrikats, ersetzt.

Jeder Indianer besitzt nicht mehr, als die ganze Familie forttragen kann. Das meiste davon hängt in den Hütten unter dem Dache oder ist in die Wände hineingestochen. Hängebretter oder Klammern sieht man hier nicht. Jedes Individuum bewahrt seine Habseligkeiten allein, meistens in großen Taschen aus Caraguatá oder Fell, auf. Meine Lieblingsbeschäftigung war, in diesen Beuteln herumzuwühlen. In ihnen befinden sich wild durcheinander Geräte, Schmucksachen, Heilmittel, Samen, Schmutz und Insekten.

Jedes Individuum hat, wie gesagt, seine eigenen Beutel. Eine Frau verwahrt ihre Sachen getrennt von denen ihres Mannes. Ein Kind hat ebenfalls sein kleines Beutelchen.

Die für die Saat aufgehobenen Samen werden in mit Wachs verklebten Töpfen aufbewahrt. Am Dache hängen oft Tabak und getrocknete Früchte. In besonderen Schuppen werden größere Mengen dieser Konserven verwahrt.

Die Dörfer werden durch bissige, aber feige Hunde bewacht, die anschlagen, wenn ein Fremder sich dem Dorfe nähert. Sie teilen die Abneigung des Indianers gegen den weißen Mann.

Besucht man eine Chorotihütte, so wird einem in der Regel ein Holzklotz zum Sitzen angeboten. Bei den Ashluslays erhält man dagegen ein Fell oder eine Schilfmatte.

Die Arbeit beginnt in diesen Indianerdörfern in den allerfrühesten Morgenstunden. Die Frauen beginnen mit ihrer Wirtschaft, gehen aus, um Früchte zu sammeln oder nehmen sich eine andere Arbeit vor, die Männer schneiden ihre Werkzeuge, gehen auf die Jagd oder schlafen ganz einfach. Erst wenn es warm ist, begeben sie sich zum Fischfang. Ist es sehr kalt, so bleibt man am liebsten in der warmen Hütte, bis die Sonne richtig aufgegangen ist. Am Vormittag sind die meisten Indianer und Indianerinnen aus, um Nahrungsmittel für die Küche zu sammeln. Gegen Mittag kommt man mit dem Gesammelten oder Gefischten nach Hause. Hat man Glück gehabt, kommen z. B. die Fischer mit reicher Beute nach Hause, so herrscht in den Dörfern Freude. Die Kinder versammeln sich am Tage auf den Spielplätzen und vergnügen sich nach Herzenslust oder begleiten die Eltern zu ihrer Arbeit. Gegen Abend versammelt man sich wieder um das schöne, wärmende Lagerfeuer, die Tagesereignisse werden erzählt, die Pläne für den nächsten Tag entworfen. Am meisten spricht man vom Essen. Am Abend begibt sich die Jugend nach den Tanzplätzen. Während der Nacht ist es in diesen Choroti- und Ashluslaydörfern beinahe niemals richtig still. Dort wird gesungen, in Freude und Leid, dort wird gekocht, dort wird geschwatzt, dort hat die Jugend Rendezvous und dort wird gekichert und gelacht.

Diese Indianer schlafen des Nachts keine sieben bis acht Stunden ununterbrochen. Sie schlafen ein paar Stunden, essen und plaudern ein Weilchen, schlafen wieder, essen noch einmal usw. In der Regel schlafen sie viel mehr am Tage als wir. Der weiße Mann, der in einem solchen Indianerdorf lebt, lernt bald das System, zu schlafen, wenn es ihm am besten paßt.