Abb. 11 c = A 11 b.
Von der größten Bedeutung für die Chacoindianer ist das Einsammeln von wilden Früchten. Der Chaco ist, wie schon erwähnt, außerordentlich reich an solchen, und einige, wie der Tusca, Chañar und Algarrobo, kommen in so großer Menge vor, daß sie tausende Menschen ernähren können.
Jeden Morgen sieht man die Frauen in den Dörfern aufs Feld und in den Wald gehen, um alles Eßbare zu sammeln. Sie haben gewaltige Caraguatátaschen, in denen sie Früchte und Wurzeln sammeln, sowie Stöcke zum Ausgraben von Wurzeln und lange Haken zum Herunterholen von hoch in den Bäumen sitzenden Früchten mit. Den Mann sieht man höchst selten Früchte sammeln. Er tut dies nur, um der Frau ein wenig zu helfen. Außer Früchten werden verschiedene Blätter, Wurzeln, Wurzelstöcke der Caraguatá usw. gegessen. Zum Herausgraben dieser letzteren bedient man sich eigentümlicher Stöcke und Holzsägen.
Abb. 12. Chorotikinder spielen, daß sie den Fluß sperren.
Die wilden Früchte gehören keinem. Ein Indianer unternimmt jedoch keine Streifzüge in das Gebiet eines fremden Stammes, um Früchte zu sammeln.
Staunenerregend ist es, wie genau diese Indianer alle Pflanzen der Wälder und Felder kennen. Ein weißer Mann, der längere Zeit bei den Tobas als Gefangener lebte, hat mir erzählt, daß einmal schreckliche Not herrschte. Man versuchte da, alle möglichen und unmöglichen Zweige, Wurzeln und Blätter zu kochen, um darunter etwas zum Essen Taugliches zu finden.
Sicherlich ist der Mensch in solchen Zeiten der Not auf den Gedanken gekommen, sich durch Kochen und Auspressen des Saftes eine so giftige Pflanze wie die Mandioca nutzbar zu machen. Herrmann[21] berichtet, wie die Ashluslays es verstehen, eine von den Chiriguanos „Ihuahuasu“ genannte giftige Frucht durch Kochen eßbar zu machen.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die Botaniker keine der wichtigsten Kulturpflanzen dem Menschen gegeben haben. Alle waren schon von den Naturvölkern gekannt.
Die Ashluslays wie die Chorotis haben viele, wenn auch nicht große Pflanzungen und leben mehrere Monate jährlich von den Erzeugnissen dieser. Man kann gleichwohl mehrere Choroti- und Ashluslaydörfer besuchen, ohne eine einzige Pflanzung zu sehen, da diese weder in der Nähe der Dörfer noch der Flüsse liegen.[22]