[129] Vgl. auch: Erland Nordenskiöld. Globus 1910. Bd. 98 S. 181.

Zwanzigstes Kapitel.
Die Tsirakuaindianer.

Bei den wilden Tapietes am Rio Parapiti machte ich, wie schon erwähnt, die Bekanntschaft von Gefangenen eines Stammes, der in den unbekannten, wasserarmen Buschfeldern des nördlichen Chaco umherstreift. Die Tapietes nennen diese Indianer nach ihren eigentümlichen Streitkolben und Grabekeulen ([Abb. 139]) Tsirakuas. Die Weißen nennen sie Empelotos, was nackt bedeutet, die Chanés sagen Tsirióno. Mit den in den Urwäldern nördlich und östlich von Santa Cruz de la Sierra wohnenden Sirionos haben sie indessen nichts Gemeinsames. Die Tsirakuas gehören dem Trockenwald, die Sirionos dem finsteren, üppigen Hochwald an.

Die Tsirakuas werden von allen verfolgt. Die Weißen schießen sie nieder, wo sie sie treffen. Wenn möglich, rauben sie die Kinder von den Eltern, um sie taufen zu lassen und dann zu verkaufen. Die Chanés behandeln sie ebenso wie die Weißen. Die Tapietes in gleicher Weise.

Ihnen selbst ist es zuweilen gelungen, sich zu rächen. Am Rio Grande ermordeten sie vor einigen Jahren einige Kinder. Schlafende Landreisende sind des Nachts zwischen dem Rio Parapiti und dem Rio Grande überfallen worden. Wahrscheinlich sind es die Tsirakuas, die manchmal die von der Saline de San José Salz Holenden überfallen haben.

Die Tsirakuas, die ich gesehen habe, waren vier Kinder und zwei Frauen. Sie schienen mir ein ungewöhnlich breites Gesicht mit hervorstehenden Backenknochen zu haben. Die Kinder waren auf der Stirn bis zu den Augenbrauen stark behaart. Auch auf dem Körper hatten sie viel Haare. Die beiden Frauen waren im Verhältnis zu anderen Chacoindianern von normaler Größe.

Nach dem, was ich gesehen und erfahren habe, scheinen sich die Tsirakuas nicht zu tätowieren und auch keinen Körperteil zu verstümmeln oder zu durchbohren. Sie bemalen sich dagegen mit den Samen von Uruku rot und mit Ruß. Sowohl die Frauen als die Kinder waren äußerst schmutzig und voller Läuse.

Nach den Tapietes haben die Tsirakuas dieselben runden Hütten, wie sie selbst, die Chorotis, die Matacos und andere Stämme hier haben. Sie haben keine Hunde und keines der Haustiere des weißen Mannes. In der Nähe der Hütten haben sie zahme Vögel, die schreien, wenn sich jemand diesen nähert.

Abb. 139. Grabekeule. ⅛. Tsirakua.